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24. Januar 2013

Koscher kochen: Liebling der Gourmets

 Von Inge Günther
Tom Franz würde in Tel Aviv gerne eine Reibekuchen-Bude aufmachen. „Schicke Rievkooche“ nennt er das traditionelle Gericht.  Foto: Privat

Der Deutsche Tom Franz will mit koscherem Essen zum Meisterkoch Israels werden. Bekannt wie ein bunter Hund ist er bereits - vor allem durch eine Fernseh-Kochshow. Seine Liebe zu Israel geht soweit, dass er zum Judentum konvertiert ist.

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Der Deutsche Tom Franz will mit koscherem Essen zum Meisterkoch Israels werden. Bekannt wie ein bunter Hund ist er bereits - vor allem durch eine Fernseh-Kochshow. Seine Liebe zu Israel geht soweit, dass er zum Judentum konvertiert ist.

Tom Franz kann umwerfend kochen, und wenn er will, ebenso lächeln. Nicht nur die Frauen drehen sich in Israel nach dem Hünen mit dem krausen, blonden Zopf um. Selbst ein paar Männer, die am Gartencafé vorbeischlendern, in dem Tom Franz in der Tel Aviver Mittagssonne einen Espresso trinkt, führen die Finger nach Art von Gourmets zu den Lippen und geben mit leuchtenden Augen einen Schmatzlaut von sich. Ganz offensichtlich läuft ihnen beim Gedanken an seine Kochkünste das Wasser im Mund zusammen. Tom Franz freut das. Ach was, lästig sei das überhaupt nicht, in Israel inzwischen bekannt zu sein wie ein bunter Hund. „Die Reaktionen sind alle supernett, voller Liebe und Hochachtung.“

Über mangelnde Publikumsgunst kann sich der 39-Jährige aus Erftstadt bei Köln wahrlich nicht beklagen. Die Israelis mögen diesen 1,95 Meter langen, schlaksigen Deutschen, der es als einziger Mann neben zwei Frauen – einer marokkanischen Jüdin und einer arabischen Muslima – beim Fernseh-Kochwettbewerb MasterChef bis ins Finale geschafft hat.

Von Köln nach Tel Aviv

Tom Franz wurde 1973 in Köln geboren und ist mit einem jüngeren Bruder in Erftstadt aufgewachsen. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

Nach seinem Zivildienst in Israel kehrte Franz zunächst nach Deutschland zurück, studierte Jura in Köln und arbeitete als Anwalt in einer internationalen Kanzlei. Als Anwalt ist er in Israel nicht zugelassen.

Er hat keine abgeschlossene Kochausbildung. In der TV-Show „MasterChef“ treten nur Hobbyköche auf.

1997 beschloss Tom Franz, zum Judentum zu konvertieren.

Ausgestrahlt wird die Show am 29. Januar und wahrscheinlich werden wieder eine Million Zuschauer die alles entscheidende Küchenschlacht verfolgen. Das in Großbritannien entwickelte Format hat es in Israel zur erfolgreichsten Castingshow von Keshet, dem zweiten Fernsehkanal, gebracht. Derzeit läuft bereits die dritte Staffel. Dem Sieger winken 200.000 Schekel, umgerechnet rund 40.000 Euro.

Was Tom Franz damit anfängt, falls er gewinnt? Da hat er, der ausschließlich koscher kocht, fließend hebräisch spricht und sich in der israelischen Gesellschaft rundum integriert fühlt, eine doch eher rheinländisch inspirierte Idee. Sein großer Traum sei es, erzählt er, einen eigenen Laden aufzumachen: eine Reibekuchen-Bude in Tel Aviv. Tom Franz grinst. „Schicke Rievkooche“ schweben ihm vor, feine gebratene Kartoffelpuffer, so wie sie nur von Rheinländern gemacht werden können.

Poesie für den Gaumen

Mit seinen Reibekuchen hat er bereits in einer der frühen MasterChef-Runden geglänzt. Neben selbst gemachtem Apfelmus servierte er dazu einen Sirup aus eingekochter Roter Bete. Die Knollen sind aus der jüdischen Küche nicht wegzudenken und haben sich längst unter die Mezze, die orientalischen Vorspeisen, geschlichen. Jedenfalls hat einer der Juroren, selbst ein Starkoch, nach dem Verzehr geschwärmt, so etwas könne er jeden Abend verdrücken. Dass Tom Franz seinen Rievkooche außerdem einen hebräischen Namen verpasste – ugot grida – und die Kombination von Himmel und Erde, sprich: Apfel und Kartoffel, pries, kam bei den Zuschauern bestens an. Nicht nur das Auge isst mit, auch Poesie steigert die Gaumenfreuden.

Den Sinn für Marketing hat er seiner Frau Dana (35) zu verdanken, die jahrelange PR-Erfahrung hat. Insofern ist das Paar auch, was das Kochen angeht, ein gutes Team. „Dana“, sagt Tom, „hat als Erste mein Talent richtig gewürdigt“ – sein Händchen dafür, deutsche und mediterrane Küche kreativ zu mixen. Kennengelernt haben sich die beiden vor sechs Jahren. Es war im Juni. Sie saß auf einer Bank in Tel Aviv, er lief mehrere Male vorbei. „Bis ich den Mut fasste, sie anzusprechen“, erzählt Franz. Dana rückte ihre Telefonnummer raus, das reichte, um sich am nächsten Tag zu verabreden. Inzwischen sind sie seit zwei Jahren verheiratet, das erste Kind meldete sich auch alsbald an, ein Sohn, inzwischen elf Monate alt.

Zu Israel allerdings fühlt sich Tom Franz bereits viel länger hingezogen. Schon sein erster deutsch-israelischer Schüleraustausch begeisterte ihn. Viele Besuche folgten. Auch seinen Zivildienst leistete er in Tel Aviv, als Zivi der Aktion Sühnezeichen in einem Altersheim für Holocaust-Überlebende. Begegnungen mit den Menschen und dem Land weckten bald sein Interesse am Judentum. „Ursprünglich war das irrational“, erzählt Tom Franz. „Ich hatte noch wenig Verständnis, aber folgte blind den jüdischen Geboten.“

1997 beschloss er, richtig zu konvertieren und zwar in Israel. Es war ein langer Prozess bis zur Anerkennung durch das Rabbinat. Eine koschere Küche zu führen, Milchiges und Fleischiges streng zu trennen, ist ihm heute eine Selbstverständlichkeit. Auch wenn bei ihm nicht auf jeder Packung ein Kaschruth-Stempel drauf sein muss. In Israel fällt ihm das leicht. Nur beim Urlaub auf Sylt keine Nordseekrabben essen zu dürfen – die jüdischen Speisevorschriften verbieten den Verzehr von Schalentieren – das, gibt Tom Franz offen zu, sei hart gewesen.

Kürzlich war er mal wieder in Deutschland. Das Team von MasterChef hat einen Film im Hause seiner Eltern gedreht. Umso mehr fiebert die Familie in Erftstadt jetzt beim Finale mit. Tom Franz ist ehrgeizig. „Das ist wie beim Sport“, sagt er, „wenn man so weit gekommen ist, möchte man auch auf den ersten Platz.“ Und wenn’s nicht klappt? „Das Land ist zu klein, als dass man schnell in Vergessenheit gerät“, erwidert er lächelnd. Bei seinem Bekanntheitsgrad könnte es mit der Reibekuchenbude in Tel Aviv auch ohne MasterChef-Titel was werden.

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