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Promi-News und Interviews mit den ganz Großen

12. Dezember 2012

Gandalf-Darsteller Ian McKellen: "Privat bin ich sehr schüchtern"

 Von Ulrich Lössl
Spielt den Gandalf so gerne wie den Hamlet: Der 1990 zum Ritter geschlagene Ian McKellen. Foto: dapd

Ian McKellen ist einer der bedeutendsten Schauspieler seiner Generation. Im Interview spricht er über den „Hobbit“-Film, seine Homosexualität und das Flirten mit Cate Blanchett während der Dreharbeiten zu den Verfilmungen der Tolkien-Saga.

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Ian McKellen, einer der bedeutendsten Schauspieler seiner Generation, erzählt noch bevor das Interview im Waldorf-Astoria-Hotel in New York beginnt, eine Anekdote: Kürzlich war er in Singapur in einer Talkshow. Da fragte er den Moderator ob er ihm in dem Stadtstaat eine Schwulen-Bar empfehlen könnte. Der wurde aschfahl und ließ sofort den Abspann laufen. In Singapur ist Homosexualität immer noch verboten. McKellen erzählt das hoch amüsiert, aber nicht, um zu schocken. Ihm ist es einfach wichtig, auf diese Situation hinzuweisen.

Wie fühlt es sich an, als ausgewiesener Shakespeare-Darsteller nach zehn Jahren Pause wieder Gandalf zu spielen?

Ganz wunderbar. Ich habe mich sehr auf die Dreharbeiten zu „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ gefreut. Obwohl man Gandalf nicht mit Shakespeare-Figuren vergleichen sollte, ist er mir doch sehr ans Herz gewachsen. Und da der Film ja sechzig Jahre vor „Herr der Ringe“ spielt, war ich sehr froh, dass ich zu Gandalf dem Grauen zurückkehren konnte. Denn der ist viel facettenreicher als der abgeklärte, etwas langweilige Gandalf der Weiße am Ende der ersten Trilogie.

Sind Sie Tolkien-Fan?

Oh ja, seit ich die Gandalf-Rolle vor zwölf Jahren angeboten bekam, habe ich fast alles gelesen, was er geschrieben hat. (Lacht) J.R.R. Tolkien war ein viel besserer Romanautor als Shakespeare – da Shakespeare ja keinen Roman geschrieben hat. Aber im Ernst. Er hat mit Gandalf ganz sicher einen archetypischen Zauberer erschaffen, der längst zu einer Fantasy-Ikone wurde. Und mit seinen Hobbit-Büchern hat er uns Engländern eine ganz eigene Mythologie geschenkt.

Martin Freeman, der den Hobbit Bilbo spielt, lobt Ihre Schauspielkunst in den höchsten Tönen …

… ein Kompliment, das ich nur zurückgeben kann. Martin hat nicht nur ein einzigartiges Timing, er kann auch sehr komisch und sehr traurig spielen – was die wenigsten Schauspieler überzeugend können. Und da war ja auch noch die bewundernswerte Cate Blanchett als Elbin Galadriel, mit der ich endlich ein paar gemeinsame Szenen hatte…

… und die sich in Sie verliebte …

… und sagte, dass sie es sehr bedauere, dass ich schwul bin. Und ich muss sagen, dass die Atmosphäre beim Drehen mit ihr ziemlich erotisch aufgeladen war. Regisseur Peter Jackson hat uns sogar gefragt, ob wir eine Affäre hätten. Ich sagte, warum nicht? Nein, Cate ist glücklich verheiratet und Mutter von drei Söhnen.

Ian McKellen as Gandalf in einer Szene des Fantasy-Abenteuers „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“. Foto: dapd

Sie haben sich Ende der Achtzigerjahre mit fast 50 als Schwuler geoutet. Warum so spät?

Das frage ich mich heute auch. Denn es war damals für mich ein echter Befreiungsschlag. Es fiel eine sehr schwere Last von mir ab. Seitdem bin ich auch als Schauspieler immer besser geworden. Davor war ich von meinem Unterkörper wie abgeschnitten. Emotional total blockiert. Der Grund, warum ich so lange gewartet habe, bis ich mich öffentlich zu meiner Homosexualität bekannt habe, war der, dass ich privat sehr schüchtern bin.

Sind Sie auch deshalb Schauspieler geworden, um Ihre Schüchternheit zu überwinden?

Ja, ich glaube schon, dass das ein Grund war. Hinzu kam noch, dass ich als Schwuler in einer Zeit aufwuchs, in der Homosexualität in England illegal, ja, sogar strafbar war. Es war mir sozusagen gesetzlich verboten, mich so auszudrücken, wie es meiner Natur entsprach. Und der einzige Ort, an dem man exaltiert, flamboyant – oder wie auch immer Sie es nennen wollen – sein durfte, war die Theaterbühne oder beim Film.

Sie haben sich hinter der Schauspielerei versteckt?

Es ging nicht ums Verstecken, vielmehr ums unzensierte Ausdrücken meiner Gefühle. Nur als Schauspieler konnte ich meinen Emotionen unverstellt ihren Lauf lassen. Als Privatperson hätte ich mich das in der Öffentlichkeit nie getraut. Natürlich wussten viele Kollegen, dass ich schwul war, aber ich habe es lange Zeit selbst Freunden oder meiner Familie verheimlicht. Aber die Quintessenz der Schauspielkunst ist für mich nicht Verstellung, sondern die Sichtbarmachung von Gedanken und Gefühlen.

"Schauspielerei bestimmt mein Leben"

Hat Sie die Schauspielerei definiert?

Absolut. Sie bestimmt mein Leben, seit ich selbstständig denken kann. Und es sind nicht nur die vielen Theaterrollen, sondern in den letzten zehn Jahren auch zunehmend Filmrollen. Als Schauspieler bin ich sehr froh darüber, eine Karriere zu haben, die mich nicht auf einzelne Figuren reduziert oder auf ein einziges Medium. Und es macht mir großen Spaß, überall in der Welt nicht nur als König Lear, sondern auch als Gandalf oder Magneto aus den „X-Men“-Filmen erkannt zu werden.

Was hat Sie denn sonst noch in Ihrem Leben geprägt?

Das ist mir eine etwas zu persönliche Frage … (Nach einer längeren Pause) Es gab leidenschaftliche Beziehungen, die sicher ihre Spuren hinterlassen haben. Als ich zwölf Jahre alt war, starb meine Mutter. Ihren Tod konnte ich lange nicht wirklich verarbeiten. Im Leben eines 73-Jährigen kommt da so einiges zusammen.

Wann fühlen Sie sich denn am wohlsten?

Wenn ich auf einer Theaterbühne stehe. Das ist der Ort, wo ich mich zuhause fühle und sehr entspannt bin. Im Grunde meines Herzens bin und bleibe ich ein Theaterschauspieler. Auf der Bühne denke ich, dass mir nichts Schlimmes passieren kann. Und wenn doch mal etwas schiefgeht, stehe ich einfach drüber. Im Gegensatz zum wirklich Leben: Da reagiere ich oft panisch.

Das Gespräch führte Ulrich Lössl.

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