Als ihr Bauch schon begann sich zu wölben, da hatte Präsidentengattin Carla Bruni-Sarkozy öffentlich noch kein Wort herausgerückt zu ihrer Schwangerschaft. Stattdessen trat die Frau des französischen Präsidenten beim G-8-Gipfel in Deauville im kurzen, weißen Chanel-Kleid Kleid auf, die Arme demonstrativ um den Bauch gelegt – die perfekte Inszenierung.
"Ich werde alles tun, um dieses Kind zu schützen", sagte sie wenig später dem Sender TF1. "Ich werde es niemals der Öffentlichkeit aussetzen."
Tatsächlich haben solche Ankündigungen nur noch die Spannung auf das Neugeborene gesteigert. Hunderte, vielleicht Tausende von Reportern warten schon vor dem Krankenhaus, und wer als erstes doch ein Bild von dem Baby macht, hat wohl für den Rest des Lebens ausgesorgt. Schließlich ist es das erste Präsidentenbaby überhaupt, das in Frankreich während der Amtszeit seines Papas auf die Welt kommt.
Unwahrscheinlich, dass Bruni der Effekt des Rätselhaften nicht bewusst ist; es scheint eher, als habe sie die perfekte Vermarktungsstrategie für ihr Kind gefunden. Einerseits gibt sie so wenig preis wie möglich, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, den Nachwuchs für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Andererseits sickert dann, zufällig oder nicht, doch immer wieder etwas durch - zum Beispiel über Sarkozys Vater, der in der Bild-Zeitung von der Schwangerschaft Brunis erzählte.
Sarkozys Konkurrentin präsentierte sich mit Baby im Krankenhaus
Während in Deutschland das Vermarkten von Politikerkindern als unschick gilt, geht das in Frankreich schon eher. Sarkozys sozialistische Konkurrentin Ségolène Royal zum Beispiel präsentierte sich 1992 zusammen mit der kleinen Flora im Krankenhaus.
In den USA ist die öffentliche Darstellung der Familie für Politiker noch wichtiger. Dort gehören Fotos mit den Kindern zum Standartrepertoire eines Präsidenten: George W. Bush trat mit seinen Töchtern auf, Bill Clinton ebenfalls. Im Vergleich zu Obama waren die allerdings Anfänger. Ein Beispiel: Nach hundert Tagen im Amt veröffentlichten Obamas Pressesprecher auf dem Portal Flickr eine Fotoshow mit privaten Bildern. Hier der starke Papa mit dem Töchterchen im Arm, für die Frau Michelle ein Küsschen. Dort mit einem fremden Baby, das ihn anstrahlt – alles veröffentlicht vom eigenen Hoffotografen Pete Souza.
Die Bilder sind noch harmlos im Vergleich zu dem Fernseh-Kitsch, der auf Youtube zu sehen ist. Dort gibt es bis heute ein Video, auf dem Michelle Obama ihren Töchtern Geschichten vorliest – in einem Kinderkrankenhaus unter einem riesigen Weihnachtsbaum.
In Frankreich würde ein Politiker für so etwas dann doch kritisiert oder verspottet. Aber die Sarkozys haben Weihnachtsbaum-Aktionen sowieso nicht nötig, die Boulevardpresse haben sie auch so auf ihrer Seite. Und vielleicht taucht ja – ganz zufällig – doch noch ein Bild von dem Töchterchen auf. (mit dpa)
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