Aktuell: Trauer um Claudia Michels | Pegida | Flucht und Zuwanderung | Fußball-News | Eintracht Frankfurt

Leute
Promi-News und Interviews mit den ganz Großen

09. Februar 2013

Emeli Sandé: „Man muss tun, was man liebt“

Putzt sich gern heraus: Emeli Sandé. Foto: dpa/Horcajuelo

Die Soul-Diva Emeli Sandé ist der neue Superstar Großbritanniens. Im Interview erzählt sie, warum sie ihren Ärzte-Job an den Nagel hängte und sie nicht Adele sein will.

Drucken per Mail

Wenn am 20. Februar in London die Brit Awards vergeben werden, ist Emeli Sandé gleich vier Mal nominiert. Die Soul-Diva ist der neue Superstar Großbritanniens. 2012 verkaufte sich dort kein anderes Album so oft wie ihr Debüt „Our Version Of Events“, auch in Deutschland hat sie damit Goldstatus erreicht. Rechtzeitig zu ihrer ausverkauften Deutschlandtour erscheint an diesem Freitag mit „Live From The Royal Albert Hall“ eine Konzertversion ihres Albums.

Zur Person

Adele Emeli Sandé kam 1987 als Tochter einer Engländerin und eines sambischen Lehrers zur Welt. Sie wuchs im schottischen Alford nahe Aberdeen auf.

Bevor sie als Solistin Karriere machte, schrieb sie Songs für Rihanna, Leona Lewis und Susan Boyle.

Als hoffnungsvollster Newcomer wurde sie 2012 bei den Brit Awards mit dem Kritikerpreis ausgezeichnet. Sie ist die einzige Künstlerin, die sowohl bei der Eröffnungs- als auch bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London auftrat. Das heizte weltweit die Verkäufe ihres Debüts „Our Version Of Events“ an.

Im September heiratete Sandé in Montenegro ihre Jugendliebe, den Biologen Adam Gouraguine.

Mrs. Sandé, würden Sie sich als Popkünstlerin bezeichnen?

Ich denke schon. Es ist mir ein Anliegen, bedeutungsvolle Texte mit souliger Musik massentauglich zu machen und in die Popwelt zurückzubringen.

Sie stehen also für Tiefgründigkeit mit einer netten Verpackung?

Genau! Zu den besten Songs gehören für mich solche, die Leute zum Singen bringen, obwohl sie gar nicht wissen, was sie bedeuten. In diesem Sinne war auch Nina Simone eine Popkünstlerin, obwohl sie stark vom Jazz beeinflusst war und ihre Texte etwas aussagten. Ihre Lieder laufen heute noch in der Werbung. Das ist die Art von Künstlerin, die ich immer sein wollte.

Wenn man Ihre Erfolgssingle „Heaven“ hört, könnte man annehmen, die TripHop-Bewegung der Neunziger sei zurück.

Ich bin ein großer Fan von TripHop und der Bristol-Szene mit Bands wie Massive Attack und Portishead. Aber mein musikalischer Background ist viel größer als das. Deshalb mischen wir Streicher mit Breakbeats.

Der Song mutet wie ein Bekenntnis an.

Für mich ist es ein Bekenntnis dazu, eine gute Person zu sein – speziell in diesen Zeiten, wo einem das nicht immer leicht gemacht wird. Jeden Morgen wache ich auf mit den besten Absichten, aber die Tage sind einfach zu lang. Am Ende denke ich dann immer, ich hätte das besser machen können oder habe es dort versaut. Dann freue ich mich auf den nächsten Morgen, der mich erneut herausfordert.

Woran sind Sie denn zuletzt gescheitert?

Ach, ich scheitere ständig! Ich nehme mir vor, gesund zu leben, ins Fitnessstudio zu gehen, nicht zu trinken. Aber oft geht es auch darum, wie man Leute behandelt hat, oder dass man nicht für jemanden da war, für den man eigentlich hätte da sein müssen.

Gerade hat Ihre Assistentin Ihnen die Toilettentür geöffnet!

Auch an so komische Situationen gewöhnt man sich schnell.

Fühlen Sie sich wohl in der Rolle der Diva?

