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Promi-News und Interviews mit den ganz Großen

23. Dezember 2011

Krimiautor: Risse in der Fassade

 Von Petra Pluwatsch
Ein Meister der Spannung: Horst Eckert. (Archivbild von 2010)  Foto: Michael Schick

Horst Eckert will mit seinen Kriminalromanen Misstrauen in der Gesellschaft schüren. Lug und Trug sowie die dunklen Seiten des Lebens gehören zu seinen typischen Themenfeldern.

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Düsseldorf –  

Privat bin ich ein sehr vertrauensseliger Mensch“, sagt Horst Eckert. „Als Krimiautor hingegen gehe ich grundsätzlich von dem schlimmsten aller möglichen Fälle aus.“

Wir schauen über die Dächer von Düsseldorf. Wolkenfetzen jagen über einen weißblauen Himmel, auf der üppig begrünten Terrasse vor der Küche zanken sich zwei wilde Papageien.

Der elefantenköpfige Hindugott Ganescha, Beschützer der Dichter, Denker und Schreiberlinge, lächelt sanft hervor.

Kurz vor Beginn der weltweiten Wirtschaftskrise hat das Ehepaar Eckert die großzügig geschnittene Penthouse-Wohnung im Süden der Stadt gekauft. „Alle unsere Ersparnisse stecken in dieser Wohnung“, sagt Eckert. „Immer noch besser, als das Geld in dubiose Fonds zu investieren, die irgendwann baden gehen.“

Womit wir – bei Käsekuchen und brandheißem Cappuccino mit Schaumhäubchen – auch schon beim Thema sind: bei der nicht enden wollenden Weltwirtschaftskrise und Eckerts vor kurzem erschienenem Kriminalroman „Schwarzer Schwan“.

Profitgeile Banker

Der spielt im Milieu profitgeiler Banker, Zocker und Politiker, die aus der Not der anderen den für sie größtmöglichen Profit zu schlagen versuchen. Eckert entwickelte den Plot zu Beginn der Bankenkrise 2009. Hanna, eine junge Düsseldorfer Investment-Bankerin, bereitet den ersten großen Deal ihrer Karriere vor.

Doch kurz vor dem Abschluss platzt das Geschäft: Der Bankvorstand hat sein Veto gegen die Vergabe eines Millionenkredits an einen Kali-Produzenten eingelegt. Dass die Herren aus der Vorstandsetage nicht ganz uneigennützig handeln, ist offensichtlich. Dennoch dauert es eine Weile, bis Hanna die politischen Hintergründe dieser für sie überraschenden Entscheidung durchschaut.

Kenntnisreich schildert Eckert in seinem nunmehr elften Kriminalroman die Verflechtung von wirtschaftlichen und politischen Interessen in einem vereinigten Deutschland, das so korrupt und moralisch verwahrlost ist, dass es einen das Grausen lehrt. Da wird gelogen und betrogen.

Kleine Risse, überall

Selbst bei der Polizei findet sich kaum einer, der keinen dunklen Flecken auf seiner vorgeblich weißen Weste hätte. „Nur über gute Menschen zu schreiben ist langweilig“, sagt Eckert. Und wer ist schon per se ein guter Mensch? Kleine Risse zeigen sich erfahrungsgemäß in jeder noch so glatten Fassade. Man muss nur genau hinschauen.

Eckert, Jahrgang 1959, kennt sich aus mit den dunklen Seiten des Lebens. Der studierte Politologe hat – rein literarisch – schon in manchen politischen Abgrund geschaut. Er startete 1995 seine Karriere als einer der erfolgreichsten Krimiautoren Deutschlands mit „Annas Erbe". Da war der Oberpfälzer noch fest angestellter Nachrichtenredakteur beim Fernsehsender Vox und hatte keine Ahnung, „dass das Schreiben von Krimis so viel Spaß machen kann.“

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