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17. Januar 2013

Georg Gänswein Vanity Fair: Unfreiwilliger Coverboy

 Von Regina Kerner
„George Clooney des Petersdoms“ soll Gänswein sein. Foto: REUTERS

Mit der Überschrift „Schön sein ist keine Sünde“ hat das Magazin „Vanity Fair“ in Italien seine Titelstory dem päpstlichen Privatsekretär Georg Gänswein gewidmet. Als „der George Clooney des Petersdoms“ wird er bezeichnet. Der Vatikan ist irritiert.

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Keine zehn Tage ist es her, da hat ihn der Papst zum Erzbischof gemacht, und nun das: Georg Gänswein, Privatsekretär von Papst Benedikt XVI., wird zum Coverboy. Er lächelt mit strahlend blauen Augen von der Titelseite der neuen Ausgabe der italienischen Vanity Fair, mit der Schlagzeile „Pater Georg – Schön sein ist keine Sünde“. Seit Mittwoch liegt das Unterhaltungsmagazin an allen Kiosken aus, und es verspricht seinen Lesern eine Nahaufnahme und Begegnung mit dem „George Clooney des Petersdoms“.

Zur Person

Georg Gänswein wurde am 30. Juli 1956 in Riedern am Wald im südlichen Schwarzwald geboren. Er wuchs gemeinsam mit zwei jüngeren Brüdern und zwei jüngeren Schwestern auf. Sein Vater führte eine Schmiede, seine Mutter war Hausfrau.

1976 machte er am Wirtschaftsgymnasium in Waldshut das Abitur. Anschließend trat er in das Collegium Borromaeum ein und studierte von 1976 bis 1979 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie von 1979 bis 1980 an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom Katholische Theologie und Philosophie. 1993 promovierte er.

Heute ist er Kurienerzbischof der römisch-katholischen Kirche, Präfekt des päpstlichen Hauses und einer der beiden Privatsekretäre Papst Benedikts XVI.

Ein Erzbischof als Titelheld an den Kiosken ist wohl neu, der Vergleich mit dem US-Schauspieler Clooney ist es nicht. Auch die Tatsache nicht, dass sich der 56 Jahre alte Vertraute des Papstes äußerlich stark von der Riege der mächtigen alten Männer der Kurie abhebt. Seit er 1996 in die Dienste der Glaubenskongregation und ab 2003 in die von Joseph Ratzinger trat, der damals deren Chef und noch Kardinal war, fiel der graumelierte, schlanke, gut aussehende Deutsche den Medien als der „Beau des Vatikans“ und „schönster Mann im Talar“ auf. Er wurde in Italien schnell zum Publikumsliebling. Als bekannt wurde, dass er die Kleidung des Papstes mit auswählt, fühlte sich die Modedesignerin Donatella Versace 2008 gar von Gänswein zu einer Herrenkollektion inspiriert. Paparazzi lichteten ihn in Shorts auf dem Tennisplatz ab und man staunte über seine durchtrainierten Oberschenkel.

Vanity Fair – zu Deutsch „Jahrmarkt der Eitelkeiten“ – beschreibt nun auf sechs Magazinseiten den sportlichen Schönling, der sich sein Theologiestudium unter anderem als Skilehrer im heimatlichen Schwarzwald finanzierte. Als junger Mann, bevor er 1984 zum Priester geweiht wurde, habe er lange Locken getragen, Musik von Pink Floyd gehört und Fußball gespielt. „Sport“, wird Gänswein zitiert, „gibt einem die Möglichkeit, sich mit anderen in positiver Form zu messen.“ Das unterscheidet ihn grundlegend von Papst Benedikt, der sich nach eigener Aussage Churchills Motto „No Sports“ zu eigen gemacht hat. Er fahre, so oft es seine knappe Zeit zulasse, erzählt Gänswein, auch heute noch zum Skilaufen in das Apenninengebirge nahe Rom.

Vanity Fair bringt außerdem Zitate „Don Georgs“, der im Vatikan Tür an Tür mit dem Kirchenoberhaupt lebt, über seine „heitere und sehr natürliche Beziehung zu Frauen“. Gänswein spricht darüber, dass er etwas irritiert sei von seinem Image als Schönheitsidol und dass er ab und an Liebesbriefe erhalte. Dass er aber eigentlich ein ernsthafter Intellektueller ist, ein Theologe, der dem Papst ergeben zur Seite steht, verschweigt der Autor des Porträts, der italienische Vatikankenner Andrea Tornielli, nicht. Gänswein ist nicht nur derjenige, der dem Papst Manuskripte und die Lesebrille reicht, sondern laut Tornielli inzwischen der einflussreichste Mann im Vatikan.

        

Er sieht gut aus, hat Einfluss im Vatikan – und deshalb auch viele Neider: Georg Gänswein.
Er sieht gut aus, hat Einfluss im Vatikan – und deshalb auch viele Neider: Georg Gänswein.
Foto: dpa/Armin Weigel

Gänswein selbst hat erst kürzlich seine Rolle im Dienste des obersten Katholiken mit einem Glas verglichen: „Je sauberer es ist, desto besser erreicht es sein Ziel. Ich muss die Sonne durchscheinen lassen, und je weniger man das Glas sieht, desto besser.“ Nimmt man sein Streben nach Unsichtbarkeit als Maßstab, muss der schöne Georg Gänswein ziemlich entsetzt gewesen sein angesichts des so prominent aufgemachten und als so intim angekündigten Porträts, so schmeichelhaft es auch sein mag. Und äußerst überrascht. Denn Vatikan-Sprecher Federico Lombardi erklärte am Mittwoch auf Nachfrage der FR, es habe nie eine Begegnung zwischen Vanity Fair und Gänswein stattgefunden. Weder die Zitate noch das Titelfoto seien exklusiv oder autorisiert. Kommentieren wollte Lombardi den Vorgang nicht. Aber wahrscheinlich sind sehr viele im Vatikan „not amused“.

Gänswein zieht mit seinem attraktiven Äußeren und seiner besonderen Position innerhalb der vatikanischen Mauern viel Neid und Missgunst auf sich. Schon vor einigen Jahren, als das italienische Klatschblatt Visto Fotos von ihm druckte mit dem ihm untergeschobenen Zitat „Ich kann zwar nicht heiraten, aber ich kenne die Liebe“, waren viele in der römischen Kurie entsetzt. Es kursierten Gerüchte, man wolle Gänswein im Vatikan loswerden. In seiner besonderen Machtstellung – er entscheidet, wer überhaupt zum Oberhaupt der katholischen Kirche vorgelassen wird und welche Themen den Papst erreichen – ist er immer wieder Kritik und Intrigen ausgesetzt. Man wirft ihm vor, den Papst von kritischen Nachrichten abzuschirmen, ihm viele Informationen vorzuenthalten. Zuletzt war Gänswein in der sogenannten Vatileaks-Affäre unter Verdacht geraten, als vertrauliche Dokumente aus dem Schreibtisch des Papstes an die Öffentlichkeit gelangten.

Aber Benedikt XVI. steht fest zu seinem engsten Mitarbeiter. Bereits vor Weihnachten ernannte er ihn zum Präfekten des Päpstlichen Hauses, wodurch Gänswein künftig auch für das Protokoll bei Audienzen und Staatsbesuchen zuständig ist. Und mit der Beförderung zum Erzbischof am 6. Januar drückte er ihm nochmals deutlich sein Vertrauen aus. Ein Coverfoto auf einem Unterhaltungsmagazin dürfte das schon gar nicht erschüttern.

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