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17. März 2013

Josh Groban: „Ich bin ein echt harter Typ“

Sieht ganz harmlos aus, ist aber ein eisenharter Typ (sagt er jedenfalls): Baritonsänger Josh Groban. Foto: AFP

Josh Groban über sein Image als Softie, seine neue CD „All That Echoes“, warum er Fahrrad statt Harley fährt und wie er sich bei seinem Kollegen Michael Bublé dafür revanchiert hat, dass der ihn auf der Bühne immer nachäfft.

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Braune Locken, Dackelblick und eine Bariton-Stimme, die man so schnell nicht vergisst – das ist seit sechs Alben das Erfolgsrezept von US-Sänger Josh Groban. Seine Lieder sind ein Crossover aus Pop und Klassik. Am Freitag erschien sein neues Album „All That Echoes“. Am 7. Juni wird der 32-Jährige die Platte in der Alten Oper Frankfurt vorstellen.

Mr. Groban, verraten Sie doch bitte drei Dinge über sich, die man nicht auf Wikipedia findet.

Ich kann meine Finger verbiegen, als hätten sie keine Knochen und wären aus Gummi. Ich liebe Motorräder, aber meine Mutter möchte nicht, dass ich mir eines zulege. Und ich nehme meine Musik sehr ernst, aber mich selber nicht.

Warum ist Letzteres so wichtig?

Zur Person

Joshua Winslow Groban wurde 1981 in Los Angeles als Sohn einer Lehrerin und eines Geschäftsmannes geboren. 1999 wurde er vom Musikproduzenten David Foster (u. a. Barbra Streisand, Michael Bublé) gebeten, für Andrea Bocelli bei den Proben zur Grammy-Verleihung einzuspringen – Foster hatte ihn auf einem Tape singen gehört. Groban überzeugte im Duett mit Céline Dion, schmiss sein Theaterstudium hin und begann eine große Karriere.

Über 25 Millionen Platten hat Groban seither verkauft, jedes seiner fünf Studioalben wurde mit Platin ausgezeichnet. Sein neues Album „All That Echoes“ ist seit Freitag im Handel erhältlich.

Weil ich glaube, die Allgemeinheit nimmt mich nicht als normalen 32-Jährigen wahr, sondern als Klassik-Snob. Meine Fans wissen, dass es nicht so ist. Ich nutze jede Möglichkeit, um alberne Dinge zu tun. Denn wenn ich gerade nicht singe, bin ich gerne locker drauf.

Bei einem Konzert von Michael Bublé kamen Sie mal überraschend auf die Bühne, um seinen Gesang zu imitieren.

Das war ein Riesenspaß! Mir wurde damals zugetragen, dass er jeden Abend Witze auf meine Kosten machte. So nach dem Motto: Und jetzt mach ich euch den Josh Groban ... Er fing dann immer an, meinen klassischen Gesangsstil nachzumachen. Ich habe den Spieß also einfach umgedreht. Sein Gesichtsausdruck sprach Bände. Michael war sichtlich beschämt, und es war eine große Genugtuung für mich, denn eigentlich ist er nicht leicht, aus der Fassung zu bringen.

Gibt es denn einen Konkurrenzkampf zwischen Ihnen?

Überhaupt nicht. Wir sind beides Sänger, die von demselben Typen, nämlich David Foster, entdeckt wurden. Aber wir machen total unterschiedliche Musik.

Wie erklären Sie sich, dass Sie in Amerika schon seit Jahren die große Nummer sind, aber hierzulande einen so langen Anlauf brauchten?

Ich bin in einem Genre, das schwer zu verstehen ist, weil es ein Crossover aus Pop und Klassik ist. Aber ich muss sagen, dass die Passion und Energie der europäischen Fans mein Ego eher größer werden lassen als kleiner. Ich erinnere mich an das letzte Konzert in Frankfurt. Ich erwartete eine zurückhaltende Stimmung im Vergleich zu den Arenen in Amerika. Aber es wurde mit den Füßen getrampelt, und es hingen Spruchbänder von den Balkonen, was gegen jede Opern-Regel verstoßen dürfte.

Vibrato und Metallica

Ist Ihr Vibrato für den durchschnittlichen Musikkonsumenten nicht auch erstmal gewöhnungsbedürftig?

Ernsthaft, wenn jemand kein Vibrato mag, dann wäre ich überrascht, wenn die Person überhaupt zu meinem Konzert kommt. Denn das wäre in etwa so, als würde jemand zum Metallica-Konzert gehen und anschließend sagen, dass er laute Musik nicht abkann. Auch viele traditionelle deutsche Lieder werden mit Vibrato gesungen. Ich denke da beispielsweise an bayerische Trinklieder. Vielleicht liegt es aber an der heutigen Popwelt, wo jeder Song in ein Format gepresst wird, dass man so was nicht mehr oft hört.

Sie haben sich für das neue Album mit Rob Cavallo den Produzenten der Rockband Green Day an die Seite geholt. Hatten Sie Angst, dass Sie sonst zu soft klingen?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe von Natur aus eine laute Stimme und mag es, mit ihr ordentlich auf den Putz zu hauen. Und weil das letzte Album eher soft war, sollte diese Platte die Liveshows widerspiegeln – sie ist sehr energetisch. Aber Rob Cavallo hat deshalb nicht versucht, mein Album zum Rockalbum werden zu lassen. Für mich ist es die perfekte Kombination aus Klassik und Moderne.

Wenn man Ihre Stimme auf eine Platte packt, ist es doch sowieso unverkennbar ein Josh-Groban-Album.

Danke, das werte ich jetzt mal als Kompliment. Alle meine Lieblingssänger erkenne ich schon nach fünf Sekunden. So sollte es doch sein.

Sind Sie privat eigentlich auch eher ein Softie?

Nein, denn mal ehrlich: Typen, die jeden Abend auf der Bühne die harten Kerle raushängen lassen, reiten in ihrer Freizeit doch auch eher Ponys. Ich muss auf der Bühne der Softie sein, aber eigentlich bin ich ein echt harter Typ.

Groban ist noch Single

Wie kommt dieser Gegensatz bei den Frauen an?

Da müssen Sie die Frauen fragen. Ich bin momentan Single. Ich bin eigentlich immer Single, wenn ich eine neue Platte rausbringe.

Sind Sie so anspruchsvoll, oder was ist das Problem?

Nun, ich befinde mich selten mehr als 24 Stunden am gleichen Ort. Das wäre aber eine Voraussetzung für eine Beziehung. Ich fühle mich wohl, während ich auf die Rückkehr der Liebe warte. Ich bin eine sehr eigenständige Person. Ich bin gerne allein. Ich bin wohl auch ein bisschen Workaholic. Ich liebe es zu arbeiten, dann komme ich mir nützlich vor.

Fängt Ihre Mutter schon an zu sticheln?

Sie würde sich sicherlich über Enkel freuen, aber sie muss sich noch gedulden. Mein Bruder ist auch noch nicht verheiratet – gut, der ist auch vier Jahre jünger. Aber die Groban-Männer brauchen ihre Zeit.

Warum möchte Ihre Mutter denn nicht, dass Sie sich ein Motorrad zulegen?

Weil sie weiß, dass ich ein Raser wäre, ein Geschwindigkeits-Teufel! Und alles, was sie zum Weinen bringt, mache ich nicht. Also fahre ich lieber mit dem Fahrrad durch New York.

Das Interview führte Katja Schwemmers.

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