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Interview mit Colin Firth: Firth bewundert James Bond

Colin Firth glaubt nicht, dass der Oscar-Gewinn für «The King's Speech» im vergangenen Jahr für ihn ein Karrieresprung war. Foto: Kerim Okten.
Colin Firth glaubt nicht, dass der Oscar-Gewinn für «The King's Speech» im vergangenen Jahr für ihn ein Karrieresprung war. Foto: Kerim Okten.

In John le Carrés Verfilmung „Dame, König, As, Spion“ spielt Colin Firth einen Agenten. Im Interview spricht er über seine Liebe zu James Bond, den Fluch des Oscars und sein schlechtes Italienisch.

Jahrelang war Colin Firth der Mann in der zweiten Reihe. Ob in Komödien wie „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ oder im historischen Liebesfilm „Shakespeare in Love“, als Nebendarsteller wurde er von Kritikern stets als besonders facettenreich gelobt. Doch außerhalb Großbritanniens blieb der groß gewachsene Schauspieler eher ein Geheimtipp. Das änderte sich schlagartig mit seiner ersten Oscarnominierung für Tom Fords „A Single Man“. Die begehrte Trophäe erhielt er ein Jahr später für „The King’s Speech“. Colin Firth bittet zum Interview ins Hotel „Excelsior“ auf dem Lido in Venedig. Im schmal geschnittenen dunklen Anzug könnte er glatt als der Geheimagent durchgehen, den er jetzt in John le Carrés Bestsellerverfilmung „Dame, König, As, Spion“ spielt.

Als professioneller Schauspieler wären Sie doch bestimmt ein abgebrühter Geheimagent.

Ob irgendein Schauspieler cool bleiben würde, wenn er in den Lauf einer Pistole schauen müsste, die auf seinen Kopf gerichtet ist, wage ich zu bezweifeln. Ich wäre es bestimmt nicht.

Welche Parallelen existieren zwischen dem Beruf des Schauspielers und dem des Agenten?

Schauspieler und Spione gehören beide zum selben Menschenschlag: Wir sind manipulativ, verschlagen und gestört.

Als Kind wollten Sie doch sicher lieber Geheimagent als Schauspieler sein?

Na klar. Ich habe damals James Bond bewundert und ich muss gestehen, dass ich immer noch ein großer Bond-Fan bin. Ich weiß, Sie werden mich gleich fragen, ob ich ihn gerne spielen würde. Stellen Sie mich nicht auf die Probe, ich könnte schwach werden.

George Smiley ist der realistische Gegenentwurf zur Fantasiewelt eines James Bond. Welche Art von Geheimagent wären Sie gerne?

Niemand möchte im wahren Leben wirklich George Smiley sein. Ich würde mir viel lieber einen Film über ihn anschauen, mehr aber auch nicht. Es geht um zwei verschiedene filmische Ansätze. George Smiley, ein einsamer, isolierter Mann ohne Verbindungen zur Außenwelt. Er ist skrupellos, ohne Privatleben und trotzdem hat man Mitleid mit ihm, weil er authentisch ist. Dagegen ist James Bond ein Fantasieprodukt. Er ist ein Soziopath, den wir trotzdem beneiden, weil wir alle ein bisschen so sein möchten wie er: kaltblütig und nicht so abhängig von unseren Gefühlen.

Oscar-Nominierungen 2012: Die Favoriten

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Doch George Lazenby durfte als James Bond Gefühle zeigen.

Das ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Denn er durfte nur ein einziges Mal Bond spielen.

Daniel Craig litt in „Casino Royale“ auch an gebrochenem Herzen.

Das ist nun etwas ganz anderes. Seine Gefühle waren nur der Auslöser für einen tödlichen Rachefeldzug inklusive Gewaltorgie.

In Ihrem Film werden sogar homosexuelle Beziehungen innerhalb des MI6 angedeutet.

Auch das wäre bei Bond definitiv nicht möglich. Viele dieser Agenten kamen von Eliteschulen für Jungs. Und einige waren homosexuell. Ihre Sexualität mussten sie verbergen und im Geheimen leben. Sie wurden erniedrigt und lebten ein Doppelleben. Wie sollte ihre Art von Rebellion gegen das System aussehen? Denn sie waren ja nicht gegen das System an sich, sie litten unter den gesellschaftlichen Normen. Und sie gaben einige Informationen an die Sowjets weiter. Das taten sie weder für Geld, noch aus Ehrgeiz. Es war eine Reaktion auf den Druck, der auf sie ausgeübt wurde.

„Dame, König, As, Spion“ spielt im Jahr 1973. Was hat Sie damals besonders beschäftigt?

Ich war damals dreizehn Jahre alt. 1973 ist für mich vor allem mit der Watergate Affäre verbunden. Wir haben damals in den USA gelebt, mein Vater hat dort amerikanische Geschichte unterrichtet. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich mir zusammen mit meinen Vater im Fernsehen die Anhörungen und Zeugenaussagen angeschaut habe. Und mein Vater nahm sich die Zeit, mir die Einzelheiten des Skandals zu erklären, in dessen Folge Präsident Nixon zurücktreten musste.

Oscar für „The King’s Speech“

Für „The King’s Speech“ wurden Sie mit einem Oscar ausgezeichnet. Fluch oder Segen?

Natürlich ist es großartig, einen Oscar verliehen zu bekommen. Doch es war schon so, dass ich den Oscar und den Rummel um meine Person erst einmal verarbeiten musste. Doch irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem man sich wieder mit der Gegenwart und neuen Projekten beschäftigen musst.

Sie sind seit vierzehn Jahren mit einer Italienerin verheiratet. Wie sehr ist Italien zu Ihrer zweiten Heimat geworden?

Es fühlt sich inzwischen tatsächlich so an, als würde ich nach Hause kommen. Mein Italienisch lässt allerdings immer noch zu wünschen übrig. Ich wäre gern der Mann, der für alle in der Trattoria das Essen bestellt. Aber ich bin ja immer von echten Italienern umgeben, die das viel besser können. Ich bin immer noch ein Fremder.

Aber Ihr Italienisch klingt gar nicht so schlecht.

Es klingt gut für Engländer, die kein Italienisch sprechen. Die kann ich mit meinen Kenntnissen beeindrucken. Die Italiener bestimmt nicht. Obwohl ich auch manchmal versuche, genau wie sie mit den Händen zu sprechen.

Wie viel Zeit im Jahr verbringen Sie in der Heimat Ihrer Frau?

Die Kinder gehen in London zur Schule. Es bleiben also nur die Ferien. Ich wäre gern öfter in Italien.

Das Interview führten Bettina und Christian Aust.

Datum:  3 | 2 | 2012
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