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Promi-News und Interviews mit den ganz Großen

10. Dezember 2012

Craig Kielburger: Der Justin Bieber der Gutmenschen

 Von Sebastian Moll
Hat Spenden sexy gemacht: Craig Kielburger. Foto: REUTERS

Seit er zwölf ist, hilft Craig Kielburger anderen. Heute ist der Star der Kinder-Wohltäter fast so beliebt wie Teenie-Schwarm Justin Bieber.

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Jeder kennt sie, diese Kinder, die alles wissen und daher reden, als hätten sie schon ein ganzes Leben hinter sich. Und jeder weiß, wie nervig sie sein können. Craig Kielburger war so ein Kind. Wenn man alte Videoaufnahmen von ihm sieht, möchte man den damals Zwölfjährigen am liebsten schütteln und ihm sagen, er soll erst einmal warten, bis er sich rasieren muss, bevor er so daher redet. „Wie bist du auf den Gedanken gekommen, dass ausgerechnet du etwas verändern kannst?“, fragte ihn 1996 der TV-Reporter Ed Bradley. „Ich dachte mir, warum nicht ich“, kam die nassforsche Antwort. „Wenn jeder sagt, er kann nichts tun, dann passiert nie etwas.“

Damals war Craig Kielburger gerade von einer Reise durch Pakistan und Indien zurück gekommen, wo er sich über Kinderarmut und Kinder-Sklaverei informierte, um die Welt darauf aufmerksam zu machen. Ein Jahr zuvor hatte er in seiner Heimatzeitung in Toronto einen Artikel über einen versklavten Jungen in Islamabad gelesen, der ihn so aufgewühlt hatte, dass er seine Eltern so lange nervte, bis sie ihn fahren ließen.

"Free the children" verwaltet Millionen-Budget

Heute sind Kielburger und sein Bruder Marc die Direktoren der größten Entwicklungshilfeorganisation von Kindern für Kinder auf der Welt. „Free the Children“ hat ein Budget von 30 Millionen Dollar und betreibt Projekte in 45 Ländern. Die zwei Millionen Freiwilligen von „Free the Children“ , die alle unter 18 Jahre alt sind, bauen in der dritten Welt Schulen, versorgen Dörfer mit Trinkwasser, suchen nach Vertriebswegen für die örtlichen Handwerker. Auf dem besonders in Nordamerika boomenden Markt der privaten Philanthropie ist „Free the Children“ eine einzigartige Erfolgsgeschichte.

Mehr noch, „Free the Children“ ist eine Art Kult geworden. Einmal im Jahr treffen sich die wohltätigen Kids von „Free the Children“ zum „We Day“ einem zweitägigen Motivationsfestival, bei dem man sich unaufhörlich gegenseitig versichert, dass man die Welt retten kann. Al Gore ist schon beim We Day aufgetreten und Bischof Tutu, Nelly Furtado und Will.I.Am haben dort gespielt. Der absolute Höhepunkt ist jedoch stets der Auftritt von Kielburger. Wenn er die Bühne betritt wird das Publikum hysterisch, Mädchen kreischen lauter als bei Justin Bieber.

Kielburgers Rezept: Idealismus und Nauivität

Kinder-Wohltätigkeit ist ein Phänomen in den USA und Craig Kielburger ist der Super-Star der Bewegung. „We Day ist das Allergrößte überhaupt“, sagte die 13 Jahre alte Magdalena Dutkowska jüngst dem Fernsehsender CBS in einer Dokumentation über Kielburger. Dutkowska hat in ihrem Heimatstaat Connecticut genügend Geld gesammelt, um in Kenia eine Schule zu bauen und ist im vergangenen Jahr dort hingereist. „Die tollste Erfahrung meines Lebens“, sagt sie.

Kielburger hat den amerikanischen Hang zur Wohltätigkeit, der tief in der Tradition des US-Kapitalismus verwurzelt ist, jung und sexy gemacht. Er ist die Junior Version von Bill Gates und George Soros und er gibt pubertierenden Jugendlichen etwas, wonach sie sich dringend sehnen: Das aufregende Gefühl, in der großen Welt mitmischen zu können und etwas zu bewegen.

Kielburgers Chuzpe, auf eigene Faust in die Welt zu ziehen und etwas zu bewegen, bleibt dennoch erstaunlich. Seinen Jüngern bietet er alle nur erdenklichen Werkzeuge und Informationen, um sich zu engagieren. Er selbst marschierte hingegen mit einer verblüffenden Mischung aus Idealismus und Naivität einfach auf eigene Faust los.

Kurz nachdem Kielburger den Artikel über den pakistanischen Jungen gelesen hatte, rief er elf seiner Klassenkameraden zusammen, um zu überlegen, was man tun kann. „12 under 12“ nannten sie sich – zwölf Jungs unter zwölf. Die Idee zur Reise nach Pakistan wurde geboren, um aufzurütteln und die Geschichten ihrer Altersgenossen dort zu erzählen. Es war die Geburtsstunde von „Free the Children“.

Kinder verschaffen sich Gehör

Der Zufall wollte es, dass zur gleichen Zeit wie Kielburger der kanadische Ministerpräsident Jean Chretien in Indien weilte. Kielburger bat um ein Treffen, das ihm jedoch verweigert wurde. Daraufhin berief er eine viel beachtete Pressekonferenz ein, in der er der kanadischen Regierung vorwarf, das Problem der Kinderarbeit zu ignorieren. Chretien gab schließlich nach und empfing Kielburger. Die Erfahrung, dass er sich Gehör verschaffen konnte, prägte ihn. Diese Erfahrung gibt er nun an Millionen von Kindern in der westlichen Welt weiter.

Es ist wie bei jeder Entwicklungshilfe: Die Geber profitieren davon mindestens genau so sehr wie die Empfänger. Magdalena Dutkowa bekam von ihrem Dorf in Kenia eine Ziege geschenkt. Die konnte sie nicht mit nach Connecticut bringen. Was sie jedoch mitnahm, war die Einsicht, „dass wir unglaublich dankbar sein müssen, für das was wir haben“. Das klingt nach einem Klischee. Aus dem Mund eines Mädchens, das Kinder getroffen hat, die kein Trinkwasser haben und nicht genügend zu essen, ist es jedoch schwer zu überhören.

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