Sheryl Sandberg wurde am 28. August 1969 in Washington D.C. geboren. Sie studierte an der Harvard University und an der Harvard Business School. In ihrer Abschlussarbeit setzte sie sich mit der Gewalt in Familien und dem sozialen Gefälle zwischen den Ehepartnern auseinander.
Die 43-Jährige gehört zu den reichsten Frauen der Welt. Laut einem Ranking von Forbes stand sie 2012 auf Platz 10.
Seit 2004 ist Sandberg mit David Goldberg, Chef vom US-Unternehmen SurveyMonkey verheiratet, mit dem sie zwei Kinder hat.
In den USA ist das Buch erst am Montag erschienen, aber schon die Vorabdrucke und vor allem das, was manche aus dem Werk herauslesen, haben ausgereicht, um eine heftige Debatte auszulösen. Ist Sheryl Sandberg, der Geschäftsführerin von Facebook, mit ihrer Streitschrift „Lean In: Women, Work and the Will to Lead“ ein feministisches Manifest für das 21. Jahrhundert gelungen, fragen die einen. Möchte sich Sandberg einfach nur mit der Verschriftlichung von ein paar steilen Thesen noch bekannter machen, als sie ohnehin schon ist, fragen die anderen. Die Dritten sagen: Da erhebt sich eine superreiche, elitäre Managerin über die Millionen von Frauen, die es nicht so gut haben wie sie, und belehrt sie auch noch.
Vor ein paar Wochen sagte die 43-jährige Sheryl Sandberg, die das operative Geschäft von Facebook mit einer Milliarde Nutzern leitet, am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos, dass manche bedruckte T-Shirts ein Problem seien. Sie habe gesehen, dass auf Shirts für kleine Jungs der Spruch „Schlau wie Papa“ stehe, auf den Shirts für Mädchen aber „Hübsch wie Mama“. „Ich wäre froh“, betonte sie, „wenn ich sagen könnte, dass das eine Geschichte aus den 50er-Jahren ist.“
Aber nein, im Amerika 2013 bedienen sich Textilhändler geschlechtsspezifischer Stereotypen, um ihr Geld zu verdienen. „Darüber müssen wir reden“, sagte Sandberg.
Im Grunde genommen redet sie seit Jahren davon. Nun hat sie ihre Thesen aufgeschrieben – und eine Lawine losgetreten. Dabei sind Sandbergs Thesen nicht neu. Es gibt weniger Frauen als Männer in Führungspositionen. Frauen tragen die doppelte Last von Beruf und Haushalt. Frauen sind gegenüber Männern im Nachteil, wenn sie nach einer Babypause ins Unternehmen zurückkehren. Ungleichbehandlung ist allenthalben zu verorten – woraus Sandberg den Satz macht: „Eine gleichberechtigte Welt wäre jene, in der Frauen die Hälfte unserer Länder und Unternehmen führten, und Männer sich um die Hälfte der Haushalte kümmerten.“
„Fuß auf dem Gaspedal“
Das aber ist auch nicht das Problem, mit dem sich renommierte Kolumnistinnen renommierter US-Zeitungen seit Wochen kontrovers beschäftigen. Das Problem ist Sandbergs Schlussfolgerung. Sie macht die Frauen selbst für die Misere verantwortlich. Frauen seien es, die nicht entschlossen genug die eigene Karriere planten, die nicht oft genug die Hände nach oben reckten und ausrufen: Hier bin ich, gebt mir den Job! Und weil Sandberg ihre These gerne mit einer Geschichte umkleidet, beschreibt sie den Moment, als sie vor ein paar Jahren mit dem damaligen US-Finanzminister Timothy Geithner an einem Konferenztisch saß und dieser zwei hochrangige Mitarbeiterinnen mitgebracht hatte, die sich dann aber wie selbstverständlich in die zweite Reihe gesetzt hätten. „Niemand bekommt das Chefbüro, wenn er nur am Rand, aber nicht mit am Tisch sitzt“, sagt Sandberg und ruft aus: „Behaltet den Fuß auf dem Gaspedal.“
Wer sich Sheryl Sandbergs Lebenslauf ansieht, könnte zu dem Schluss kommen, dass da jemand leicht reden hat. Sie wuchs als Tochter eines Augenarztes und einer Französischlehrerin auf. Sie studierte an der Elite-Universität Harvard, wofür auch erst fürstlich bezahlt werden musste. Sie arbeitete bei der Weltbank, war Stabschefin im US-Finanzministerium, hatte einen hohen Posten bei Google und ist seit ein paar Jahren Geschäftsführerin von Facebook. Die Mutter zweier Kinder zählt inzwischen zu den reichsten Frauen in den USA, woran auch etwaige Kursstürze der Facebook-Aktie nichts entscheidend verändert haben. Sandberg ist ganz oben angelangt, aus eigener Kraft und weil sie in der Regel die Hand zur richtigen Zeit gehoben hat.
Darf eine Frau, die eine solche Karriere hingelegt hat, anderen Frauen Ratschläge erteilen? New-York-Times-Kolumnistin Jodi Kantor hat damit ihre Schwierigkeiten. Sie schreibt, dass es ungewöhnlich sei, wenn eine superreiche Frau, die in einem 800-Quadratmeter-Haus lebt und eine kleine Armee an Haushaltshilfen hat, vom Glück weniger verwöhnte Frauen auffordert, nach innen zu blicken und härter zu arbeiten.
Andere Kritikerinnen Sandbergs wägen ihre Worte weniger. Von einem Eitelkeitsprojekt der erfolgreichen Managerin aus dem Silicon Valley, das die Züge einer PR-Kampagne trage, schreibt Melissa Gira Grant in der Washington Post. Und die Kolumnistin Maureen Dowd urteilt, Sandberg wolle offenbar so etwas wie eine „Power-Point-Rattenfängerin in Prada-Schuhen“ werden.
Jessica Valenti, die vier Bücher über Fragen des Feminismus geschrieben hat, zeigt sich dagegen nachsichtiger: „Nur wenige von uns haben Nobelpreisträger zu Gast oder zählen frühere Finanzminister zu ihren Mentoren.“ Aber nur, weil die meisten Frauen sich nicht mit Sandbergs Leben identifizieren könnten, heiße das ja noch nicht, dass sie nicht von Sandberg lernen könnten. Deren Leistungen machten sie geradezu zu einer perfekten Fürsprecherin des Feminismus. Das Gleichberechtigungsprojekt, so Valenti, brauche mächtige Frauen.
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