Auf einmal sollen Geld und Steuern nicht mehr wichtig gewesen sein für Gérard Depardieu. In einem Brief, in dem er den Nationalitätenwechsel bestätigte, erklärte der Schauspieler jedenfalls, dass die Liebe zu Russland und zum Kremlchef Wladimir Putin entscheidend gewesen seien. „Mein Vater war Kommunist und hat Radio Moskau gehört. Das ist ein Teil meiner Kultur“, zitierte der Staatsfernsehsender Erster Kanal in der Nacht zum Freitag aus dem Brief. Putin hatte dem 64-Jährigen am Donnerstag per Erlass die russische Staatsbürgerschaft verliehen und ihn als Freund bezeichnet. Depardieu ließ seinen Brief mit „Ehre sei Russland“ enden.
Anfang Dezember war bekannt geworden, dass sich der Schauspieler und Geschäftsmann ein Haus in Belgien gekauft hatte, um weniger Steuern als in Frankreich zahlen zu müssen. Verärgert über die folgende öffentliche Empörung kündigte er an, die französische Staatsbürgerschaft aufzugeben. In Frankreich soll die geplante Reichensteuer 75 Prozent betragen, in Russland zahlt der Steuerzahler 13 Prozent. So kam Putin ins Spiel. Mit Frankreichs Präsident François Hollande telefonierte Depardieu zuletzt am Neujahrstag.
In Russland gab es aber nicht nur Zustimmung, sondern auch eine Menge Hohn und Spott. Der Schauspieler könne nun eine echte historische Rolle spielen, indem er sich am 31. Januar an einer Demonstration der Opposition in Moskau beteilige, schrieb der linksgerichtete Oppositionspolitiker Eduard Limonow am Freitag in seinem Blog. „Jeden 31. im Monat um 18 Uhr fordern russische Bürger (...) das Recht, sich friedlich zu versammeln, wie es in Artikel 31 der Verfassung vorgesehen ist. Wir warten auf Dich, Gérard!“ In dem Brief hatte Depardieu auch geäußert, dass Russland eine große Demokratie sei. Ein Nutzer des Online-Netzwerkes Live Journal lästerte: „Wegen Geld aus seinem Land abzuhauen ... das ist so russisch – er ist einer von uns!“
Möglicherweise wird Depardieu eine prominente Französin folgen. Die Schauspielerin Brigitte Bardot, eine streitbare Tierschützerin, kündigte an, einen russischen Pass zu beantragen, wenn zwei kranke Elefanten in einem Zoo in Lyon wie angeordnet eingeschläfert werden. Frankreich wäre für sie dann ein Land, das nur noch ein Tierfriedhof ist.
Das Schicksal der Elefanten Baby und Népal beschäftigt Frankreich schon seit Wochen. Die Behörden haben die Einschläferung der seit 1999 im Zoo von Lyon lebenden Tiere angeordnet, weil sie an Tuberkulose erkrankt sind. Die Behörden befürchten, dass die Elefanten andere Tiere, aber auch Menschen anstecken könnten. Der Zirkusdirektor, der die Elefanten dem Zoo damals anvertraute, macht seitdem gegen die Einschläferung mobil: Er hat auch ein Gnadengesuch an Staatschef Hollande gerichtet. (BLZ)
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