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Promi-News und Interviews mit den ganz Großen

27. Dezember 2011

Kim Schmitz: Schwer reich

 Von Simon Hurtz
Dick im Geschäft: Kim Schmitz singt den „Mega-Song“, eine Lobeshymne auf seine Firma Megaupload.  Foto: youtube

Er ist ein Superhacker, Playboy und Hochstapler: Kim Schmitz ist zurück – mal wieder. Zurzeit ist bei ihm alles Mega. Mit 16 Tauschbörsen will er den Unterhaltungsmarkt im Internet revolutionieren.

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Er ist ein Superhacker, Playboy und Hochstapler: Kim Schmitz ist zurück – mal wieder. Zurzeit ist bei ihm alles Mega. Mit 16 Tauschbörsen will er den Unterhaltungsmarkt im Internet revolutionieren.

Lange Zeit hatte man nichts von ihm gehört, jetzt ist Kim Schmitz plötzlich wieder aufgetaucht, getreu seinem Motto: „Legenden schlafen vielleicht, aber sie sterben nie.“ Amerikanische Musikstars wie Alicia Keys und Kanye West singen und rappen gemeinsam in einem Video und zwischen all den Schönen und Reichen sieht man für wenige Sekunden einen übergewichtigen Deutschen in schwarzem Schlabberpullover und mit Kopfhörern auf den Ohren: Kim Schmitz.

Der „Mega Song“ ist eine Lobeshymne auf den umstrittenen One-Click-Hoster Megaupload, Geschäftsführer: Kim Schmitz. Auf der Seite tauschen täglich rund 50 Millionen Menschen Dateien, die wenigsten davon sind legal. Deshalb wird die Musikindustrie nicht müde, Schmitz mit Klagen zu drohen und folgerichtig verschwand der „Mega Song“ auch schnell wieder bei dem Vi-deoportal Youtube.

Universal, eines der größten Plattenlabels, wollte dem gelungenen PR-Coup seines Lieblingsfeindes Einhalt gebieten.

Großspurige Ankündigungen

Das Problem: Universal hatte keinerlei Rechte an dem Video und Schmitz zog vor Gericht. Längst steht der Song wieder online und der große Gewinner ist Megaupload, das sich in der öffentlichen Wahrnehmung von der illegalen Tauschbörse zum rechtmäßigen Kläger gewandelt hat.

Zur Person

Kim Schmitz wurde 1974 in Kiel geboren und bezeichnet sich selbst als Unternehmer und Hacker. Andere sehen in ihm einen Kriminellen und Hochstapler.

Unter dem Pseudonym Kimble machte er während der Zeit der New Economy mit windigen Geschäften Millionen und wurde mehrfach wegen Betrugs verurteilt.

Der „Mega Song“ vermischt schwer erträgliche Musik mit einem billig produzierten Video, trotzdem wurde er millionenfach geklickt. So funktioniert vieles im Leben des 37-jährigen Schmitz: Die Qualität ist egal, solange der Profit stimmt. Zurzeit ist bei ihm alles Mega: Ihm gehören Megaupload, Megavideo, Megarotic, Megaporn und 15 andere Mega-Ableger. Mit diesem Imperium will er den Unterhaltungsmarkt im Internet revolutionieren.

Mit großspurigen Ankündigungen hat Kim Schmitz Erfahrung. In den 90er Jahren behauptete er, in die bestgeschützten Computer eindringen zu können und ließ sich als genialer Hacker feiern: „Ich bin klüger als Bill Gates. Ich werde einer der reichsten Männer der Welt.“ Er gründete die IT-Firma Data Protect, die er zu 80 Prozent an den TÜV Rheinland verkaufen konnte, bevor sie wenig später pleiteging.

Schöne Frauen, schnelle Autos

Nun hatte Schmitz Geld und gab es großzügig aus. Auffällig war er mit seinen zwei Metern und 150 Kilo schon immer – jetzt war er es auch wegen seiner Skandale. Schmitz liebt schöne Frauen und schnelle Autos: Er nahm an einem illegalen Autorennen teil und feierte berüchtigte Partys. Bei einem Kurztrip mit 15 Freunden zum Formel-1-Grand-Prix nach Monaco mietete er einen Hubschrauber, damit ein Kamerateam die 15 Ferraris, mit denen sie unterwegs waren, auch filmen konnte.

Nach dem 11. September 2001 schrieb Schmitz viele offene Briefe, einen „an die Welt“ und einen „an die Regierungen“. Er stellte eine eigene Anti-Terror-Truppe auf und setzte zehn Millionen Dollar auf den Kopf Osama bin Ladens aus. Dem kriselnden Internethändler Letsbuyit.com versprach Schmitz 50 Millionen Euro und sorgte damit für den größten Tagesumsatz in der Geschichte der Frankfurter Börse.

Doch so viel Geld hatte er niemals besessen, geschweige denn investieren wollen. Ihm ging es darum, seine Anteile gewinnbringend zu verkaufen. Schmitz floh nach Thailand: „Der 500-Millionen-Euro-Mann hat Deutschland satt.“ Auf seiner Webseite kündigte er seinen Tod an. Am 21. Januar 2002, seinem 28. Geburtstag, wollte er live im Internet sterben. Doch der Computerfreak vergaß, dass die Polizei unverschlüsselte IP-Adressen zurückverfolgen kann. Seinen Selbstmord hatte er aus einem Hotel in Bangkok verkündet, wo er kurz darauf gefasst und verurteilt wurde.

Fakten und Erfindungen lassen sich kaum trennen

Nicht seine erste Begegnung mit dem Richter, bereits vier Jahre zuvor erhielt Schmitz eine Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Unter anderem hatte er über gehackte Telefonkarten per Dauerwahlautomatik bei Talklines angerufen, die er zuvor eigens dafür gegründet hatte, und so zwei Millionen Dollar gemacht.

An Kim Schmitz’ Legende haben auch die Medien mitgestrickt. Die BBC behauptete, er habe das Kreditlimit von Bundeskanzler Kohl mit einem Hack auf null gesetzt und Bild schrieb, Schmitz habe 20 Millionen Mark von einem Bankrechner auf ein Greenpeace-Konto transferiert – beide Geschichten stellten sich als falsch heraus, wie auch Berichte, dass Schmitz in die Computer der Nasa und des Pentagons eingedrungen sei. Mittlerweile finden sich im Internet so viele Gerüchte, dass sich Fakten und Erfindungen kaum noch trennen lassen.

Beeindruckende Hartnäckigkeit

Das Rätselraten beginnt bereits bei seinem Namen: Geboren wurde er als Kim Schmitz, zwischenzeitlich nannte er sich Dr. Kimble oder Seine Königliche Hoheit König Kimble der Erste. Als Kimvestor herrschte er über den Internetkonzern Kimpire, im Handelsregister von Hong Kong kennt man ihn als Kim Tim Jim Vestor und heute spricht er von sich selbst als Kim Dotcom. So lang wie die Liste seiner Namen ist auch die Aufzählung der von ihm gegründeten Unternehmen und deren Pleiten.

Doch so zwielichtig viele seiner Geschäfte sein mögen, so beeindruckend ist die Hartnäckigkeit von Schmitz, der stets neue Ideen entwickelt und dafür willige Investoren findet. Ob er mit seinem Mega-Projekt „die Musik für immer verändern wird“, wie er verspricht, darf man bezweifeln, erfolgreich ist er damit trotzdem. Selbst wenn ein Richter Megupload für illegal erklären sollte, ist eines sicher: Die Geschichte des Stehaufmännchens Kim Schmitz ist damit nicht zu Ende erzählt.

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