Leute
Promi-News und Interviews mit den ganz Großen

08. Dezember 2012

Keira Knightley: Keira Knightley findet sich schrecklich

Keira Knightley mag den Rummel um ihre Person gar nicht besonders. Foto: REUTERS

Die Schauspielerin Keira Knightley über ihr Anna-Karenina-Potenzial, ihre Oscar-Ambitionen, Supermarkt-Momente und Preisverleihungen.

Drucken per Mail

Keira Knightley sucht sich ihre Projekte sehr sorgfältig aus. Und immer wieder fällt ihre Wahl auf opulente Kostümfilme, wie „Anna Karenina“, der Leinwandadaption des gleichnamigen Romans von Leo Tolstoi.

Wenn Sie ein so tief trauriges Drama wie „Anna Karenina“ spielen, wird dann zwischen den einzelnen Szenen besonders viel gelacht, um den Emotionshaushalt wieder auszugleichen?
Nein, leider nicht. Das ganze Projekt war eine wunderschöne Erfahrung. Doch wenn man sich auf einen Regisseur wie Joe Wright einlässt, dann weiß man, was einen erwartet: absolute Besessenheit. Joe selbst gibt 150 Prozent und das erwartet er auch von seinen Schauspielern. Ich habe die Dreharbeiten als sehr anstrengend empfunden.

Wie viel „Anna Karenina“-Potenzial steckt in Ihnen?
Ich möchte nicht Anna Karenina sein. Aber ich verstehe sie sehr gut. Denn auch in meiner Persönlichkeit arbeiten diese positiven und auf der anderen Seite negativen Kräfte. Das macht diese Figur so interessant. Sie wurde oft als unschuldige Frau gespielt, die zum Opfer wurde. So habe ich sie auch gesehen, als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe. Doch heute glaube ich, dass Anna Kareninas Charakter auch dunklere Züge hat. Und man darf nicht vergessen, dass sich in der Figur auch immer die Widersprüche der Epoche widerspiegeln.


Wie ist es Ihnen gelungen, eine emotionale Verbindung zu dieser historischen Romanfigur herzustellen?
Ich glaube, unsere Emotionen bestimmen immer noch unser Handeln, daran hat sich im Laufe der Zeit nichts geändert. Die gesellschaftlichen Normen waren damals andere als heute, wir tragen heute andere Kleidung und unser Leben hat sich durch den technologischen Fortschritt verändert. Aber das gilt nicht für unsere Gefühle. Und deshalb ist’s mir leicht gefallen, mich in Anna Kareninas emotionalen Zustand hineinzuversetzen.

Das ist Ihnen offensichtlich so gut gelungen, dass Kritiker Sie bereits zu den Oscar-Favoriten zählen. Wie wichtig ist Ihnen der Academy Award?
Natürlich wäre es fantastisch, wenn ich einen hätte. Doch das ist doch gar nicht die Frage, oder? Es ist eine riesige Ehre, wenn sie dir so etwas verleihen. Ich finde es überhaupt nicht schlecht, wenn solche Spekulationen aufkommen, denn das heißt, der Film hat den Zuschauern gefallen. Wenn ich einen bekomme, würde ich mich unglaublich freuen.

Und wenn Sie diese Auszeichnung nicht bekommen?
Dann ist das auch in Ordnung. Ich mache Filme wirklich nur für den Zuschauer, das ist wirklich der einzige Grund. Und damit möchte ich mich hier nicht als besonders bescheiden darstellen, weil es sich gut anhört. Menschen sollen ins Kino gehen und etwas fühlen. Deswegen stürze ich mich immer wieder vom Kliff, ohne zu wissen, wo ich unten ankomme.


Was denken Sie, wenn Sie das Ergebnis Ihrer Arbeit später auf der Leinwand sehen?
Ich finde mich schrecklich! Weil ich immer nur meine Fehler sehe. Oder ich erinnere mich daran, was ich damals in speziellen Szenen gedacht habe. Das ist richtig nervtötend. Die einzigen Filme, die ich ein bisschen genießen kann, sind die, in denen ich eine Nebenrolle spiele. Denn da gibt es genügend Passagen ohne mich.

Sie gehören zu den Schauspielerinnen, die nicht gern im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung stehen. Warum eigentlich nicht?
Ich werde nicht gern erkannt. Wenn ich zum Beispiel in einen Supermarkt gehe, dann mache ich das nicht als Schauspielerin Keira Knightley, sondern ich bin einfach nur jemand, der ein paar Lebensmittel kaufen will.

Wunderschön anzusehen: Keira Knightley in "Anna Karenina". Foto: dpa

Viele Ihrer Kollegen lieben die Aufmerksamkeit.
Ja, es ist bizarr, oder? Ich sollte mich inzwischen daran gewöhnt haben. Aber ich trenne meinen Beruf und mein Privatleben vollkommen von einander. Bei öffentlichen Auftritten spiele ich eine Rolle, dann bin ich die Schauspielerin. Aber das hat nichts mit dem anderen Teil meines Lebens zu tun. Wenn sich beides in solchen „Supermarkt-Momenten“ plötzlich vermischt, bin ich immer noch sehr verunsichert.

Sie sollten sich langsam daran gewöhnt haben.
Ich müsste langsam damit zurecht kommen ... (lacht). Aber ich werde nicht oft erkannt, weil ich privat nie so elegant herumlaufe wie heute, sondern fast immer ungeschminkt und gern in Jeans und T-Shirt.

Mit Fußball bringt man Sie nicht unbedingt in Verbindung. Doch Sie sollen ein leidenschaftlicher Anhänger dieses Sports sein.
(Lacht) Ja, das stimmt. Ich liebe Fußball wirklich sehr. Mein Herz schlägt für West Ham United. 2011 sind wir leider abgestiegen, doch nun spielen wir wieder in der Premier League. Das haben wir vor allem Andy Carroll zu verdanken, den wir für 1,5 Millionen Pfund von Liverpool ausgeliehen haben. Er spielt wirklich wie der Teufel, wir schlagen uns diese Saison sehr gut.

Das Gespräch führte Christian Aust.

Jetzt kommentieren

Ressort

Stars aus Film, Fernsehen und Sport - Interviews mit den ganz Großen, News über Leute in den Schlagzeilen.

Videonachrichten Leute
Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Videonachrichten Panorama
Kolumne
Tempo 30

Am Aschermittwoch 2009 wurde Sebastian Gehrmann 30. Alles war vorbei. Jetzt kann er darüber schreiben.

Quiz

Thomas Gottschalk übergibt "Wetten, dass..." an Nachfolger Markus Lanz. Testen Sie Ihr Show-Wissen!

Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!