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11. Januar 2013

Beyoncé Knowles: Widersprüchliche Gipfelstürmerin

 Von Sebstian Moll
Ihre Macht und ihr Einfluss erschrecken sie, dabei war Beyoncés Karriere stets minutiös geplant.  Foto: AFP

Der Macht so nah: Beyoncé Knowles singt bei der Amtseinführung von Obama die Nationalhymne. Umso verwirrender war der Auftritt, den Béyonce da bei den Grammy Awards im vergangenen Jahr hinlegte.

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Es war ein etwas verwirrender Auftritt, den Beyoncé Knowles da bei den Grammy Awards im vergangenen Jahr hinlegte – er wollte so gar nicht passen zu dem, was die Sängerin gerade erreicht hatte und was sie in der Pop-Welt darstellt. Wie ein schüchternes Schulmädchen wirkte die Queen des R’n’B, während sie auf die Bühne trippelte und nur ein knappes Dankeschön an ihren Ehemann und ihre Fans ins Mikrofon hauchte, bevor sie sich wieder hinter die Kulisse verkroch.

Beyoncé hatte gerade mehr Preise abgeräumt als irgendjemand vor ihr. In diesem Moment hatte sie den Olymp ihres Business bestiegen. Und dennoch passte die verhaltene Reaktion zu ihr, denn Beyoncé ist für viele Beobachter ein Enigma, ein wandelnder Widerspruch.

Höhepunkt der Macht

Wenn Beyoncé nun am 21. Januar bei den öffentlichen Vereidungsfeierlichkeiten zu Barack Obamas zweiter Amtszeit die amerikanische Nationalhymne singen wird, dann ist das ein wenig so, als würde sie zu ihrer eigenen Inauguration singen. Wie Obama, mit dem sie und Ehemann Jay-Z eng befreundet sind, ist Beyoncé auf dem Höhepunkt ihrer Macht und ihres Ruhmes.

Zur Person

Beyoncé Knowles wurde 1981 in Texas geboren. In den 90er-Jahren wurde sie als Mitglied der Girlgroup Destiny’s Child bekannt. 2003 startete sie ihre Solo-Karriere. Beyoncé und ihr Ehemann Jay-Z sind mit Barack Obama und seiner Frau Michelle befreundet und unterstützten den US-Präsidenten im vergangenen Jahr im Kampf um die Wiederwahl.

Bei der Vereidigung Obamas wird Beyoncé die Nationalhymne singen, wie das Organisationskomitee nun bekanntgab. Bei dem Spektakel unter freiem Himmel, zu dem am 21. Januar mehrere hunderttausend Menschen erwartet werden, treten außerdem Kelly Clarkson und James Taylor auf.

Sie hat seit Beginn ihrer Solo-Karriere vor zehn Jahren Platten im Wert von einer Milliarde Dollar verkauft. Das Forbes Magazine wählte sie neben Startalkerin Oprah Winfrey und First Lady Michelle Obama zu einer von nur drei schwarzen Frauen auf ihrer Liste der 100 einflussreichsten Personen. Nur 14 Tage nach der Inauguration Obamas singt sie beim Super Bowl gleich noch einmal vor einem Milliardenpublikum. Das Football-Finale ist das zuschauerträchtigste Sportereignis der USA. Im vergangenen Jahr hatte Madonna dort einen vielbeachteten Auftritt. Nun ist Beyoncé auf dem Gipfel ihrer Karriere, mehr geht nicht.

Und doch gibt sie sich in der Öffentlichkeit, anders als in der Branche üblich, häufig zurückhaltend und bescheiden. In Interviews vermittelt sie oft den Eindruck, als könne sie das alles nicht fassen, was ihr da so widerfährt. „Ich kann gar nicht darüber nachdenken, wie viel Macht und Einfluss ich habe, das erschreckt mich“, sagte sie jüngst gegenüber dem Männermagazin GQ. Und: „Ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass ich hart dafür gearbeitet habe und dass ich das verdiene.“

Hart gearbeitet

Hart für den Erfolg gearbeitet hat Beyonce tatsächlich. Seit sie als Jugendliche mit ihrer Girls- Band Destiny’s Child erste Erfolge feierte, steuerte sie zielgerichtet auf eine Weltkarriere zu. „Ich hatte mir als Kind schon das Ziel gesteckt, mit dreißig tun zu können, was immer ich will“, sagt die heute 31-Jährige. Den Weg dafür hat Vater Matthew geebnet, der von Anfang an sorgfältig die Karriere seiner Tochter managte. Auch wenn er es gerne abstreitet, war Matthew Knowles stets die treibende Kraft hinter Beyoncés Erfolg.

So ist die Laufbahn von Beyoncé, wie das heute im Pop-Geschäft immer häufiger der Fall ist, ein minutiös geplantes Unternehmen. Und dazu gehört in diesem Geschäft vor allem auch eine sehr sorgsame Verwaltung des Images.

So ist Beyoncé sehr darauf bedacht, eine möglich breite Schicht von Fans anzusprechen und nirgends anzuecken. Sie ist zwar R’n’B-Künstlerin, doch mit Elektropop-Anklängen und ihren blond gefärbten Haaren, sucht sie ihre Fans auch weit außerhalb der schwarzen Musik. Sie und Jay-Z sind zwar mit den Obamas befreundet, zu einer politischen Partei hat sie sich aber nie bekannt. Ihre Bühnen-Präsenz und ihre Video-Clips sind zwar stets sexy und gewagt. Auf der anderen Seite handelt ihr letztes Album „4“ jedoch vom Familienglück und sie spricht in Interviews von ihrer Religiosität. Sie hat sich seit ihrem Hit „Independent Woman“ ein Image als moderne Feministin aufgebaut, gleichzeitig singt sie in „Single Ladies“ davon, dass eine Frau ohne Ehering niemals glücklich sein kann.

Kongenialer Schachzug

Alles an Beyonce scheint kalkuliert zu sein. Selbst die Ehe mit Jay-Z erweckt den Eindruck eines kongenialen Schachzugs. Die beiden sind das Power-Paar der aktuellen Popmusik, die Karrieren beider haben von der Verbindung stets immens profitiert. Erst die Hochzeit mit Jay-Z, der von Vater Matthew Knowles die Management-Funktionen übernommen hat, hat Beyoncé in das Reich das Mega-Startums katapultiert. Das Paar ist heute gemeinsam eine Art Pop-Großkonzern.

Ob sie das wirklich alles nicht fassen kann, wie sie das gerne darstellt, ist dabei schwer einzuschätzen. Durch die Marke Beyoncé zu der authentischen Beyoncé durchzudringen, ist wie auch bei ihrer exzentrischen Kollegin Lady Gaga nicht einfach. Eines ist jedoch sicher: Bei der Inauguration Barack Obamas, im engsten Umkreis der Macht, ist Beyoncé genau da, wo sie immer hin wollte.

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