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Kurt Krömers Reisebericht über Afghanistan

Nichtz witzig: Kurt Krömer war in Afghanistan. Foto: Peter Steffen
Nichtz witzig: Kurt Krömer war in Afghanistan. Foto: Peter Steffen
Berlin –  

Die meisten kennen Kurt Krömer als Komiker und Late-Night-Talker. Nun hat der 38-jährige Berliner ein Buch geschrieben - über Afghanistan.

In «Ein Ausflug nach wohin eigentlich keiner will. Zu Besuch in Afghanistan» berichtet Krömer von seinen Reisen an den Hindukusch. Zweimal flog Krömer in das kriegsgebeutelte Land: einmal zu Auftritten für die Bundeswehr, kurz darauf privat.

2012 lädt die Bundeswehr den bekennenden Pazifisten und Wehrdienstverweigerer zur Truppenunterhaltung ein. Krömer sagt zu und fliegt mit einem Kamerateam nach Afghanistan, um den Besuch zu filmen. Ausschnitte davon zeigte er bereits 2012 in seiner Late-Night-Show.

Im Buch erzählt Krömer von Gesprächen mit Soldaten und beschreibt teils ironisch den Alltag im Militärcamp. Die Bundeswehr und den Einsatz sieht Krömer kritisch - von der Offenheit der Soldaten zeigt er sich jedoch beeindruckt. Ergänzt werden Krömers Berichte von Erzählungen des Journalisten Peter Kümmel. Er begleitete Krömer auf seiner Tour und schrieb für das «ZEIT-Magazin» eine Reportage. darüber.

Der Leser erlebt den Entertainer von einer neuen, ernsten Seite, und erfährt in den tagebuchähnlichen Berichten Details aus dessen Leben. Denn in Exkursen erzählt Krömer von seiner Vergangenheit: von Tellerwäscherjobs und ersten Auftritten oder von seiner Wehrdienstverweigerung.

Nach wenigen Tagen endet Krömers Engagement für die Bundeswehr in Afghanistan. «Das war für mich wie ein Robinson-Club in der Türkei, wo man nach drei Wochen zurückkommt und keinem sagen kann, du hast was von den Menschen oder was vom Land gesehen», sagt Krömer der Nachrichtenagentur dpa. «Deshalb habe ich zum Entsetzten aller gesagt, ich will in den zivilen Teil Afghanistans und die Leute kennenlernen.»

Anfang 2013 fliegt Krömer deshalb ein zweites Mal an den Hindukusch. Er reist nach Kabul und trifft unter anderem Sibghatullah Modschaddedi, der 1992 erster Präsident des islamischen Staates Afghanistan war. Bei seinem zweiten Besuch verliert Krömer die ironische Distanz, die er während seiner Reise mit der Bundeswehr teilweise noch gezeigt hat. Nachdenklich und emotional erzählt der Berliner von den Spuren, die der Krieg im Land hinterlassen hat und von Gesprächen mit den Menschen in Afghanistan.

«Es war von Anfang an klar, dass das kein Schenkelklopfer-Buch wird. Wer viel lachen möchte, dem würde ich sagen, lies das Buch nicht», sagt Krömer. Als Afghanistan-Experte oder Kriegsberichterstatter sehe er sich nicht. «Ich bin kein Hemingway und kein Peter Scholl-Latour. Ich bin ein Arbeiterkind aus Berlin-Neukölln, das durch einen dummen Zufall ins Showbiz reingerutscht ist.»

Den Intellekt, um den Krieg oder das Land wissenschaftlich zu erklären, habe er nicht. Sein Buch sei kein politisches oder journalistisches Werk, sondern ein Erfahrungsbericht. «Ich kann mich der Sache nur mit Emotionen nähern. Da habe ich meine Stärke gesehen. Ich bin sensibel genug, meinem Gegenüber zuzuhören, das aufzusaugen und wiederzugeben», sagt Krömer.

Kurt Krömer, Tankred Lerch: Ein Ausflug nach wohin eigentlich keiner will. Zu Besuch in Afghanistan. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln, 192 S., 9,99 Euro, ISBN 978-3-462-04536-9 (dpa)