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Lana Del Rey: „Ich bin eine sehr moderne Frau!“

Die 25-jährige US-Sängerin Lana Del Rey feiert gerade einen riesigen Erfolg mit dem Youtube-Hit „Video Games“. Doch sie kann nicht nur toll singen, sie schluchzt auch herzerweichend – vor Glück.

Lana Del Rey.
Lana Del Rey.
Foto: dpa

Soho-House, Berlin-Mitte, eine Lounge im dritten Stock. In einem kurzen, weißen Kleid und roten Chucks kommt Lana Del Rey federnden Schrittes auf das große Landhaus-Sofa gehüpft, hinter ihr sitzt ihre Entourage, die auf die Weiterreise wartet. Die 25-jährige US-Sängerin ist seit ihrem Youtube-Hit „Video Games“ der große Pop-Hype, obwohl ihr Debütalbum erst Ende Januar erscheint. Lana Del Reys Haare sind in Wasserwellen gelegt, ihre roten Fingernägel sind zu spitzen Schaufeln gefeilt und unter dem geschwungenen Lidstrich kleben falsche Wimpern, von denen man ein metallenes Geräusch erwarten würde. Pling pling. Doch nichts ist zu hören.

Tragen Sie die Wimpern auch privat?

Ja, jeden Tag, seit der Highschool. Meine Freundinnen und ich haben immer falsche Wimpern getragen. So ist das dort, wo wir herkommen.

Aus dem Land der endlosen Wimpern. Haben Sie auch einen extra Nageldesigner mit auf Tour?

Nein, die hier habe ich mir in Amsterdam machen lassen. Manchmal habe ich drei Auftritte lang dieselben Nägel.

Im Gegensatz zu früheren Auftritten, die man bei Youtube anschauen kann, wirken Sie neuerdings etwas cooler auf der Bühne.

Ich war immer cool! Aber ich bin keine Exhibitionistin und war drei Jahre lang nicht mehr auf der Bühne, es ist für mich wieder neu.

Schauen Sie deshalb immer so ernst, wenn das Publikum applaudiert?

Ich weiß nicht, was Sie meinen. Wenn das Publikum applaudiert, schaue ich es an und lächle. Ich bin kein geborener Performer, ich finde gerade erst meinen Weg.

Ist die Bühne ein Ort, den Sie mögen?

Es wird immer mehr mein Ort. Es ist jedenfalls nicht der Ort, an dem ich mich am Wohlsten fühle.

Zur Person

Lana Del Rey wurde als Elizabeth Grant in der Stadt New York geboren, aufgewachsen ist sie in Lake Placid im Bundesstaat New York. Ihr Künstlername setzt sich aus dem Namen der US-amerikanischen Schauspielerin Lana Turner und dem Mittelklassewagen Ford Del Rey zusammen.

Ihr Titel „Video Games“ erreichte bei Youtube innerhalb eines Monats über eine Million Aufrufe. Sie steht bei der Plattenfirma Universal unter Vertrag. Ihre Produzenten sind Eg White, Guy Chambers sowie Robopop. Ihr Debütalbum „Born To Die“ kommt in Deutschland am 27. Januar auf den Markt.

Wann standen Sie das erste Mal auf der Bühne?

Ich glaube mit achtzehn bei einer Open-Mike-Nacht in Brooklyn. Ich habe den Song „Punch Up Blues“ gesungen und mich auf der Gitarre begleitet. Das Video kursiert gerade im Internet.

Sie spielen Gitarre? Mit den Nägeln?

Nicht mehr, ich war nie besonders gut darin. Mein Onkel Tim hat mir sechs Akkorde beigebracht und damit habe ich mein erstes Album geschrieben.

Vor wenigen Jahren gab es schon einmal den Versuch einer Karriere – und nichts ist passiert. Was lief falsch?

Nichts lief falsch! Ich war bei einem Independent-Label, das niemand anderen unter Vertrag hatte als mich. Ich hatte nie Ambitionen ein Popstar zu werden, ich wollte eine Musikerin sein, die durch Nordamerika touren kann. Aber es ist nicht so, dass damals alles daneben ging und jetzt alles gut läuft.

Ich las, das Marketing hat nicht richtig funktioniert, anders als jetzt bei Universal...

Finden Sie das wirklich intelligent, mich das zu fragen? Bei dem Independent Label gab es nur eine Person, und das war der Typ, dem das Label gehörte. Da gab es kein Marketing-Schema, und das gibt es jetzt auch nicht. Ich bin die Person, die die Verantwortung hat. Ich schreibe meine Songs, ich mache meine Videos. Ich steuere alles.