Hm, ich bin wohl auf einem guten Weg. Als ich aufwuchs, war ich sehr schüchtern. Ich habe nie Ansprüche gestellt oder mir Gedanken um Make-up gemacht. Bei mir drehte sich alles um Musik, ich liebte es, stundenlang Klavier zu spielen und Lieder zu schreiben. Ich habe mich langsam der Welt des Showbiz genähert.

Und nun bringt es Ihnen Spaß, sich wie ein Pfau herauszuputzen?

Oh ja. Ich bekomme tolle Klamotten zur Verfügung gestellt, habe einen eigenen Stylisten. Aber nach einer mehrstündigen Fotosession bin ich gelangweilt.

Wie war es, als Tochter einer englischen Mutter und eines afrikanischen Vaters in Schottland aufzuwachsen?

Ziemlich schwierig, weil wir in einem kleinen Ort lebten. Wir haben zwar nie Rassismus oder schlimme Hänseleien erlebt, wir waren integriert in die Gemeinde. Aber da war niemand, der wie ich aussah oder die Musik mochte, die ich mochte. Das machte aus mir ein introvertiertes Mädchen. Deshalb suchte und fand ich überhaupt meine Stimme in der Musik.

Dennoch haben Sie erstmal Medizin studiert. Die Arbeit im Krankenhaus soll Sie zu Ihren Songs inspiriert haben.

Das ist definitiv so. Im Musikbusiness trifft man auch viele Leute, aber du triffst sie nicht wirklich. Was ich am Medizin-Studium mochte, waren die Menschen, die man in einer sehr verletzlichen Situation kennenlernt. Sie fühlen sich elend. Zu sehen, wie sie sich in diesem Moment mit ihren Familien und Freunden verbinden, hat mich ermutigt, über zwischenmenschliche Beziehungen zu schreiben und zu singen.

Sie müssen viele menschliche Tragödien miterlebt haben. Hat Sie das verändert?

Ja, aber es waren nicht nur die Geschichten der Kranken. Ein einschneidendes Erlebnis hatte ich im ersten Jahr des Studiums, als wir an die toten Körper gelassen wurden. Du gehst zum ersten Mal in diesen Raum und siehst offene Schädel. Ich erinnere mich, wie ich die Gehirne betrachtete und dachte: Da waren mal Ideen, da waren mal Hoffnungen und Träume, und nun ist es nur ein Körperteil! Es führte mir vor Augen, dass man nur ein Leben hat und tun muss, was man liebt.

Und daraufhin haben Sie Ihr Studium beendet?

2009 kamen mehrere Sachen zusammen: Ich hatte mit „Diamond Rings“ meinen ersten Top-Ten-Hit mit dem Künstler Chipmunk und bekam einen Vertrag als Songwriterin. Bei einem Trip nach New York lernte ich Menschen kennen, die das tatsächlich hauptberuflich machten. Als ich dann zurück im Krankenhaus war, traf ich auf Kollegen, die seit frühester Kindheit davon geträumt hatten, Arzt zu werden – doch ich hatte einen anderen Traum. Nach vier Jahren hatte ich zumindest den Bachelor der Neurowissenschaft in der Tasche, das erleichterte mir den Abgang.

Im realen Leben ruft man Sie Adele. Hat es Sie geärgert, dass Ihr echter Name im Showbiz schon belegt ist?

Anfangs ja. Aber mittlerweile sehe ich in Adele die Medizin-Studentin, und in Emeli die Sängerin. Wäre ich noch Ärztin, würde ich bei mir wohl eine multiple Persönlichkeitsstörung diagnostizieren.

Das Interview führte Katja Schwemmers.

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Ressort

Stars aus Film, Fernsehen und Sport - Interviews mit den ganz Großen, News über Leute in den Schlagzeilen.

Videonachrichten Leute
Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Videonachrichten Panorama
Kolumne
Tempo 30

Am Aschermittwoch 2009 wurde Sebastian Gehrmann 30. Alles war vorbei. Jetzt kann er darüber schreiben.

Quiz

Thomas Gottschalk übergibt "Wetten, dass..." an Nachfolger Markus Lanz. Testen Sie Ihr Show-Wissen!

Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!