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Promi-News und Interviews mit den ganz Großen

27. Februar 2013

Billy Crystal: Die Allzweckwaffe

Szene aus dem Kinofilm "Die Bestimmer - Kinder haften für ihre Eltern". Foto: dpa

Billy Crystal spricht im Interview über Frauen, das Älterwerden, seinen neuen Film „Die Bestimmer“ und warum er nach jedem Film glaubt, nie wieder einen Job zu finden.

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Billy Crystal ist einer der letzten Überlebenden einer wunderbaren Spezies: Er ist noch ein klassischer Entertainer, der auf vielen Gebieten erfolgreich ist. Aktuell spielt der 64-Jährige an der Seite von Bette Midler in der Komödie „Die Bestimmer“ einen Großvater, der nicht nur gerade seinen Job verloren hat, sondern auch noch ein paar Tage lang auf seine drei Enkelkinder aufpassen soll. Als die alten Erziehungsmethoden jedoch versagen, ist das Chaos vorprogrammiert.

Im Film werden Sie als Sportmoderator gefeuert. Ist Ihnen so etwas im wahren Leben auch schon mal passiert?

Nicht auf diese Art und Weise wie im Film. Aber ja, mir ist das auch schon passiert. Der Fernsehsender NBC hat mich gefeuert, ich hatte dort eine Unterhaltungsshow in den 1980er-Jahren, die nicht besonders gut lief. Die Verantwortlichen haben die Sendung dann abgesetzt und mich rausgeschmissen.

Auch ein scheinbar von Dauererfolg verwöhnter Billy Crystal wurde also schon einmal rausgeworfen.

Sie haben es erfasst. Das sollte jemand wie ich auch einmal erlebt haben. Wenn man so etwas mitmachen muss, lernt man viel über sich selbst.

Wie meinen Sie das?

Ich denke jedes Mal, wenn ich einen Job beendet habe, dass ich nie wieder Arbeit finden werde. Und ich kann Ihnen nicht sagen, warum es so ist. Ich kann es nur so erklären: Als Schauspieler arbeiten wir meistens für eine kurze Zeit sehr intensiv. Doch wenn ein Projekt dann zu Ende ist, weiß ich nie, wohin mit meiner ganzen Energie und falle in ein Loch.

Sie haben einen sehr persönlichen Film gemacht. Haben Sie sich eigentlich auch von Ihren eigenen Erfahrungen als Großvater, der auf seine Enkel aufpassen muss, inspirieren lassen?

Ja, ich bin Vater zweier Töchter und mir kam die Idee zu dem Film, als ich sechs Tage auf meine Enkel aufgepasst hatte. Es war harte Arbeit, das hatte ich schon ganz vergessen, denn Kinder brauchen ständig Aufmerksamkeit. Als die Kinder am siebten Tag abgeholt wurden, bin ich gleich in mein Büro gefahren und habe mit dem Schreiben angefangen.

Sie waren lange Zeit der einzige Mann in einem reinen Frauenhaushalt. Wie war das?

Meine Töchter waren für mich ziemlich lange kleine Mädchen. Doch als sie dann erwachsen wurden, fuhr ich plötzlich nicht mehr mit meiner Frau und zwei Kindern in den Urlaub, sondern mit drei Frauen. Es veränderte sich schon einiges, als meine Mädchen älter wurden. Manchmal dachte ich, ich muss jetzt dringend mal mit einem anderen Mann sprechen.

Was haben Sie als Vater von zwei Töchtern gelernt, was Sie vorher noch nicht über Frauen wussten?

Meine Töchter reisen gern im Rudel. Und sie gehen nicht gern allein zur Toilette, meistens haben sie mindestens eine Freundin dabei, oft auch zwei. Aber meine Mädchen sind so süß, ich habe sie immer mit kleinen Labradoren verglichen: Sie kommen immer wieder zu mir zurück. Und sie sind auch heute noch für ihren Daddy da. Und ich kann wirklich aus tiefstem Herzen behaupten, dass ich es bis heute nie vermisst habe, einen Sohn zu haben.

Im Film spielen Sie einen Baseball-Enthusiaten, der Sie auch im wirklichen Leben sind. Ist dieses Thema auch eine Art Hommage an Ihren Vater, den Sie sehr früh verloren haben und der diese Begeisterung an Sie weiter gegeben hat?

Baseball war in meiner Kindheit und Jugend tatsächlich besonders wichtig für mich, weil das eine Welt war, in die mein Vater mich eingeführt hatte und in der ich mich wohlfühlte. Dieses Gefühl ist mir auch nach seinem Tod geblieben. Mein Vater besaß ein kleines Plattengeschäft in New York und ich erinnere mich noch sehr genau, dass er mir eines Tages, als ich noch sehr klein war, eine Schallplatte mit nach Hause brachte: „Die größten Sportmoderationen aller Zeiten“. Die habe ich mir immer wieder angehört. Und ich konnte die Moderatoren schon imitieren, als ich gerade mal fünf Jahre alt war. Ich konnte beispielsweise den Kommentar zum Joe Louis Boxkampf Wort für Wort nachsprechen.

Sie haben ein Buch über das Älterwerden geschrieben, es soll in diesem Jahr, anlässlich Ihres 65. Geburtstages auf den Markt kommen. Worum geht es genau?

Es geht um uns Männer und darum, wie wir altern. Dieser Prozess ist anders als bei Frauen. Und soviel ich weiß, ist darüber noch kein Buch geschrieben worden. Eigentlich habe ich an einer neuen Stand-up-Comedy-Show gearbeitet, und das Älterwerden war das Thema, das plötzlich über allem stand. Ich konnte es nicht fassen, dass ich tatsächlich 65 Jahre alt werde. Also fing ich an, darüber zu schreiben und irgendwie wurden diese kleinen Nummern immer größer. Aus den Kurztexten wurden Essays. Und irgendwann las sich das Ganze wie ein langer Artikel für das Magazin The New Yorker. Ich habe mit meinem Verleger darüber gesprochen und der meinte: „Daraus müssen wir unbedingt ein Buch machen.“ Ich glaube, ich nenne es „Das Handbuch für 65-jährige Männer“.

Ist es eigentlich ein gutes oder eher ein schlechtes Gefühl, als lebende Legende bezeichnet zu werden?

Es bedeutet, dass ich alt bin. Ich weiß auch gar nicht, was das bedeuten soll. Eine Legende ist für mich so etwas wie ein Märchen oder eine Sage. Diese Erzählungen haben nichts mit der Wirklichkeit zu tun, sie entspringen einer Fantasiewelt. Aber ich bin keine Legende, sondern ein Veteran, der sich schon ziemlich lange in der Unterhaltungsbranche herumtreibt.

Das Interview führte Christian Aust.

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