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19. Februar 2013

Isabel dos Santos: Eine afrikanische Geschichte

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Zu schön, um wahr zu sein? Die märchenhafte Erfolgsgeschichte von Isabel dos Santos weckt manchen Zweifel.  Foto: dpa/Bruno Fonseca

Sie ist die erste afrikanische Milliardärin: Isabel dos Santos. Doch sie ist die Tochter des angolanischen Präsidenten - deshalb glaubt kaum einer, dass sie ihren Reichtum ihrem Fleiß verdankt.

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Man könnte die Geschichte von Isabel dos Santos als modernes Märchen erzählen. Es wäre die Geschichte eines sagenhaften Aufstiegs. Die Geschichte einer Frau, die mit 24 eine Bar in Angolas Hauptstadt Luanda eröffnet und knapp 15 Jahre später vom Wirtschaftsmagazin Forbes zur ersten Milliardärin ihres Kontinents gekrönt wird. Und es wäre die Geschichte eines Landes, das sich aufmacht, sein koloniales Erbe und die Folgen eines 27 Jahre währenden Bürgerkriegs abzuschütteln. Hollywood wäre begeistert.

Doch diese Geschichte spielt in Afrika, wo in der Regel die reich sind, die es schon immer waren und wo sich in jedes modernes Märchen die bösen Hyänen Korruption und Vetternwirtschaft einschleichen. Die Story von Isabel dos Santos bildet da keine Ausnahme. Denn immerhin ist die heute 39-Jährige die Tochter des angolanischen Präsidenten José Eduardo dos Santos.

Der Lebenslauf der Präsidententochter ist der Öffentlichkeit bekannt, auch wenn sie allgemein als medienscheu gilt. 1973 wurde sie im aserbaidschanischen Baku geboren. Sie ist ein Kind aus der ersten Ehe des späteren Präsidenten, der zu dieser Zeit in der Sowjetunion studierte. Isabel sollte für ihre späteres Studium das kapitalistische Ausland vorziehen. Am Londoner Kings College studierte sie in den Neunzigern Management und Elektrotechnik.

In Angola hatte derweil die MPLA, der auch ihr Vater angehörte, zunächst gegen die Portugiesen gekämpft und anschließend die Macht an sich gerissen. Jose Eduardo dos Santos übernahm 1979 das Präsidentenamt. Bereits vier Jahre zuvor hatte die Etablierung eines Einparteiensystems durch die MPLA den angolanischen Bürgerkrieg ausgelöst.

Dieser war noch nicht beendet, als Isabel dos Santos Ende der Neunziger die Verwaltung des Familienvermögens übernahm. 1997 eröffnete sie Luandas ersten Nachtclub, den Miami Beach-Club. Seitdem verläuft Isabel dos Santos’ Aufstieg parallel zur Entwicklung ihres Landes.

Mit dem Ende des Bürgerkriegs 2002 erlebte Angola einen nie für möglich gehaltenen Wirtschaftsboom mit Wachstumsraten von im Schnitt 17 Prozent. Möglich machten dies die reichen Ölvorkommen, die zweitgrößten in Afrika. Binnen eines Jahrzehnts wuchs Luanda zur Fünf-Millionen-Metropole heran, in deren Innenstadt kaum eine Wohnung mehr unter 10000 Dollar Miete zu haben ist.

Isabel dos Santos erwarb sich derweil den Ruf einer intelligenten und dynamischen Geschäftsfrau. Inzwischen investiert die Managerin aus der Ex-Kolonie im einstigen Mutterland, hält Beteiligungen an Banken und Kommunikationsunternehmen in Portugal. Anfang 2013 überstieg ihr geschätztes Vermögen eine Milliarde Dollar.

Doch diese Geschichte spielt, wie gesagt, in Afrika, einem Kontinent auf dem laut Forbes offiziell 16 Milliardäre leben. Inoffiziell ist von bis zu 200 „versteckten Milliardären“ die Rede, die ihren Reichtum illegalen Geschäften und der Ausplünderung von Rohstoffen verdanken. Und es ist eine Geschichte aus Angola, wo vor allem eine kleine Elite vom Wirtschaftsboom profitiert, und die Clique des Präsidenten fast alle entscheidenden Positionen in Wirtschaft und Verwaltung in den Händen hält, während ein Großteil der Bevölkerung von weniger als zwei Dollar am Tag leben muss.

Isabel dos Santos leugnet regelmäßig, von der Position ihres Vaters profitiert zu haben. Tatsächlich gibt es bislang bestenfalls Hin- aber keine Beweise für ihre Verwicklung in die Vetternwirtschaft des Santos-Clans. Den Schatten des Verdachts, der über ihrem Erfolg hängt, dürfte sie dennoch nicht so schnell loswerden. Das ist leider öfter so bei afrikanischen Geschichten.

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