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07. Januar 2013

Christian und Bettina Wulff Trennung: Zuviel Macht, zuviel Glamour

 Von Holger Schmale
"Ganz bewusst stellte ich mich ein Stück weit entfernt von Christian": Bettina Wulff.  Foto: dpa

Als Traumpaar der deutschen Politik ließen sich Christian und Bettina Wulff einst feiern. Gerade einmal sechs Jahre hat die Beziehung gehalten.

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Fast ein Jahr hat es also noch gedauert nach dem 17. Februar 2012 – dem Tag, an dem Christian Wulff als Bundespräsident zurücktrat und den seine Frau Bettina nutzte, um erstmals öffentlich ihre Distanz zu ihm zu demonstrieren. Sie hatte sich das sehr genau überlegt, wie sie in ihrem im Sommer erschienenen Buch schreibt: „Ganz bewusst stellte ich mich ein Stück weit entfernt von Christian, um so zu zeigen: Ich bin eine eigenständige, selbstständige Frau.“

Seit diesem Montag ist sie das nun auch wieder ganz formal und offiziell. Vor einem Anwalt in Hannover haben die Noch-Eheleute eine Trennungsvereinbarung unterzeichnet; Christian Wulff ist am Wochenende aus dem Einfamilienhaus in Großburgwedel ausgezogen und wohnt nun in einer Mietwohnung in Hannover. Bettina Wulff bleibt mit dem gemeinsamen Sohn Linus (4) und ihrem Sohn aus erster Ehe, Leander (9), in dem Haus, mit dessen umstrittener Finanzierung das politische und persönliche Drama der Wulffs einst begann.

Sechs Jahre als Traumpaar

Aber was heißt schon einst. Gerade einmal sechs Jahre hat die Beziehung zwischen Christian und Bettina Wulff gehalten, die einige Zeit von der bunten Fachpresse als das Traumpaar der deutschen Politik gefeiert wurde. Das begann 2007 in Niedersachsen, als der biedere CDU-Ministerpräsident sich in die 14 Jahre jüngere Pressereferentin verliebte und nach 18 Jahren seine erste Frau verließ.

Das für einen katholischen Politiker einer konservativen Partei in einem ländlich geprägten Umfeld waghalsige Manöver gelang. Dank einer geschickten Pressearbeit und einer willigen Bild-Zeitung nahm die Öffentlichkeit Wulff nicht als miesen Ehebrecher, sondern als modernen, liberalen Mann mit einem zweiten Leben an der Seite einer strahlenden jungen Frau wahr.

Als Wulff dann auch noch 2009 Horst Köhler als Bundespräsident nachfolgte, wurde dem Land eine junge Patchworkfamilie vorgeführt, die im angestaubten Schloss Bellevue das Modell eines modernen, vielen Menschen nahen Lebensentwurfs zeigte. Das war vor allem das Werk Bettina Wulffs. Sie wolle, dass ihre Kinder normal aufwachsen, sagte sie gern. „Dass sie in eine öffentliche Schule, in einen öffentlichen Kindergarten gehen, dass sie Freunde haben, die sie nachmittags treffen können, dass sie zum Schwimmkurs und zum Kindergeburtstag gehen, eben ganz normale Dinge.“ Bodenhaftung. Das war die eine Seite.

Bettina Wulff am Montag in Großburgwedel bei Hannover.
Bettina Wulff am Montag in Großburgwedel bei Hannover.
Foto: dpa

Doch gerade Bettina Wulff hat intensiv auch die andere Seite des Bildes geprägt, das vor allem in Illustrierten wie der Bunten zu betrachten war. „Der neue Stil von Schloss Bellevue wird erkennbar: eine perfekte Mixtur aus Macht und Glamour“, schrieb das Blatt in einem begeisterten Bericht über den Auftritt des „First Couple“ auf der Aids-Gala in Berlin.

Staunend betrachteten vor allem jene die Wandlung des Christian Wulff an der Seite seiner Bettina, die ihn als eher ein wenig intriganten Provinzpolitiker kennengelernt hatten. „Sie hat bei ihm die Bremsen gelockert“, sagte einer, der Wulff seit seiner Zeit in Osnabrück kennt. Nun war da ein Bundespräsident, der die Nächte durchtanzte und in Illustrierten über die Ballkleider seiner Frau plauderte.

Aus dem Buch Bettina Wulffs weiß man inzwischen, dass für sie die Zeit im Schloss Bellevue offenbar alles andere als traumhaft war. „Er war so sehr mit dem Komplettpaket Bundespräsident beschäftigt, dass er nicht realisierte, wie es mir ging“, schrieb sie. Sie fühlte sich unwohl in der unpersönlichen, überwachten Dienstvilla in Dahlem.

Bettina Wulff fühlte sich unselbstständig

Und: „Die finanzielle Abhängigkeit von meinen Mann machte mir zu schaffen. “ Immer wieder kommt Bettina Wulff in ihrem Buch auf den Verlust ihrer Eigenständigkeit zurück. „Als Bundespräsident und als Frau des Bundespräsidenten mussten wir zu einer quasi untrennbaren Einheit werden (...) Ich hatte ein großes Stück Selbstbestimmung verloren.“ Das galt dann auch, als die Vorwürfe gegen Christian Wulff auftauchen: über Unregelmäßigkeiten beim Hauskauf, bei den Urlauben, die problematische Nähe zu manchen Prominenten. „Mein Mann und ich, wir als Ehepaar Wulff, wurden gerne, als es um die lange Liste der möglichen Vergehen ging, von den Medien über einen Kamm geschoren.“

Dem hat sie nun endgültig den Boden entzogen. Manche sahen schon in ihrem freimütigen und streckenweise naiven Buch die Trennungsankündigung. Doch bis zum Heiligen Abend haben die Wulffs die Fassade noch aufrecht erhalten. Zu Weihnachten erschien ein Fotos vom gemeinsamen Einkauf im Supermarkt.

Eine besondere Pointe aber hat am Montag die Bild-Zeitung gesetzt. Sie hat wie kein anderes Medium den Aufstieg und den Fall der Wulffs nicht nur begleitet, sondern auch betrieben. Die missliche Beschwerde Wulffs auf der Mailbox des Chefredakteurs Kai Diekmann beschleunigte noch den Sturz. Da fügt es sich, dass der erste Bericht über die Trennung nun aus der Feder von Diekmann stammte.

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