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27. November 2012

Joseph Murray tot: Die erste Niere 1954 verpflanzt

 Von Karl-Heinz Karisch
Dr. Joseph E. Murray.  Foto: dapd

Nobelpreisträger Joseph Murray ist gestorben. 1954 transplantierte er erstmals eine Niere, seitdem wurden Tausende Menschenleben so gerettet.

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Ein Leben reichte ihm nicht. Gleich zehn hätte Joseph Murray am liebsten gehabt. Astronom und Geologe, Physiker und Embryologe, Pianist oder gar Journalist beim Magazin National Geographic – für all das hat sein Leben nicht ausgereicht. Aber immerhin für einen Nobelpreis. Denn dem begnadeten Chirurgen und Gewebespezialisten gelang die erste erfolgreiche Organtransplantation der Medizingeschichte.

Es sind Stunden zwischen Hoffnung und Verzweiflung in der Weihnachtszeit 1954. Der 23-jährige Richard Herrick leidet an Nierenversagen, zu dieser Zeit ein sicheres Todesurteil. Doch er hat einen gesunden eineiigen Zwillingsbruder. Ronald hat sich mutig dazu entschlossen, eine seiner Nieren dem Bruder zu spenden.

„Wir wussten, was auf dem Spiel stand“, sagte Murray dieser Zeitung vor einigen Jahren. Denn zuvor waren weltweit 15 Patienten nach Organverpflanzungen gestorben. Viele Mediziner warnten deshalb vor weiteren Experimenten. Ethisch ist der Eingriff ebenfalls problematisch, da die Entnahme einer gesunden Niere stets auch für den Spender Risiken birgt.

Murray ist ein erfahrener Spezialist für Gewebeverpflanzungen, die er während des Zweiten Weltkrieges in einem Militärhospital perfektioniert hatte. Um völlig sicher zu gehen, transplantiert er nun am Brigham Hospital in Boston, Massachusetts, den Zwillingen gegenseitig kleine Hautstücke. Erst als diese gut eingeheilt sind, wagt er sich an den Eingriff. Richard Herrick verträgt die gespendete Niere und überlebt acht Jahre. Dann stirbt er an einer Herzerkrankung mit Lungenentzündung.

Zwei Jahre später wagt Murray erneut einen Eingriff bei Schwestern. 1962 kann auch die Immunreaktion des Körpers unterdrückt werden, so dass Murray die ersten genetisch nicht identischen Patienten operieren kann.

Für seine Arbeiten erhält Murray 1990 den Nobelpreis für Medizin. Er hat den Weg für die moderne Transplantationsmedizin geebnet, der viele Patienten ihr Leben verdanken. Am Montag ist er im Alter von 93 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

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