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10. März 2010

Lehren aus der Internet-Blase: Die große Aktienlüge

 Von Robert von Heusinger
Wie ertragreich sind Aktienfonds?  Foto: FR-Infografik

Aktien sollen langfristig unschlagbar sein. Womit wir bei der Frage aller Fragen sind: Wie lange ist langfristig? Reicht ein Arbeitsleben aus? Eine Abrechnung in vier Überraschungen. Von Robert von Heusinger

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Langfristig schlagen Aktien immer Renten! Langfristig erzielen Aktien zehn bis 15 Prozent Rendite. Deshalb ist ein kapitalgedecktes Altersvorsorgesystem dem Umlageverfahren der gesetzlichen Rentenversicherung haushoch überlegen! So lautete die Propaganda, die die Finanzindustrie damals auf allen Kanälen verbreitete.

Damals, vor zehn Jahren, als die Technologieblase ihre größte Ausdehnung aufwies, war dagegen kein Kraut gewachsen. Die wenigen Mahner wurden mit der Statistik erschlagen. Seit Anfang der 80er Jahre kannten die Aktienkurse in den Industriestaaten nur eine Richtung: nach oben.

Auch wenn es schon damals an den Märkten mal ordentlich schepperte, spätestens drei Jahre später waren Aktien wieder auf der Gewinnerspur. Es gab vor zehn Jahren nur einen Stachel wider die Propaganda - und das war Japans Aktienindex Nikkei. Dieser hatte Ende 1989 sein Allzeithoch bei knapp 40.000 Yen erreicht und notierte damals bereits zehn Jahre deutlich darunter (auch heute übrigens noch).

Doch schon zehn Jahre, das war in der Hochzeit des Neuen Marktes verdammt langfristig. Pech nur, dass Japan von der Propaganda als Anomalie abgetan worden ist.

Womit wir bei der Frage aller Fragen an die Propaganda sind: Wie lange ist langfristig? Reicht ein Arbeitsleben aus? Reichen 30 oder erst 40 Jahre aus um die langfristige Überlegenheit der Aktien mit einer Sicherheit von 100 Prozent zu garantieren?

Schauen wir uns die Daten des BVI an, der der Lobbyverband der Fondsindustrie ist. Die Annahme ist, dass der Fondssparer Monat für Monat die gleiche Summe in den Durchschnitt der beim BVI erfassten Fonds einspart.

Sprich im echten Leben erwischen 50 Prozent der Sparer eine schlechtere Performance, genau wie 50 Prozent höhere Renditen mit nach Hause nehmen.

Die Rendite-Daten des BVI sind um die Kosten wie Ausgabeaufschlag und laufende Verwaltungsgebühren bereinigt. Es sind Netto-Renditen von denen wir Fondssparer noch Depotgebühren unserer Bank abziehen müssen, die zwischen 0,2 und 0,5 Prozentpunkte Rendite kosten. Und wir müssen im Kopf eigentlich auch noch 25 Prozent Abgeltungssteuer abziehen, wenn wir die Fonds im Alter verkaufen, um uns aus dem Geld eine Rente zahlen zu lassen. Soweit die Erklärung zu den Daten. Welche Überraschungen halten sie parat?

Nächste Seite: die vier Überraschungen

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