Aktuell: Trauer um Claudia Michels | Pegida | Flucht und Zuwanderung | Fußball-News | Eintracht Frankfurt

Leute
Promi-News und Interviews mit den ganz Großen

11. November 2012

Demi Moore wird 50: Solange die Schenkel noch straff sind

 Von Carmen Böker
Die Zeichen der Zeit: Keinen schlimmeren Feind kann sich Demi Moore vorstellen, und sie kämpft mit großen Effekt gegen ihn an.Foto: AP/ Victoria Will

Schauspielerin Demi Moore feiert ihren 50. Geburtstag. Man möchte sie bedauern, weil kaum eine so verzweifelt wie sie ums Jungbleiben kämpft. Aber ist Altwerden denn heutzutage überhaupt eine Alternative?

Drucken per Mail

Älterwerden ist nichts für Feiglinge, hat Bette Davis einmal gesagt. Die Schauspielerin, geboren 1908, gestorben 1989, gehört zu einer Generation, in der Frauen über 30 als spätgebärend galten und Frauen über 40 sich aufs Großmutterdasein vorbereiteten, fest ins Matronenkostüm gepresst. Dem Alter entsprechend, hieß das dann. Es gab kein Entkommen aus diesem Rollenmodell.

Älterwerden ist heutzutage, wie es scheint, überhaupt keine Option mehr. Man ignoriert einfach, dass es geschieht und Veränderungen mit sich bringt. Dass ein Lebensentwurf vom Alter abhängt und vom Alter wiederum die individuelle Ausstattung – das wirkt wie ein Zwang von gestern, wie die links geknüpfte Dirndlschürzen-Schleife, wenn die Frau noch unverheiratet ist. Allerdings wurden die alten Zwänge durch neue, ähnlich anstrengende Ansprüche ersetzt.

#gallery

Das beste Beispiel dafür ist, wie könnte es anders sein, ebenfalls eine Schauspielerin – Demi Moore, die am Sonntag 50 Jahre alt wird. Man darf vermuten, dass sie das Datum ziemlich quält; kaum jemand kämpft so verbissen wie sie gegen die Zeichen der Zeit an, versucht, die Model-Maße und den taufrischen Teint einer 20-Jährigen zu erlangen.

Dass sie 2010 Fotos von sich im knappen Bikini twitterte, dass sie sich schon vor ihrem Auftritt in „3 Engel für Charlie – Volle Power“ (2003) hatte runderneuern lassen – das kann man lächerlich oder bemitleidenswert finden. Aber Demi Moore – die ohne sehr hohe Absätze, sehr kurze und/oder enge Kleider sowie sehr akribisch coiffierte Prachtmähne nur selten gesichtet werden kann – überzeichnet nur bis ins Maßlose, woran sehr viele heute latent leiden: an dem Wahn, nicht altern zu müssen.

"Von hinten Lyzeum, von vorne Museum"

Wer morgens nicht zu deutlich in den Spiegel schaut, wenig isst und viel Sport treibt, der kann ewig jenes Leben weiterführen, in dem er sich in jungen Jahren eingerichtet hat. Er muss nur darüber hinwegsehen, dass der Minirock oder die Motorrad-Lederjacke vielleicht nicht mehr ganz so verwegen wirken wie vor 20 Jahren. Wenn man selbst nicht betroffen ist, sagt man dazu im Nachgang gern so etwas wie: „Von hinten Lyzeum, von vorne Museum.“ Gemeint ist damit: Hier versteht jemand nicht, dass er seinen jugendlichen Klamotten, seiner studentischen Attitüde entwachsen ist. Und dass der Kontrast zwischen Wunsch und Wirklichkeit ganz besonders unschmeichelhaft ist, fast schlimmer in der Wirkung als eine olle Schlupfbund-Hose. Weil nichts so alt macht wie der verzweifelte Versuch, jung auszusehen.

Der meistverbreitete Fehler beim Jungbleibenwollen ist nicht die Schönheitsoperation, die Demi Moore im Dutzend zugeschrieben wird, inklusive Kniestraffungen und Kollagen-Injektionen für hübsche Apfelbäckchen. Die OP ist die letzte Konsequenz, vor der berechtigterweise viele zurückschrecken – der erste Fehler aber ist die gesellschaftsweit verbreitete Annahme, dass allen alles offensteht, dass man das Gleiche tragen kann wie Nichten, Neffen und überhaupt nachfolgende Generationen.

