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Promi-News und Interviews mit den ganz Großen

26. Januar 2013

Jussi Adler-Olsen: „Ja, ich bin faul“

Schreibt elf Stunden am Stück: Jussi Adler-Olsen.  Foto: dpa/Uwe Zucchi

Der Bestsellerautor Jussi Adler-Olsen spricht im Interview über das Fußballgucken, den Erfolg und das Schreiben auf alten Computern.

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Der Bestsellerautor Jussi Adler-Olsen spricht im Interview über das Fußballgucken, den Erfolg und das Schreiben auf alten Computern.

Wer bei einem Mann, der weltweit die Bestsellerlisten anführt, Arroganz erwartet, liegt bei Jussi Adler-Olsen falsch. Selbstbewusst zwar, aber freundlich und ohne sich zu wichtig zu nehmen, vertieft er sich in das Interview und tut zumindest so, als ob es ihm Spaß machte.

Herr Adler-Olsen, Pep Guardiola geht als Trainer zu Bayern München, was wird das werden?

Oh, das wird wunderbar. Stellen Sie sich vor: Die Bayern spielen tiki-taka. Wer soll sie da noch schlagen? Ich habe eine Wohnung in Barcelona, und als Barça gegen Leverkusen spielte, saß ich in der ersten Reihe. 7:1, fünf Tore Messi, alle brüllten vor Freude, selbst meine Frau, die von Fußball überhaupt nichts versteht. Aber als Leverkusen ein Tor schoss, standen die 100.000 im Camp Nou (Fußballstadion, Anm. d. Redaktion) auf und klatschten Beifall. Das ist Guardiolas Geist, und den bringt er nach München mit.

Zur Person

Jussi Adler-Olsen wurde 1950 in Dänemark geboren. Ehe er zum Bestsellerautor wurde, studierte Adler-Olsen Medizin, Soziologie, Politologie und Filmwissenschaft, engagierte sich in der Friedensbewegung, verfasste Filmfachbücher und ein Comic-Lexikon und arbeitete als Komponist, Redakteur und Verlagschef.
Mit „Das Alphabet-Haus“ feierte er 1997 seinen ersten Erfolg. Der Durchbruch kam aber 2007 mit der Thriller-Serie um den mürrischen Carl Mørck im Sonderdezernat Q. Auf Dänisch sind die ersten fünf der auf zehn Bände angelegten Serie erschienen, auf Deutsch vorerst die ersten vier. Sie sind in 38 Sprachen übersetzt, in 120 Ländern erschienen.

Ich frage Sie zu Guardiola, weil ich mal las, dass Sie am liebsten auf dem Sofa lägen, um Champions League zu gucken, statt Bestseller zu schreiben.

Aha, Sie haben von meiner Faulheit gehört. Ja, ich bin faul, aber ich habe von meinem Vater gelernt. Der hat sein Leben lang gearbeitet, und als ich ihn fragte, warum, er habe doch alles, da sagte er: Damit protestiere ich gegen meine Faulheit. Zwei Dinge halten den Menschen lebendig, Neugier und Kreativität, und ich habe beides in Fülle.

Dennoch: Sie sind 62. Hätten Sie Ihren Erfolg nicht lieber mit 40 gehabt, dann könnten Sie sich jetzt zur Ruhe setzen?

Mit 40 hätte ich nicht tun können, was ich jetzt tue. Ich war 39, als mein Sohn zur Welt kam, der schlief nie. Ich wachte mit ihm auf dem Bauch die Nächte durch, guckte MTV, las eine Menge Zeug, das ich nicht mochte und lernte unheimlich viel davon. Vorher war ich ein großer Egoist, jetzt lernte ich, an andere zu denken. Als ich 17 war, sagte mein Vater: Jussi, tu, was dir Spaß macht, du hast viele Talente, nutze sie alle, eins nach dem anderen. Das hab ich getan, und ich habe immer Spaß gehabt.

Jetzt sind Sie ein Autor mit Millionenauflage, hat dieser Erfolg Sie verändert?

