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04. Oktober 2012

Jessica Chastain: "Bei Chaplin muss ich weinen"

Freut sich noch, wenn jemand sie lobt: Jessica Chastain. Foto: REUTERS

Die US-amerikanische Schauspielerin Jessica Chastain spricht im Interview über Idole, eine rasante Karriere und ihre Oma bei der Oscar-Verleihung.

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Im vergangenen Jahr gelang Jessica Chastain mit den Filmen „Tree of Life“ und „The Help“ der Durchbruch in Hollywood, für letzteren wurde sie sogar für einen Oscar nominiert. Nun engagierte man sie als Sprecherin für „Madagascar 3“, eine der erfolgreichsten Zeichentrick-Reihen der Welt. Wir sprachen mit ihr über ihre rasante Karriereentwicklung.

Zur Person

Ihr Geburtsdatum verschweigt Jessica Chastain, weswegen im Netz verschiedene Daten kursieren. Auf jeden Fall wuchs die Kalifornierin als Tochter einer veganen Köchin und eines Feuerwehrmannes auf und ist selbst Veganerin.

Mit „Tree of Life“, Gewinner der Goldene Palme Cannes Festspiele, feierte Chastain nach einigen Fernseh- und Theaterrollen ihren ersten Erfolg 2011. Im selben Jahr wurde sie für ihre Rolle in „The Help“ für den Oscar und den Golden Globe nominiert.

Im gleichen Jahr wollte sie der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel als Lady Diana besetzen, doch Chastain musste die Rolle aus Zeitgründen an Naomi Watts abtreten.

Mrs. Chastain, „Madagascar 3“ ist Ihr erster Animationsfilm. Leicht verdientes Geld, oder?
Ich weiß schon, Sie spielen darauf an, was mein Kollege Chris Rock bei der letzten Oscar-Verleihung gesagt hat. Dass man nur ein paar Sätze sagen muss und dafür 20 Millionen Dollar einstreicht. Ganz so ist es natürlich nicht. Und ich fand die Aufgabe, ehrlich gesagt, ziemlich schwierig. Der gesamte Prozess war neu für mich, und ich war auf Tipps angewiesen. Es war eine Herausforderung, seine Dialogpartner nicht um sich zu haben und auch nicht zu wissen, wie die Bilder am Ende aussehen werden.

Noch vor zwei Jahren kannte Sie eigentlich niemand. Inzwischen sind Sie so berühmt, dass man Sie sogar als Sprecherin für einen Film wie „Madagascar 3“ engagiert. Hätten Sie sich das träumen lassen?
Vor zwei Jahren auf keinen Fall. Und selbst als ich Anfang 2011 zum Festival in Sundance und direkt danach zur Berlinale flog, war mir noch nicht klar, was da gerade passiert. Erst als ich in dem Frühjahr in Cannes war und zusammen mit Brad Pitt und Sean Penn über diesen riesigen roten Teppich lief, bekam ich ein Gefühl dafür, dass da in meinem Leben wohl gerade eine große Veränderung vor sich geht. Bei dieser Premiere von „Tree of Life“ lernte mich sozusagen die Öffentlichkeit kennen.

Was war das bemerkenswerteste Erlebnis dieser letzten anderthalb Jahre? Cannes, die Oscar-Nominierung, Menschen, die Sie getroffen haben, neue Angebote?
All das, was Sie aufzählen, wenn ich ehrlich bin. Fast habe ich das Gefühl, dass jeden Tag aufs Neue etwas Aufregendes passiert ist. Aber aus persönlicher Sicht toppt wohl nichts die Erfahrung, mich von meiner Oma zur Oscar-Verleihung begleiten zu lassen.

Warum haben Sie gerade Ihre Oma mitgenommen?
Sie war es, die mich als Kind in mein erstes Theaterstück mitgenommen hat. Damals habe ich zum ersten Mal verstanden, dass Schauspielerei ein Beruf sein kann – und hatte fortan ein Ziel. Auch später hat sie mich immer unterstützt und mir sogar bei meinem Umzug nach New York geholfen, als damals mein Schauspielstudium begann. Sie ist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben, und diesen Tag mit ihr zu teilen und die Freude in ihren Augen zu sehen, war unbezahlbar.

Abgesehen von Ihrer Großmutter: Wer sonst hat Sie inspiriert, Schauspielerin zu werden – oder tut es vielleicht heute noch?
Was Kino angeht ohne Frage Charlie Chaplin. Ich liebe diesen Mann, und „The Kid“ ist einer der besten Filme aller Zeiten, bei dem ich noch immer jedes Mal weinen muss. Ihm zu Ehren habe ich sogar meinen Hund Chaplin genannt. Bei den noch lebenden Kollegen muss ich Al Pacino nennen, denn der gab mir eine Rolle in seinem Film „Wilde Salmoe“ und brachte mir unglaublich viel bei, was ich für den Sprung vom Theater zum Film brauchte. Und dann ist da noch die große Isabelle Huppert, deren Leistung in „Die Klavierspielerin“ eine Offenbarung war. Ich war damals noch Studentin – und nach dem Film nicht mehr die gleiche.

Haben Sie sie mal kennengelernt?
Ja, das habe ich. Vergangenen Dezember habe ich sie in Paris in einer Inszenierung von „Endstation Sehnsucht“ gesehen und seither waren wir ein paar Mal zusammen essen, wenn wir in der gleichen Stadt waren. Es ist ein seltsames Gefühl, seinen Idolen leibhaftig gegenüberzustehen. Aber sie ist die schönste, intelligenteste und großzügigste Frau, die man sich vorstellen kann. Ich würde alles dafür geben, eines Tages mal mit ihr zu arbeiten.

Mittlerweile haben Sie sich also daran gewöhnt, großen Kollegen gegenüberzustehen?
Noch nicht. Ich liebe es, mit großartigen Schauspielern und Regisseuren zu arbeiten, aber natürlich versuche ich immer, meine aufgeregte Begeisterung ein wenig zu unterdrücken. Gegenüber Pacino oder auch Helen Mirren will ich mir nichts anmerken lassen und tue so, als säßen wir wie ganz normale Kollegen im gleichen Boot. Aber insgeheim schlägt mein Herz dabei die ganze Zeit doppelt so schnell wie sonst.

Mittlerweile werden Sie selbst umschwärmt und angehimmelt. Wie gehen Sie damit um?
Ach, ich freue mich einfach darüber. Wenn mich jemand anspricht und etwas Nettes sagt, dann bin ich davon immer gerührt. Auch weil ich selbst noch genau weiß, wie es ist, wenn man Fan ist. Und wie gut es sich anfühlt, wenn der Mensch, den man bewundert, dann auch tatsächlich nett ist, statt sich als Idiot herauszustellen.

Als Nächstes sehen wir Sie in „Zero Dark Thirty“, dem Film über die Jagd nach Bin Laden von Oscar-Gewinnerin Kathryn Bigelow. Klingt nach einem harten Dreh ...
Es war auch anstrengend. Aber Kathryn ist eine besondere Filmemacherin, bei der man selbst die härteste Arbeit noch gerne macht. Sie ist wie ein Kapitän, weiß genau, was sie tut, und hat herausragende Führungsqualitäten. Gleichzeitig ist sie reizend und liebenswert. Da kam es schon mal vor, dass wir zwischen Maschinengewehren in der jordanischen Wüste saßen und uns gegenseitig die süßesten Hundebaby-Videos auf YouTube gezeigt haben.

Das Interview führte Patrick Heidmann.

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