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Leute
Promi-News und Interviews mit den ganz Großen

24. Januar 2013

Florian Simbeck: Von der Bühne in den Bundestag

Florian Simbeck seriös und in seiner Rolle als Stefan Lust (unten rechts).  Foto: dpa

Mit „Erkan und Stefan“ wurde er berühmt. Nun will Florian Simbeck in die Politik. Ein Scherz oder ernsthafte Absicht? Im Interview erzählt er, warum er in die Politik gehen will und welche Partei es ihm angetan hat.

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Millionen Fernsehzuschauer kennen Florian Simbeck (41) als Stefan Lust aus dem Comedy-Duo „Erkan und Stefan“. Aus dem einstigen TV-Proll könnte nun ein seriöser Politiker werden. Für die SPD möchte der Komiker noch in diesem Jahr in den Bundestag einziehen.

Herr Simbeck, wie oft werden Sie eigentlich gefragt, ob das mit Ihnen und der Politik nur ein Scherz ist?

Ach, so oft passiert das gar nicht. Ich bekomme sehr viel positives Feedback. Die meisten Leute freuen sich, dass ein bisschen frischer Wind in die Politik kommt.

Aber was sagen Ihre Fans, die Sie noch als Stefan Lust in Trainingsanzug, mit Handtuch über der Schulter und mit Prollsprache kennen?

Naja, für die ist es ja auch schon fast zehn Jahre her, dass sie mich als Stefan auf der Bühne gesehen haben. Auch meine Fans sind älter geworden, auch sie haben sich weiterentwickelt.

Aber wie kamen Sie auf die Idee, ausgerechnet in den Bundestag einziehen zu wollen?

Ich war schon immer ein politisch denkender Mensch. Im Internet habe ich mich oft in politische Diskussionen eingebracht. Irgendwann freundete ich mich via Facebook mit einem SPD-Abgeordneten aus meinem Landkreis an. Wir lernten uns kennen und schätzen, und eines Tages kam die Anfrage, ob ich bereit wäre, mich für die SPD als Bundestagskandidat aufstellen zu lassen.

Wie war Ihre Reaktion?

Zunächst einmal war ich sehr überrascht. Aber natürlich fühlte ich mich auch geehrt. Mir war schon klar, dass das eine große Nummer ist. Ich war mir aber nicht sicher, ob ich mir das tatsächlich zutraue.

Und dann?

Ich habe lange überlegt und irgendwann sagte ich zu mir: Hey Florian, du bist jetzt Anfang 40. Es wird langsam Zeit, mal etwas Vernünftiges aus deiner Popularität zu machen.

Erkan und Stefan
Erkan und Stefan
Foto: constantin

Mittlerweile sind Sie Mitglied der SPD. Wäre auch eine andere Partei denkbar gewesen?

Nein. Solidarität und soziale Gerechtigkeit sind für mich Herzensthemen, da kommt keine andere Partei infrage.

Was hat Ihre Familie zu Ihren politischen Plänen gesagt?

Meine Frau war am Anfang schon ziemlich skeptisch. Sie ist eine dunkelhäutige US-Amerikanerin. Sie war der Meinung, wir sollten nicht unnötig Unmut auf uns ziehen. Sie hat Angst vor Anfeindungen in der Öffentlichkeit. Auch wegen unserer Kinder. Aber letztlich war diese Angst eher ein Argument für als gegen die Kandidatur. Als Bundestagspolitiker könnte ich schließlich auch etwas für das Thema Integration tun.

Mit „Erkan und Stefan“ standen Sie bereits für Integration.

Ja, wir haben eine deutsch-türkische Freundschaft abgebildet. In unserem Publikum saßen Deutsche und Türken. Und sie alle lachten gemeinsam.

Was gehört außer Integration eigentlich noch zu Ihren politischen Themen?

Als Künstler beschäftige ich mich natürlich auch mit dem Urheberrecht. Sehr gern würde ich die Institution der GEMA komplett überdenken. Die Abrechnungsmodalitäten sind zum Teil eine echte Katastrophe. Wichtig ist mir aber auch Familienpolitik. Vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Eines Ihrer Themen ist doch auch die Bedrohung durch Altersarmut. Wie sieht es mit Ihrer persönlichen Altersvorsorge aus?

Katastrophal! Ich musste im Jahr 2010 eine Privatinsolvenz beklagen, zu dieser Zeit sind alle meine Rücklagen draufgegangen. Aber auch ganz unabhängig davon: Für die meisten Menschen ist es unheimlich schwierig, etwas zur Seite zu legen. Für sie ist eine Zuschussrente, wie sie sich die Union ausgedacht hat, unmöglich zu verwirklichen.

Apropos Geld. Was sagen Sie eigentlich den Leuten, die vermuten, dass Sie nur aus finanziellen Gründen in die Politik gehen?

Diese Leute haben keine Ahnung. Ich habe im Moment meinen Traumjob beim Bayerischen Fernsehen. Ich arbeite als Autor bei der Sendung „Die Komiker“ und bin einer der vier Hauptdarsteller. Wenn ich im September tatsächlich gewählt werden würde, würde ich sogar weniger Geld verdienen als jetzt.

Haben Sie Sorge, dass Ihnen Ihre Vergangenheit als Komiker vorgehalten werden könnte?

Nein, warum auch? Als ich Stefan gespielt habe, hat mir auch niemand vorgehalten, dass ich vorher Jura studiert habe. Ich glaube sogar, dass es mir nutzen könnte. Humor kann sehr hilfreich sein. Auch Schlagfertigkeit ist in der Politik sehr wichtig.

Könnte Ihnen Ihr Promifaktor letztlich sogar helfen?

Das weiß ich nicht. Das wird das Wahlergebnis zeigen. Ich glaube aber, dass viele Leute gar nicht wissen, wer ich bin. Die meisten können mit meinem bürgerlichen Namen gar nicht so viel anfangen.

Apropos Wahl. Die erste Wahl haben Sie ja bereits gewonnen. Mit 98 Prozent wurden Sie von den Delegierten Ihres Wahlkreises als Direktkandidat bestätigt.

Ja, aber es gab auch keinen Gegenkandidaten. Das muss ich der Ehrlichkeit halber dazusagen. Aber natürlich hat es mich sehr gefreut, dass mir so viel Vertrauen entgegengebracht wird. Allerdings gibt es da noch das Problem mit der Landeslistenreihung. Da stehe ich ziemlich weit hinten. Aber das ist das Problem aller politischen Neueinsteiger.

Ihr Wahlkreis Pfaffenhofen/Freising ist außerdem seit Jahren fest in der Hand der CSU. Wie stehen Ihre Chancen?

Die Chancen sind ziemlich gut, würde ich sagen. Denn auch die CSU schickt in diesem Jahr einen komplett neuen Kandidaten ins Rennen. Und der ist meiner Meinung nach unwählbar. Konservativer geht es nicht.

Das Interview führte Nancy Krahlisch.

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