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Promi-News und Interviews mit den ganz Großen

02. Dezember 2012

Käthe Reichel tot - Nachruf: Ein Abschied mit Getrommel

 Von Irene Bazinger
Käthe Reichel (3.03.1926 – 19.10.2012). Foto: dpa

Käthe Reichel, Brecht-Schülerin und eine der bekanntesten Schauspielerinnen der DDR, ist mit 86 Jahren gestorben. Ein Nachruf auf eine kluge Schauspielerin, die ihre Meinung sagte und auf allen Gebieten intensiv war.

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Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze, heißt es in Schillers „Wallenstein“. Im Namen der am 19. Oktober mit 86 Jahren verstorbenen Käthe Reichel freilich ist dem Klassiker jetzt zu widersprechen, denn ihr werden solche Kränze zum Glück und ganz gewiss geflochten. Brechts heilige Johanna der Schlachthöfe – immerhin ein wenig nach Schiller – war ihre Lebensrolle, die sie zuerst 1961 in Stuttgart und später mehrfach, auch in einer Solofassung, gespielt hatte. Davon erzählte der Dramaturg Alexander Weigel, der Käthe Reichel aus der Arbeit am Deutschen Theater kannte. Dort war sie von 1961 bis 2001 engagiert, dort fand am Sonntag ihr zu Ehren eine Gedenkfeier statt.

Die Matinée fing ungewöhnlich an, wie es zu diesem „Jahrhundertmenschen“ passte, so Intendant Ulrich Khuon: Mit lautem Getrommel der jungen Percussionisten von „Fried-Drums“. Der Andrang war erheblich, das Haus mit einem bunt gemischten Publikum gut gefüllt. „Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine“ sang der Erich-Fried-Chor. Er gab damit den Rahmen vor, in dem sich die Redner – von Dieter Mann über Volker Braun und Claus Peymann bis zum Gewerkschafter Horst Schmidthenner – an Käthe Reichel erinnern würden: Theater als politische Kraft, Kunst als soziale Strategie, Freiheit und Demokratie als Ziele, nicht als Leerformeln im täglichen Zusammenleben.

„Sie wusste alles besser“

Sie hatte viel Temperament, war bei den Proben immer bestens vorbereitet, sagte Weigel später, und: „Sie war eine kluge Schauspielerin und wusste alles besser.“ Nicht zum ersten Mal wurde da gelacht, und auch die dokumentarischen Filmausschnitte mit der wachen, respektlosen, mutigen Akteurin sorgten für gelöste Stimmung. Margit Bendokat, eine heutige Ikone des Deutschen Theaters, erzählte, wie sie mit der großen Kollegin Rollen studiert und Kochen gelernt habe. Michael Schweighöfer las einen Text von Hans-Jürgen Syberberg vor, der 1953 am BE gefilmt hatte, wo kolportiert wurde, dass Brecht, der ewige Weiberheld, nachts vor dem Haus der Reichel von einem Baum gefallen sei. Sie war wohl seine letzte Liebe, er ihre erste.

Von der Stasi wurde sie als „das konterrevolutionäre Zentrum des Deutschen Theaters“ geführt, so der Filmregisseur Rainer Simon, weil sie ihre eigene Meinung etwa zum Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten 1968 in Prag nicht verschwiegen hatte. Gregor Gysi nannte sie „völlig unkäuflich“. Sie war auf allen Gebieten intensiv, befand Daniela Dahn, nicht nur auf der Bühne, sondern auch als Mitorganisatorin der Demonstration auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989 (wo sie allerdings nicht sprach) oder als unermüdliche Friedensaktivistin. Und dann kam Dagmar Manzel an die Rampe und sang unpathetisch, allein und unbegleitet „Anmut sparet nicht noch Mühe“.

Voll Grazie und Hochachtung war da mit Brechts Kinderhymne ein Hauch von der Hoffnung auf eine bessere Welt zu spüren, die Käthe Reichel nie aufgegeben und der sie ihr ganzes Leben gewidmet hatte.

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