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03. Januar 2013

Helen Hunt über The Sessions : "An Sexszenen gewöhnt man sich nie"

Cheryl Cohen Greene (Helen Hunt) in einer Szene von "The Sessions". Foto: dpa

Helen Hunt spielt in ihrem neuen Film "The Sessions" eine Sextherapeutin, die einen Behinderten entjungfern soll. Im Interview spricht sie über Bettszenen und das Gefühl Angst als Antrieb.

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Helen Hunt spielt in ihrem neuen Film "The Sessions" eine Sextherapeutin, die einen Behinderten entjungfern soll. Im Interview spricht sie über Bettszenen und das Gefühl Angst als Antrieb.

Wenn am 10. Januar die Oscar-Nominierungen bekannt gegeben werden, fällt mit ziemlicher Sicherheit auch der Name von Helen Hunt. Die 49-Jährige, die bereits 1998 für „Besser geht’s nicht“ einen Oscar gewann, gilt als eine der Favoritinnen in der Kategorie Beste Nebendarstellerin, für ihre Rolle in der Tragikomödie „The Sessions – Wenn Worte berühren“.

Zur Person

Helen Hunt wurde 1963 als Tochter des Regisseurs Gordon Hunt und seiner Frau Jane geboren. Im Alter von acht Jahren nahm sie bei ihrem Vater erstmals Schauspielunterricht, wenig später stand sie für den Fernsehfilm „Pioneer Woman“ vor der Kamera.

Zum Star wurde Hunt mit der erfolgreichen Sitcom „Verrückt nach dir“, in der sie sieben Jahre lang die Hauptrolle spielte. Für die Rolle wurde sie mit vier Emmys und drei Golden Globes ausgezeichnet. Für den Film „Besser geht’s nicht“ gewann sie auch den Oscar. Sie lebt mit dem Produzenten Matthew Carnahan zusammen, der auch der Vater ihrer Tochter Makena Lei ist.

Miss Hunt, Sie spielen in Ihrem neuen Film eine Sextherapeutin, die einem körperlich behinderten Mann dabei hilft, seine Jungfräulichkeit zu verlieren. Ein ziemlich ungewöhnliches Berufsprofil, oder?

Ja, und ich hatte ehrlich gesagt noch nie von diesem Job gehört. Anfangs dachte ich das Gleiche, was auch der Priester in unserem Film denkt: Im Grunde ist das nichts anderes als eine Prostituierte. Aber dann habe ich die Frau getroffen, auf deren Leben meine Figur basiert, und ich habe auch mit Menschen gesprochen, mit denen sie arbeitet: Prostatakrebs-Überlebende, Frauen, die ihren Körper für entstellt halten,
70-jährige Männer, die nie Sex hatten, weil sie sich ihr Leben lang geschämt haben. Als diesen Menschen hat Cheryl Cohen-Greene geholfen, zu einer eigenen Sexualität zu finden. Das hat mit einer Prostituierten nichts zu tun.

Vermutlich würden die wenigsten Menschen überhaupt den Mut aufbringen, sich bei jemandem wie ihr zu melden ...

Davon gehe ich aus. Aber ich wünsche jedem die Kraft, solche Hilfe auch in Anspruch zu nehmen. Und nicht nur in solchen Extremfällen.

Es geht in „The Sessions“ natürlich auch um Gefühle.

Stimmt, aber das Hauptthema ist schon der Sex. Durch die Behinderung des Mannes sind wir alle, also auch die Zuschauer, gezwungen, den Sex zu dekonstruieren, diesen Mythos auseinanderzunehmen. Was übrig bleibt ist der Sex, den wir alle aus dem eigenen Schlafzimmer kennen: unperfekt, ungeschickt, albern. Also die Art von Sex, die sonst eigentlich nie irgendwo Thema ist. Damit hilft der Film hoffentlich vielen Menschen, sich in ihrer eigenen Haut wohler zu fühlen.

Fühlen Sie sich denn seither beim Sex wohler?

Hm ... durchaus, ein bisschen. Das würde ich schon sagen ...

Und wie betrachten Sie Sex aus der Perspektive der Schauspielerin? Gewöhnt man sich irgendwann an die seltsame Situation, vor wildfremden Menschen Bettszenen spielen zu müssen?

Vor „The Sessions“ hatte ich damit gar nicht so viel Erfahrung. Aber ich behaupte trotzdem mal, dass man sich so ganz nie daran gewöhnt. Wenn man eine Szene drehen muss, die sich schon im Drehbuch schmierig liest, dann fühlt man sich dabei irgendwie schmutzig. Doch davon konnte bei „The Sessions“ keine Rede sein. Hatte ich Angst vor der Nacktheit und den Sexszenen? Natürlich! Doch ich wusste, dass dabei etwas Kunst- und Bedeutungsvolles entsteht.

Ist eine solche Angst eine gute Motivation für Sie als Schauspielerin?

Ein kleines bisschen Angst ist sicherlich nicht schlecht. Aber zu viel davon würde ich nicht haben wollen. Erst kürzlich habe ich eine Rolle abgelehnt, die hochinteressant und ebenfalls sexuell ziemlich explizit war. Allerdings war die Geschichte, in der es unter anderem um Vergewaltigung ging, so düster, dass ich mich dagegen sträubte. Da empfand ich diese Art von Angst, auf die man besser hören sollte, also habe ich die Finger davon gelassen.

Begonnen haben Sie Ihre Schauspielkarriere schon als Zehnjährige. Haben Sie es je bedauert, keine normale Kindheit gehabt zu haben?

Früher habe ich das immer verneint, aber hin und wieder gab es dann doch Momente, in denen ich mir gewünscht habe, eine freiere, entspanntere Kindheit gehabt zu haben.

Ihre Tochter ist acht Jahre alt. Würden Sie ihr erlauben, den gleichen Weg einzuschlagen?

Gute Frage. Im Moment hält sich ihr Interesse diesbezüglich noch in Grenzen. Eigentlich bin ich der Meinung, dass das Showgeschäft nicht der ideale Ort für Kinder ist. Und allzu viel bekommt sie davon auch nicht mit, schon allein, weil auf der Waldorfschule, die sie besucht, Fernsehen ebenso verpönt ist wie Markenkleidung. Aber dann erinnere ich mich, wie ich meine Eltern damals angefleht habe, weil ich die Schauspielerei als meine absolute Berufung empfand. Ich wüsste nicht, ob ich meiner Tochter eine Sache abschlagen könnte, von der sie so überzeugt ist.

Ist sie eigentlich der Grund dafür, dass man Sie in den letzten zehn Jahren so selten auf der Leinwand gesehen hat?
Es hatte auch viel mit den Rollen zu tun, die mir angeboten wurden. 2004 wurde ich Mutter, und natürlich überlegt man sich dann noch ein bisschen genauer, wofür man wochenlang die Familie allein lässt. Viele der Drehbücher in diesen Jahren waren vollkommen in Ordnung, und man hätte sicher etwas daraus machen können. Aber sie waren eben nicht so herausragend, dass sie unwiderstehlich gewesen wären. Hätte man mir die Rollen meines Lebens angeboten, hätte ich ohne Frage sehr viel mehr gearbeitet.

Das Interview führte Patrick Heidmann.

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