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Promi-News und Interviews mit den ganz Großen

10. Dezember 2012

Gérard Depardieu: Obelix verlässt Gallien

 Von Stefan Brändle
Künftig in Belgien zuhause: Gérard Depardieu als Obelix. Foto: imago stock&people

Der Schauspieler Gérard Depardieu kehrt seinem Land den Rücken. Er entfacht damit eine neue Debatte um die zunehmende Steuerlast in Frankreich.

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Die Villa gleicht einem hässlichen Bahnhofsgebäude, und das belgische Dörfchen Néchin zeichnet sich auch nur dadurch aus, dass es ein Kilometer von der Landesgrenze entfernt ist. An diesem gesichtslosen Ort wohnt seit neustem Gérard Depardieu, wie Bürgermeister Daniel Senesael am Wochenende bestätigte. Der Grund sei der "ländliche und bukolische Charakter" des Ortes, meinte der Gemeindevorsteher, bevor er selbst einräumte, die Annahme finanzieller Motive sei sicherlich "auch wahr".

Natürlich ist Depardieu nach Belgien umgezogen, weil er dort weniger Abgaben zahlt. Das nördliche Nachbarland Frankreichs kennt keine Vermögenssteuer, keine Gewinnsteuer bei Unternehmensverkäufen und eine viel tiefere Erbschaftssteuer. Im September schon hatte schon der reichste Franzose, Bernard Arnault, Gründer des weltgrößten Luxuskonzerns LVMH, die belgische Staatsbürgerschaft beantragt, wobei er fiskalische Gründe dementierte.

Schauspieler oft mit Negativschlagzeilen

Depardieu stellt nicht einmal in Abrede, dass es ihm ums Geld geht. Der 63-jährige Schauspieler, Filmproduzent und mittlerweile angesehene Winzer setzt sich gerne über die Meinung seiner Landsleute hinweg und macht immer wieder Negativschlagzeilen – zuletzt vor zwei Wochen, als er in Paris betrunken von seinem Motorrad fiel. Im Präsidentschaftswahlkampf 2012 hatte sich der Leinwandstar hinter den konservativen Staatschef Nicolas Sarkozy gestellt, als das Vorhaben des sozialistischen Kandidaten François Hollande, Millionäre in Zukunft zu 75 Prozent zu besteuern, kritisierte. Einmal im Elysée, beließ es der neue Präsident nicht dabei: Seine Regierung schafft für Einkommen von über 150 000 Euro derzeit eine neue Steuerklasse von 45 Prozent; auch erhöht sie die Mehrwert-, die Erbschafts- sowie die Vermögenssteuer.

Insgesamt hat Hollande die Steuern seit seinem Amtsantritt im Mai um 15 Milliarden Euro erhöht. Wenn man vom fiskalischen Sonderfall Dänemark absieht, ist Frankreich damit heute das EU-Land mit der höchsten Gesamtsteuerbelastung - von 46 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Seit diesem Herbst mehren sich in Paris die Meldungen über das Steuerexil begüterter Franzosen; große französische Konzerne siedeln ihre Manager oft nicht mehr am Geschäftssitz in Paris an, sondern in Brüssel oder London. Die Vereinigung "Génération Entreprise" schätzte vergangene Woche, dass 5000 Steuerpflichtige Frankreich im Jahr 2012 verlassen hätten - das wäre mehr als das Zehnfache üblicher Jahrgänge.

Asterix-Streifen im Ausland gedreht

Depardieus Steuerexil heizt die Debatte ähnlich stark an. Der sozialistische Abgeordnete Pascal Cherki schimpfte am Montag: "Depardieu wird einmal gut aussehen, wenn der Safe seinem Leichenwagen folgen und er einer der Reichsten auf dem Friedhof sein wird." Allerdings kann dem exzentrischen "Obelix der Nation" kann nicht gut unpatriotische Haltung vorgeworfen werden, wie das bei dem in Frankreich wenig populären Financier Arnault der Fall war.

Die Sorge über den zunehmenden Steuerexodus lässt auch die rotgrüne Regierungskoalition nicht mehr kalt. Am Freitag, also noch vor Bekanntwerden von Depardieus Auswanderung, genehmigte sie im Budgetentwurf 2013 eine steuerliche Entlastung des Filmschaffens in Frankreich. Heute werden 70 Prozent aller französischen Filme im Ausland gedreht, weil die Produktion dort bedeutend billiger ist. Der letzte Asterix-Streifen - in dem Depardieu natürlich die Rolle des dicken Menhir-Trägers spielt - wurde nicht mehr in französischen Studios, sondern sogar für die Innenaufnahmen in Ungarn aufgenommen. Dort und nicht mehr in Paris rollen nun die Sesterzen.

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