„Video Games“ hat bei Youtube Abermillionen von Klicks, und Sie stehen im Rampenlicht. Wie fühlt sich das an, wo Sie doch kein Popstar sein wollten?

Auch wenn viele Menschen mit mir reden wollen, das macht einen kleinen Teil meiner Arbeit aus. Das meiste ist immer noch Songs schreiben und singen.

Aber gefällt es Ihnen?

Was genau?

Na, der Erfolg?

Natürlich ist es schön, das eigene Lied im Radio zu hören, das war ein Mädchentraum von mir.

In ihren Liedern und vor allem dem Clip zu „Video Games“ zitieren Sie einen alten Hollywood-Glamour, warum?

Ich bin eine sehr moderne Frau. Aber ich bewundere das Beste, was Hollywood zu bieten hatte, und suchte nach altem Filmmaterial. Als ich Super-8, Film und Sommer eingab, war Hollywood das Thema, das am häufigsten auftauchte. Das meiste in den Fünfzigern wurde in Kalifornien gedreht. Und so wurde mir diese Art der Kultur sehr vertraut. Auch wenn ich nicht aus Kalifornien stamme, ich war noch nicht einmal dort. Ich benutzte die Bilder, weil ich sie schön fand. Das war’s.

In Ihrer Show projizieren Sie Kennedy und Elvis auf die Bühne, sind das Helden ihrer Vergangenheit?

Elvis ist mein Lieblingsmusiker. Ich mag es, wie er singt, und ich finde, er hat ein schönes Gesicht. Und wenn JFK lächelt, bin ich derart vom Blitz getroffen von dem Optimismus dieser Zeit.

Glauben Sie, in Zeiten der Krise funktioniert Nostalgie besser?

Es gab schon immer Krisen, politische, finanzielle. Das ist nichts Neues. Aber trotzdem: ja.

Zum Teil erinnern Ihre Videos auch an Zeiten, in denen Sie Ihre Kindheit verbracht haben dürften. Welche Szene aus Ihrem Leben kommt Ihnen da in den Sinn?

Von meiner Kindheit? (Sie schaut zu ihrem Stylisten. Stille. Plötzlich kullern unter den falschen Wimpern echte Tränen hervor.) Oh mein, Gott ist das absurd. (Sie schluchzt. Was ist los, fragt der Stylist.) Nichts. (Sagt sie und streicht sich die Tränen weg.)

Entschuldigen Sie, ich wollte ...

Nein, schon gut. Es ist tatsächlich sehr schön. Ich liege auf meinem Rücken im Meer. Oh Gott, das ist so verrückt. (Noch mehr Tränen)

Verzeihen Sie ...

Ich bin nicht sauer, ich weine, weil ich es mag. Ich liege im Meer mit meinen Vater. In Florida. Ich denke, ich war fünf Jahre alt. Jedes Mal wenn wir ins Wasser planschen, sagt er: Ist das Leben nicht schön? (Das ist wunderschön, ruft der Stylist, das sind Tränen des Glücks! Sie hat sich wieder gefasst und lächelt ihr Lana-Del-Rey-Lächeln.)

Waren Sie ein ruhiges oder eher lebhaftes Kind?

Meine Mutter sagte mir, als Kind habe ich mich so verhalten, als sei ich schon erwachsen. In der Highschool war ich sehr ruhig und sprach mit kaum jemandem. Ich habe viel über die Geschichte musikalischer Genres gelernt, und mich für Philosophie interessiert.

Sie spielen gerne mit Erinnerungen. Feiern sie die Vergangenheit, oder wollen Sie sie dekonstruieren?

Ich feiere sie. Für mich ist die Vergangenheit ein glücklicher Ort. Ich bin nicht daran interessiert, Dinge zu dekonstruieren. Ich bin sehr zufrieden damit, wie alles ist. Ich reflektiere die besten Dinge aus meinem Leben. Und ich ende meistens dabei, über Liebe zu schreiben.

Ist Glück etwas, was nur in der Vergangenheit existiert?

Nein, ich bin auch jetzt sehr glücklich.

Wirklich? Das ist schön.

Oder weine ich etwa? Soll ich?

Nein, bitte nicht!

Es ist so: Als ich gerade an meinen Vater dachte, war ich glücklich. Ich bin immer glücklich, ich bin nicht oft traurig.

Das Interview führte Silke Janovsky.

Datum:  26 | 12 | 2011
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