Und dass man das, jenen eine besondere Pein, auch noch in denselben Geschäften wie sie einzukaufen gedenkt. Demi Moore ist eine dieser Frauen, die mit ihren Töchtern um die engste Jeans streitet– um, jugendaffin, eher ihre Freundin als ihre Mutter sein zu wollen. Das allerdings ersetzt nur ein Klischee durch ein anderes.

In der Ausstattung ein Vierteljahrhundert hinter dem verbrieften Alter zurückbleiben zu wollen, ist dabei nicht nur eine Spezialität von Demi Moore. Auch ihre Kollegin Sharon Stone, 54, ist versessen auf transparente Oberteile, tiefe Ausschnitte und knappe Röcke. Gar keine Frage, sie kann sich das leisten – was als Botschaft allerdings entnervend eitel wirken kann.

Lustigerweise erregte Stone in der letzten Woche aber gerade durch die Beachtung aus der Mode gekommener Kleiderregeln Aufsehen: Sie erschien zu einem Ladies’ Lunch im eleganten grauen Seidenkleid mit kleinem Pelzkrägelchen, dazu trug sie Krokohandtasche, Handschuhe und einen, zugegeben, nicht recht vorteilhaften, aber sehr damenhaften Hut. Die Häme der Stil-Blogger war groß: Sharon Stone sehe aus wie ihre eigene Großmutter. Wäre es weniger fies, wenn man schriebe, sie habe sich ihrem Alter angemessen gekleidet? Für Frauen wie sie kann es nichts Schlimmeres geben. Und generell gibt es derlei alterskonforme Kleidung wohl bald gar nicht mehr. Mögen heute auch noch haferflockenbeige Blousons in den Straßen spazieren getragen werden oder bläuliche Pudel-Dauerwellen: Bald wird der Unterschied zu den Enkeln nur noch in Inch gemessen, anhand der Jeansgröße. Alle anderen Unterschiede lassen sich leugnen.

Schwäche für jüngere Männer

Sharon Stone und Demi Moore haben natürlich noch etwas gemeinsam, den Hang zu jüngeren Männern. Moores Ehe mit dem 16 Jahre jüngeren Ashton Kutcher endete vor gut einem Jahr; dass Kutcher, 34, unterdessen mit Mila Kunis, 29, liiert ist, dürfte eine wenig aufbauende Nachricht gewesen sein. Stone datet derzeit ein argentinisches Model und unterzieht damit ein weises Wort Chers dem Praxistest: dass man auf der Suche nach dem Richtigen viel Spaß mit dem Falschen haben könne.

Von beiden jedoch hat man von Berufs wegen seit vielen Jahren wenig gehört. Sie sind Schauspielerinnen, die über das Ausbleiben von Rollen klagen und mutmaßen, dass das mit dem Alter zu tun haben müsse – dessen Verleugnung doch zu ihrem wahren Lebensinhalt geworden ist. Demi Moore war, nach „Ghost“ (1990), die Erste, die in Hollywood wie die Männer zweistellige Millionengagen kassierte, sie war, eine kurze Zeit, ein Kassenmagnet, eine Leading Lady.

Nun, Julianne Moore (51) und Susan Sarandon (66) sind gut beschäftigte und hoch gepriesene Kolleginnen. Manchmal beguckt man sich ihre Kleider, öfter befasst man sich mit den Filmen, in denen sie mitgespielt haben. Und komischerweise redet man nie über ihr Alter.

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Ressort

Stars aus Film, Fernsehen und Sport - Interviews mit den ganz Großen, News über Leute in den Schlagzeilen.

Videonachrichten Leute
Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Videonachrichten Panorama
Kolumne
Tempo 30

Am Aschermittwoch 2009 wurde Sebastian Gehrmann 30. Alles war vorbei. Jetzt kann er darüber schreiben.

Quiz

Thomas Gottschalk übergibt "Wetten, dass..." an Nachfolger Markus Lanz. Testen Sie Ihr Show-Wissen!

Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!