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22. Januar 2013

Katarina Witt: „Augen zu und durch“

Versucht immer optimistisch zu sein: Katarina Witt. Foto: imago stock&people

Die Eiskunstläuferin Katarina Witt spricht im Interview über Berühmtsein, Stalking und ihren ersten Film. In "Der Feind in meinem Leben" konnte die Profisportlerin einige der schlimmsten Erfahrungen ihres Lebens verarbeiten.

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Die Eiskunstläuferin Katarina Witt spricht im Interview über Berühmtsein, Stalking und ihren ersten Film. In "Der Feind in meinem Leben" konnte die Profisportlerin einige der schlimmsten Erfahrungen ihres Lebens verarbeiten.

Katarina Witt kehrt aufs Eis zurück – zumindest für eine Filmszene. In dem Sat.1-Film „Der Feind in meinem Leben“ ist sie am Mittwoch in ihrer ersten Hauptrolle zu sehen, als Eisprinzessin und Stalking-Opfer. Kein einfaches Thema für Deutschlands erfolgreichste Eiskunstläuferin, die zeitweise selbst von einem Stalker verfolgt wurde.

Frau Witt, werden Sie gerne erkannt?

Wie meinen Sie das?

Zum Beispiel auf der Straße, beim Einkaufen.

Für mich ist das Erkanntwerden heute fast selbstverständlich. Und wenn ich angesprochen werde, empfinde ich es eigentlich immer als Kompliment, wenn zum Beispiel jemand auf mich zukommt und erzählt, er sei damals bei den Olympischen Spielen nachts aufgeblieben, um mir die Daumen zu drücken.

Gewöhnt man sich auch an Handy-Kameras?

Nein, das ist tatsächlich nicht so schön. Besonders extrem war es, als die Handykameras gerade neu auf den Markt kamen, wenn ich im Restaurant saß und jemand versuchte, mich abzufilmen. Allerdings muss man auch sagen: Zum Glück ist Deutschland nicht Hollywood, dort ist das wahrscheinlich viel mehr gang und gäbe. Hierzulande wird die Privatsphäre schon noch geachtet, viele Leute fragen vorher „Macht es Ihnen etwas aus...?“ Und es wird auch akzeptiert, wenn ich sage: „Seien Sie mir nicht böse, aber ich möchte das gerade nicht.“

Haben Sie eine Tarnung? Sonnenbrille, Kopftuch?

Nein, ich gehe ganz normal auf die Straße. Und wenn man mal ungekämmt und im Schlamper-Look ist, weil man nur mal schnell eine Zeitung holen will, dann setzt man vielleicht schon mal eine Brille oder eine Schiebermütze auf, um einfach – … um die Leute nicht zu erschrecken (lacht).

Im TV-Film „Der Feind in meinem Leben“ spielen Sie sich selbst, als Eisprinzessin und Stalking-Opfer. Haben Sie bei dem Thema gezögert? Schließlich gab es in Ihrer aktiven Zeit einen Stalking-Fall.

Nein, als die Idee aufkam, einen Film mit dem Stalking-Thema zu drehen, war klar, dass es eine fiktive Handlung wird und nicht meine Geschichte von vor 20 Jahren. Es ist sicher ein sensibles Thema, weil es in der Gesellschaft vorkommt. Und was mir damals passiert ist, das sind unangenehme Erinnerungen, über die ich öffentlich auch nicht spreche.

Zur Person

Katarina Witt wurde 1965 in Staaken bei Berlin geboren. Schon mit fünf Jahren stand sie auf dem Eis, mit zehn lernte sie die Erfolgstrainerin Jutta Müller kennen. 1982 gewann sie bei der Europameisterschaft Silber, ein Jahr später ihre erste Goldmedaille. Witt wurde 1984 und 1988 Olympiasiegerin und holte vier Mal WM-Gold.

Nach der Wiedervereinigung wurde bekannt, dass sie von der Stasi bespitzelt worden war, zudem wurde sie zu Beginn der 90er-Jahre von einem Stalker verfolgt. Mit dem Thema Stalking beschäftigt sich auch der Thriller „Der Feind in meinem Leben“ (20.15 Uhr, Sat.1).

Man stellt sich die psychische Belastung durch einen Stalker als extrem vor. Haben Sie eine Strategie, damit fertig zu werden?

Die Strategie ist die, dass man darüber in der Öffentlichkeit nicht redet. Ich habe damals Rat bei einem Profiler gesucht, der hat mir genau das empfohlen. Weil der Stalker die Aufmerksamkeit will. Und an diese Strategie halte ich mich seit 20 Jahren.

Was lässt sich gegen Stalking tun? Glauben Sie, die Ursachen lassen sich bekämpfen?

Ich denke nicht. Stalking wird es immer geben, im Kleinen wie im Großen. Wir erfahren von diesen Fällen ja meistens nur, wenn es einen Prominenten trifft. Aber auch in anderen Gesellschaftsgruppen ist es verbreitet. Wenn beispielsweise jemand, dessen Liebe zurückgewiesen wird, das nicht wahrhaben will und die geliebte Person dann verfolgt.

Welche Rolle spielt bei den Ursachen für Stalking der Starkult, den die Medien betreiben?

Sicher inszenieren die Medien auch. Es ging mir oft so, dass ich auf einer Veranstaltung war, wo ich dachte, wo bin ich hier nur gelandet. Am nächsten Tag stand in der Zeitung, dass sei eine großes Event in der Stadt gewesen. Da wird von den Medien viel kreiert.

Gab es einen Starkult in der DDR?

Wenn, dann bezog er sich nur auf Legenden wie Catherine Deneuve oder Alain Delon. Heute ist der Starkult ja inflationär, bis dahin, dass man sagt: „Ich bin ein Star, holt mich hier raus.“ (lacht)

Auf der anderen Seite gehört es dazu, dass die Menschen jemanden haben, den sie bewundern, in den sie Träume und Faszinationen hineininterpretieren kann.

Doch in der DDR wurde der mediale Kult vermutlich etwas weniger forciert.

Dafür hingen überall Aufnahmen von Erich Honecker. (lacht) Das war unser Starkult, der hing sozusagen als Popstar in jedem Klassenzimmer.

Sie wurden in der DDR von der Stasi bespitzelt, nach der Wende waren Sie Opfer eines Stalkers, hinzu kommt die Beobachtung durch die Medien – wie hält man das psychisch durch?

In dem man einfach immer irgendwie weitermacht. Freunde fragen mich oft: „Wo steckst du das alles hin?“ – trotzdem bin ich fröhlich und optimistisch und versuche immer, das Positive zu sehen. Vielleicht hängt das mit dem Sport zusammen. Das ist – Lance Armstrong jetzt mal beiseite genommen – so ehrlich und geradeaus, was man sich dort hart und mit viel Disziplin erarbeiten musste. Durch diese harte Arbeit schafft man sich eine Schale. Und wenn dann Menschen verletzend sind, man unfair behandelt wird, dann drückt man das irgendwo in diesen Panzer und macht einfach weiter. Augen zu und durch.

Der Film zeigt Sie auch auf dem Eis. Sind Sie immer noch fit?

Nein, für die Szene im Film brauchte es mehrere Monate Training. Das ist dann doch nicht wie Fahrradfahren, draufsteigen und losradeln. Die Schritte, die Geschwindigkeit, eine Pirouette drehen – das kann man nach vier Jahren ohne Eislaufen nicht einfach aus dem Handgelenk schütteln, da würde man sofort eine Zerrung bekommen und drei Monate darnieder liegen.

Das Interview führte Jacob Buhre.

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