Ich glaube, ich kann sagen: Ich habe mich nicht verändert. Ich hatte das Glück, dass schon mein erstes Buch ein Erfolg war, nicht toll, aber ich konnte davon leben. Dann schrieb ich zwei weitere internationale Thriller und lebte sehr gut davon. Und dann erfand ich Carl Mørck vom Sonderdezernat Q. Geld ist nicht mehr wichtig, wichtig ist, was man damit anfängt. Ich habe zwei Firmen gegründet, eine baut ein Null-Energie-Haus, die andere schafft Software-Jobs für smarte Jungs. Ich baue gerne auf. Aufhören ist niederreißen. Oft brauche ich mehr Zeit für alles andere als fürs Schreiben. Aber dann setze ich mich hin und schreibe Tag für Tag elf Stunden am Stück. Das ist toll, da fühlt man, dass man arbeitet.

Aber Schreibblockaden kann man sich dann nicht leisten.

Da helfen mir zwei Dinge. Erstens die Musik. Ich lege eine CD ein, setze den Kopfhörer auf und beginne zu schreiben. Das kann Mozart sein, Filmmusik, Hendrix, egal. Aber nur eine CD in der Endlosschleife den ganzen Tag. Ohne Kopfhörer geht gar nichts, und wenn ich eines Tages taub würde, könnte ich nicht mehr schreiben.

Und zweitens?

Da habe ich meine Tricks. Ich sitze immer am selben Schreibtisch, mit einem Laptop von 1992 und vorsintflutlicher Software. Wordperfect von 1997. Mit den neuen Schreibprogrammen blufft man sich selbst. Das sieht alles so schön aus, feine Schrift auf weißem Grund, tolles Layout, und du merkst nicht, dass das, was du schreibst, Scheiße ist. Bei mir ist alles hässlich, weiße Buchstaben auf blauem Grund. Da muss der Text gut sein, sonst ist das nicht auszuhalten. Dann höre ich immer eine halbe Seite zu früh auf. Die schreib ich am nächsten Tag fertig, und schon bin ich in Gang.

Ob Sie es wollen oder nicht, Sie sind Teil der skandinavischen Krimiwelle. Haben Sie ein paar nette oder giftige Worte über Ihre Kollegen?

Nein, das habe ich nicht, denn ich habe keinen von ihnen gelesen, keinen Stieg Larsson, keinen Mankell, keinen Jo Nesbø. Absichtlich nicht, weil ich immer Angst hätte, dass sie mich inspirieren. Aber wir alle haben ja dieselben Helden, wir alle sind Kinder von Sjöwall/Wahlöö, die in den 70er-Jahren den Kriminalroman neu erfunden haben mit ihrem Sozialrealismus und ihrem politischen Inhalt. Daraus haben wir alle gelernt, und jetzt ist Skandinavien trendy. Aber Trends verändern sich, jetzt kommen die Japaner. Aber ich habe vor, mich am Tisch festzukrallen …

Fünf Bände aus dem Sonderdezernat Q sind erschienen, zehn sind geplant. Schreiben Sie am sechsten?

Naja, nicht ganz. Ich sollte. In 14 Tagen fange ich an, ich muss. Jetzt schreibe ich an der Synopsis, aber ich weiß noch nicht, wie ich alle Probleme löse. Aber dann kommen fünf Monate mit nur Schreiben, sonst nichts.

Wissen Sie schon, wie es danach weitergeht?

In groben Zügen, ja, die Bände sieben bis neun erzählen die Geschichten von Carl Mørch, von Assad, seinem Assistenten, von Rose, der Frau, die Chaos in das Dezernat bringt. Dann zum Finale das große Feuerwerk. Aber über die Fälle, die sie lösen sollen, bin ich noch unschlüssig, ich habe elf „Cases“ im Köcher, mal sehen, was rauskommt.

Im Oktober kommt der erste Film in die Kinos. Wie viel haben Sie damit zu tun?

Gar nichts. Ich habe die Rechte für die Verfilmung der ersten vier Bücher verkauft. Was die draus machen, ist nicht meine Sache. Das ist eine dänische Produktion, in Deutschland wird sie natürlich synchronisiert. Aber ich könnte mir gut eine deutsche Fernseh-Version vorstellen, die in Hamburg spielen könnte, das ist ja schon fast skandinavisch. Mit Peter Lohmeyer als Carl Mørck: Das würde mir gefallen.

Das Interview führte Hannes Gamillscheg.

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