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05. Januar 2013

Juan Carlos 75 Jahre: Royaler Verschleiß

 Von Martin Dahms
Mit 75 nicht mehr so beliebt: König Juan Carlos I. Foto: AFP

Juan Carlos I. wird am heutigen Samstag 75 Jahre alt. Doch in Spanien will nicht einmal der König den Geburtstag feiern. Das Ansehen der Monarchie in der Bevölkerung hat in den vergangenen Jahren sehr gelitten.

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Juan Carlos I. wird am heutigen Samstag 75 Jahre alt. Doch in Spanien will nicht einmal der König den Geburtstag feiern. Das Ansehen der Monarchie in der Bevölkerung hat in den vergangenen Jahren sehr gelitten.

Vor einem Monat wurde Juan Carlos de Borbón y Borbón, König der Spanier, wieder einmal aus dem Krankenhaus entlassen. Er hatte sich der dritten Hüftoperation innerhalb eines Jahres unterziehen müssen. Ob er seine Rehabilitation dieses Mal mit größerer Ruhe angehen lassen werde, wollte ein Journalist wissen – nach der vorigen Operation hatte sich seine Prothese durch eine ungestüme Bewegung sehr schnell wieder gelockert. „Wie gemein ihr seid!“, antwortete der König mit einem Lachen im Gesicht. Und: Ja, dieses Mal wolle er sich in aller Ruhe auskurieren.

Von Franco auserkoren

Juan Carlos, der am heutigen Samstag 75 Jahre alt wird, leidet unter Hüftarthrose. Das ist in seinem Alter nichts Ungewöhnliches. Doch mehr als der Verschleiß seiner Gelenke muss den Monarchen der Verschleiß seines Ansehens kümmern. Vor gut 37 Jahren nahm er, vom langjährigen Diktator Francisco Franco dazu auserkoren, den spanischen Thron ein. In den ersten aufregenden Jahren der spanischen Demokratie gewann der junge Monarch die Sympathie und den Respekt seiner Landsleute.

In den folgenden, langweiligeren Jahrzehnten der Konsolidierung der Demokratie musste er erfahren, dass er sich mit seinen Anfangserfolgen kein Anrecht auf Zuneigung erworben hatte. Die muss er sich täglich neu erkämpfen. Heute ist klar: Der Kampf wird immer schwerer.

Zur Person

Juan Carlos I., geboren am 5. Januar 1938 in Rom, hatte bei seiner Berufswahl nichts zu melden. Als er zehn Jahre alt war, einigten sich sein Vater und der Diktator Francisco Franco darauf, dass Juan Carlos einmal König von Spanien werden sollte. 1962 heiratet er die griechische Prinzessin Sofía mit der er drei Kinder hat. 1975 bestieg er den Thorn.

Seinen wichtigsten Einsatz hatte Juan Carlos am 23. 2. 1981 als Franco-Anhänger einen Putsch versuchten und der König sich klar für die Demokratie aussprach. Doch die jüngeren Spanier erinnern sich heute nicht mehr an diesen Moment, sondern kennen den König vor allem als Jäger und Yachtbesitzer.

Doch Juan Carlos gibt sich so schnell nicht geschlagen. Er streitet für sein Ansehen. Er ist ein Vollblutkönig. Er will die Spanier davon überzeugen, dass sie es mit ihrem Monarchen von Francos Gnaden, trotz allem, gut getroffen haben. Deswegen sprach er im vergangenen Frühjahr diese Sätze, die in die Geschichte der spanischen Monarchie eingehen werden: „Es tut mir sehr leid. Ich habe einen Fehler begangen. Es wird nicht wieder vorkommen.“ Sätze wie die eines Schuljungen, der bei einem Streich erwischt worden ist. Der Streich war eine Elefantenjagd in Botswana im April. Die Großwildjagd in Zeiten der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten stieß den Spaniern übel auf. Das Schuldeingeständnis vor laufender Kamera war der einzige Weg, den Schaden halbwegs wieder gut zu machen.

Ob die Spanier ihrem König den Afrika-Ausflug verziehen haben, ist schwer zu sagen. Die ausgesprochen professionell geführte Pressestelle des Königshauses berichtet von internen Umfragen, nach denen Botswana schon wieder vergessen sei. Doch auffällig ist, dass das staatliche Sozialforschungsinstitut CIS schon seit über einem Jahr nicht mehr nach der Akzeptanz der Monarchie unter den Spaniern fragt. Zuletzt hatte das CIS im Oktober 2011 wissen wollen, wie die Spanier über das Königshaus denken – wobei sich die Tendenz des langsam erodierenden Vertrauens der Vorjahre bestätigte. Seitdem dürfte das Ansehen der Monarchie noch weiter gelitten haben. Doch Zahlen darüber fehlen.

Juan auf Elefantenjagd

Lange Jahre war das Königshaus die meistgeschätzte Institution in Spanien. Das war insofern bemerkenswert, als sich die Spanier schon einmal seines Königs, Alfons XIII., entledigt hatten und 1931 die Republik ausriefen. Nach dem Franco die Macht übernommen hatte, entschied er, zu gegebener Zeit die Monarchie wieder einzuführen. Allerdings hatte er sich mit Juan Carlos’ im Exil lebenden Vater zerstritten – man einigte sich darauf, dass Juan Carlos eines Tages den Thron besteigen sollte.

Nach Francos Tod Ende 1975 erwies sich der junge Monarch, für viele überraschend, als Garant des demokratischen Übergangs. Im Februar 1981 verhinderte er mit entschiedenem Auftreten einen Putschversuch rechter Militärs. Die älteren Spanier haben ihm das nie vergessen. Doch die Jüngeren kennen ihr Land nur als Demokratie. Dass der Staat noch einen königlichen Schutzschild bräuchte, können sie heute nicht mehr verstehen.

Den heutigen Kritikern der spanischen Monarchie geht es weniger um die Person von Juan Carlos und seinen Lebenswandel, als um das demokratische Prinzip. Sie sehen eine staatlich alimentierte Königsfamilie, die sich niemals Wahlen stellen musste und offenbar gedankenlos ihre Privilegien genießt. Während Millionen Spanier nicht wissen, wie sie bis zum Monatsende durchkommen sollen, geht Juan Carlos auf eine Zehntausende Euro teure Elefantenjagd.

Gravierender noch: Der königliche Schwiegersohn Iñaki Urdangarin, Ehemann der Infantin Cristina, nutzte seine Position offenbar für unsaubere Geschäfte, um sich und die Seinen illegal zu bereichern. Urdangarin wird sich deswegen aller Voraussicht nach vor Gericht verantworten müssen. Das selbe Gericht hält seine Frau Cristina bisher für schuldlos, doch das fällt vielen Spaniern schwer zu glauben.

Juan Carlos wird seinen Geburtstag in aller Stille begehen. Nach großen Feierlichkeiten dürfte ihm nicht zumute sein. Den Spaniern noch weniger.

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