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22. Oktober 2012

Dominic Heinzl: Ein Selbstdarsteller spaltet die Nation

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Dominic Heinzl 2010 bei der Ehrung als bester TV-Moderator. Foto: dpa/Archiv

Dominic Heinzl sorgt als Society-Reporter mit verbalen Entgleisungen regelmäßig für Aufsehen im österreichischen Fernsehen. Der Eklat mit Sido ist der vorläufige Schlusspunkt einer wenig ruhmreichen Karriere.

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Wien –  

Dominic Heinzl hat in seiner Reporter-Karriere zahlreiche Preise eingeheimst: Österreichischer Journalist des Jahres 2007, 2008 und 2009 in der Kategorie Unterhaltung, beliebtester Moderator 2009 und 2010. Trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - ist der 1964 in der Bezirksstadt Hollabrun nahe Wien geborene, auf ewig jung gestylte Selbstdarsteller eine der umstrittensten Persönlichkeiten in der an Originalen nicht unbedingt armen österreichischen Society-Szene.

Seine Karriere begann er bald nach dem Abitur beim öffentlich-rechtlichen Popsender Ö3. Als Moderator der Jugendsendung "Treffpunkt Ö3", Reporter und DJ avancierte das blonde Baby-Face alsbald zum Teenie-Schwarm. Im Fernsehen präsentierte er gemeinsam mit Arabella Kiesbauer das Jugendmagazin "X-Large" und moderierte die Hitparaden-Sendung "Die großen 10".

Auf dem Höhepunkt seiner Popularität kehrte Heinzl 1996 dem öffentlich-rechtlichen ORF den Rücken: Nach der großen Programmreform des neuen Sendechefs Bogdan Roscic war im Formatradio Ö3 kein Platz mehr für ihn. Heinzls Abgang fiel schon damals durchaus lautstark aus und sorge für einiges Rauschen im Blätterwald.

Vom Teenie-Schwarm zum Ungustl

Beim Wiener Privatsender W1, der sich nach der mehr als verspäteten Zulassung von bundesweitem Privatfernsehen später zum österreichischen Privatkanal ATV erweiterte, startete Heinzl mit Klatsch-Formaten neu durch. Zuletzt gestaltete er für ATV das 25-minütige Promi-Magazin "Hi Society". In seiner neuen Rolle fiel Heinzl vor allem durch seine meist wenig taktvollen Fragen und seine aufdringlichen Interviewmethoden auf. Aus dem früheren Liebling aller österreichischen Frauen von 14 bis 49 wurde schnell das, was man in Österreich einen echten Ungustl nennt: Ein ungehobelter Kerl, der sich penetrant kleidet und mit rotzfrechen Kommentaren Promis und Politiker auf dem Bildschirm durch den Kakao zieht.

Von den nach Quote heischenden Privat-TV-Machern war das aber durchaus so gewollt. Dennoch folgte Ende 2009 die Trennung von ATV. Wie bei Heinzl üblich, fiel sie auch diesmal geräuschvoll und mit dem entsprechenden Medienecho aus. Wenig später kehrte Heinzl, der angeblich auch ein millionenschweres Angebot von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz und dessen Servus TV hatte, in den Schoß des öffentlich-rechtlichen Ex-Monopolisten ORF zurück. Der dem Vernehmen nach sündteure Vertrag - kolportiert werden rund zwei Millionen Euro pro Jahr - mit Heinzls Produktionsfirma Chili.tv sorgte nicht nur für Begeisterung in der Gebühren zahlenden Öffentlichkeit.

Dennoch feierte die ORF-Führung Heinzls Rückkehr als wichtigen Sieg gegen die private Konkurrenz im Kampf um die Einschaltquoten. Die Ernüchterung folgte allerdings prompt: Heinzls Magazine "Chili" und "Backstage" blieben hinter den Erwartungen zurück; "Backstage" flog nach nur einem halben Jahr Mitte 2010 aus dem Programm, "Chili" wurde auf zehn Minuten zusammengekürzt.

Für zusätzlichen Ärger sorgte Heinzl im Frühjahr 2011. In der Wiener Staatsoper kritisierte er lautstark die Berichterstattung seines eigenen Arbeitgebers: "Eine einzige Katastrophe" sei die Live-Übertragung des ORF vom Opernball, nörgelte Heinzl und bemerkte dabei die laufende Kamera seines Ex-Arbeitgebers ATV nicht, der den Fauxpas natürlich mit größtem Genuss ausschlachtete. Im Stiftungsrat, dem überwiegend politisch besetzten Kontrollgremium des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, konnte die ORF-Geschäftsführung die Wogen nur mit allergrößter Mühe wieder glätten und einen Rauswurf des teuer zurückgeholten Stars gerade noch abwenden.

Aus zum Jahresende

Gestern allerdings war es dann doch so weit: Die "Kleine Zeitung" meldete das Aus für Heinzls Sendungen mit Jahresende. Die Entscheidung soll übrigens schon vor dem Eklat mit Sido gefallen sein, zitiert das Blatt einen ORF-Insider, der auf "umfangreiche Quotenanalysen" verweist, die offenbar nicht das gewünschte Ergebnis gebracht haben.

Unklar bleibt, ob bei der Neugestaltung des Vorabendprogrammes von "ORF Eins" noch etwas für Heinzls Produktionsfirma abfällt. ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner will dem Vernehmen nach in der quotenträchtigen Stunde zwischen 19:15 und 20:15 mehr Information bieten. Dafür dürfte Dominic Heinzl allerdings nicht der richtige Mann sein. Keine guten Aussichten für die 25 Mitarbeiter von "Chili.tv".

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