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17. Dezember 2012

Debatte um Steuerflucht: Depardieu will kein Franzose mehr sein

 Von Stefan Brändle
Gérard Depardieu, einer der bedeutendsten Schauspieler Frankreichs. Foto: AFP

Gérard Depardieu kehrt seinem Heimatland Frankreich den Rücken und wandert nach Belgien aus. Premierminister Ayrault sieht Steuerflucht als Grund für Depardieus Umzug und findet das "ziemlich erbärmlich" - der Schauspieler schießt zurück.

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Paris –  

"Ich habe hier leider nichts mehr zu tun." Mit diesem bitteren Satz verabschiedet sich Depardieu von seinem Vaterland. Der 63-jährige Schauspieler, Filmproduzent und Hobbywinzer teilte dem französischen Premierminister Jean-Marc Ayrault am Sonntag in einem Offenen Brief mit, er gebe seinen Pass zurück. Vor einer Woche hatte der "Obelix der Republik", wie er in Anlehnung an eine Filmrolle genannt wird, seinen Umzug nach Belgien vollzogen.

Ayrault hatte vergangene Woche erklärt, es sei "ziemlich erbärmlich", seine Heimat aus steuerlichen Gründen zu verlassen. "Erbärmlich, haben Sie erbärmlich gesagt?", beginnt nun der schwergewichtige Schauspieler seine Tirade. "Wer sind Sie, mich überhaupt zu beurteilen?", fragt er voller Verachtung, um anzufügen, er selbst sei ein freier Mensch, wolle aber höflich bleiben. Er habe mit 14 Jahren als Drucker zu arbeiten begonnen, sei Schauspieler geworden und habe Frankreich insgesamt 145 Millionen Steuern entrichtet; 2012 habe er 85 Prozent seines Einkommens versteuert.

"Ich gehe, weil der Erfolg, die Kreativität, das Talent, das heißt das Anderssein, sanktioniert werden", meint Depardieu, um zu präzisieren, dass sein Umzug nach Belgien "zahlreiche und intime Gründe" habe. Namentlich klagt der Schauspieler, dass sein - heute verstorbener - Sohn Guillaume wegen zwei Gramm Heroin zu drei Jahren Haft verurteilt worden sei, "während andere wegen viel gravierender Delikte dem Gefängnis entgehen". 

Sich permanent auf Ayrault einschießend, durch den er sich "beschimpft" fühlt, meint der Darsteller von 130 Charakter-, aber auch populären Rollen: "Wir haben nicht mehr die gleiche Heimat. Ich bin ein richtiger Europäer, ein Weltbürger, wie mir das mein Vater eingeimpft hat."

Depardieu muss Belgier werden

Das Nachbarland Frankreichs kennt keine Vermögensteuer. In Frankreich dagegen gilt eine Steuer von 75 Prozent, die Präsident François Hollande in Umsetzung eines Wahlversprechens eingeführt und über die sich Depardieu mehrfach abfällig geäußert hatte.

Der Verzicht auf die Staatsbürgerschaft ist in Frankreich nur möglich, wenn der oder die Betreffende eine neue Nationalität erhalten hat. Depardieu muss also zuerst Belgier werden, bevor er seinen französischen Pass abgeben kann. Seine 1800 Quadratmeter große Stadtvilla im Herzen von Paris schrieb er letzte Woche für 50 Millionen Euro zum Verkauf aus.

Mitglieder der belgischen Arbeiterpartei PIB begrüßen Depardieu vor seinem neuen Haus im belgischen Dorf Nechin. Auf dem Plakat steht "Willkommen, Gerard!", die Schachteln sind mit sarkastischen Sprüchen zum Thema Steuerflucht bedrückt ("Wir zahlen die Krise nicht", "Fanclub der Reichensteuer"). Foto: AFP

Die impulsive Reaktion Depardieus dürfte nicht nur mit Ayraults Bemerkung zu tun haben, sondern den in Frankreich meist negativen Kommentaren auf sein belgisches Exil. Viele Politiker warfen ihm mangelnden Patriotismus vor; auch Hollande verlangte ein "ethisches Verhalten" sowie die Neuverhandlung des Doppelsteuerabkommens mit Belgien. Ein sozialistischer Abgeordneter will Depardieu gar die Staatsbürgerschaft aberkennen.

Diesen Rufen kommt der Angesprochene nun zuvor. Depardieu erklärte, er liebe die Franzosen und das Filmpublikum weiterhin, und er hoffe, dass Frankreich ein schönes Land bleibe. Dass eine lebende Kinolegende, die den französischen Film wie kaum jemand sonst verkörpert, ihnen trotzdem den Rücken kehrt, dürfte seine Landsleute mehr treffen, als sie zugeben würden.

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