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Reportage von den Philippinen: Gefangen im Paradies

Lehnerts Verbündeter im Kampf gegen Willkür und Korruption ist Commissioner Marcelino C. Libanan, der Chef der Einwanderungsbehörde. Ein schwerer Mann mit Brille und Charles-Bronson-Frisur, der sich als "Pfadfinder, der dem Gesetz dient" beschreibt. "Ein anständiger Kerl", sagt Lehnert. Einmal die Woche treffen sich die beiden Männer in Libanans Büro in der Altstadt Manilas. Um sich auszutauschen, Gesetzeslücken zu finden, die man schließen sollte, Fälle zu besprechen oder weil Lehnert mal wieder die Unterschrift Libanans auf einem Entlassungspapier verlangt, und manchmal plaudern sie einfach über ihr Familienleben.

Vor drei Jahren übernahm Libanan die Behörde von seinem Vorgänger. Damals galt sie als eine der korruptesten im Land, mit der Lizenz zum Reich werden. Libanan hat sie während seiner Amtszeit zu einer der vorbildlichsten getrimmt, darauf ist er stolz. "Es ist eine Schande, was ausländischen Gästen passiert ist. Wir sind kein Verbrechersyndikat mehr." Niemand werde mehr ohne Anklage ins Gefängnis gesteckt, damit sich andere bereichern können, "die Zeiten der Gier und Korruption in dieser Behörde sind passé", sagt Libanan und hebt dabei die rechte Hand wie zum Schwur. "Ohne Alfreds Kampf für Gerechtigkeit hätte sich wahrscheinlich nie etwas geändert." Alfred Lehnert nippt an seinem Kaffee und lächelt.

Im Gefängnis von Mandaue trifft währenddessen Joachim Guilliard der nächste Schicksalsschlag. Seine Freundin beichtet ihm, dass sie einen anderen Mann liebt, sein Anwalt weiß noch immer nicht, wie er vorgehen möchte und fragt nach mehr Geld. Guilliard ist verzweifelt, und auch Alfred Lehnert kann im Moment nicht helfen: Er hat die zuständige Richterin nicht erreicht. Sie sei auf unbestimmte Zeit auf Geschäftsreise, heißt es. Niemand kann sagen, ob und wann Guilliard entlassen wird.

Lehnert ist wütend. "Da wird ein Leben zerstört, und niemanden interessiert das", sagt er und haut sich mit der flachen Hand auf den Oberschenkel. Ununterbrochen telefoniert er, mit Klienten, Richtern, Politikern, Anwälten. Dann fährt er bei seinem Freund Kardinal Vidal vorbei. Vielleicht kann der Geistliche bei der Richterin Eindruck schinden. Während er die lange Auffahrt zur Residenz des Kardinals hochfährt, klingelt sein Telefon. Am anderen Ende der Leitung ist Fall Nummer 61. Ein weiterer Deutscher sitzt im Ausländergefängnis von Bicutan. Ein Tauchlehrer, der acht Monate sein Visum überzogen hat. Alfred Lehnert verspricht zu helfen. Acht Tage später wird der Mann entlassen.

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4 von 4
Autor:  Carsten Stormer
Datum:  14 | 6 | 2010
Seiten:  1 2 3 4
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