Man kann den Einfluss Jimi Hendrix’ auf die Popmusik natürlich instrumental erklären. 1966, als der schwarze Gitarrist in einem vermeintlich weißen Genre in London auftauchte, wirkte er auf seine Zeitgenossen wie eine Naturgewalt. Zwar hatte er schon einen soliden Ruf als Begleitmusiker von R’n’B-Größen in den USA, aber nicht einmal Pete Townshend oder Eric Clapton waren auf sein Trio Experience vorbereitet, auf die schiere Energie, die mächtigen Rückkopplungen, die physische Macht seiner Gitarre. Bis heute gibt es keinen Gitarristen, der so schlüssig und eloquent Dynamik, Harmonie und Melodie eines Songs allein mit seinem Instrument bestimmen könnte.
Nur drei Studioalben und vier Jahre Bühnenkarriere bis zu seinem Tod 1970 reichten, um ihn in eine mythische Dimension zu erheben. Auch sein 70. Geburtstag gibt wieder Anlass, über die Wunder zu spekulieren, die er noch vollbracht hätte. Tatsächlich zeigen die späten Aufnahmen und Interviews, dass er sich zum Zeitpunkt seines Todes in einer Übergangsphase befand, die weit über die Rockwelt hinauswies.
Für die Macht seines Mythos spricht, dass er vor jedem Retro-Zugriff sicher scheint. Natürlich beziehen sich Generationen von Rock- und Bluesgitarristen auf ihn, verehrten ihn P-Funker wie Jazzgrößen und E-Avantgardisten. Nicht zu vergessen sein Beitrag zur Nekroindustrie, die ihm auf Alben wie „Crash Landing“ schon kurz nach seinem Tod lebende Musiker an die Seite stellte und noch immer neue Aufnahmen auf den Markt bringt.
Zum Anwesen Graceland in Tennesse pilgern die Elvis-Fans auch nach mehr als 30 Jahren nach dem Tod des King of Rock'n'Roll zu seinem Grab.
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Marlene Dietrich und Johnny Depp
Die beiden trennt nicht nur eine Generation, sondern gleich zwei. Als der deutsche Leinwand-Star 1992 im Alter von 91 Jahren starb, war Johnny Depp gerade einmal 29 Jahre alt. In diesem Alter begeisterte Marlene Dietrich in ihrer Zeit mit der Rolle in „Der blaue Engel“ bereits das Kinopublikum.
Foto: worth1000.comTatsächlich gibt es wohl keinen Popmusiker der Geschichte, der vergleichbar schillernd alle Aspekte der Kunst zwischen Studio, Instrument und Performance aufgriff und transzendierte. Deswegen ist die Frage nach seiner vom Tod verhinderten Musik besonders sinnlos. Denn die Möglichkeit als künstlerische Kategorie steht im Zentrum seiner Kunst. Anders als Zeitgenossen wie die Rolling Stones lässt sich Hendrix weder auf einen Lifestyle noch auf seinen Sound reduzieren. Er steht nicht für eine Haltung, obwohl es wohl kaum eine zornigere Protestmusik gibt als seine wild verzerrte Version der US-Nationalhymne, kaum sexuell aggressivere musikalische Gesten als seine Zunge auf den Saiten, wenig psychedelischere Deutlichkeit als auf „Electric Ladyland“ – und kein betrüblicheres Scheitern an den Verwicklungen des Starbetriebs als seine Drogensucht und sein Unfalltod. Das Feuer, in dem er in Monterey seine Gitarre opferte, beschreibt keinen persönlichen Aufschrei, sondern ein künstlerisches Statement: für die Utopie einer grenzenlosen Musik, in der auch die Zuschreibungen von Hautfarbe, Herkunft und Sexualität zu Asche verbrennen.
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