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14. Januar 2013

Marion Cotillard: „Ich bin total schüchtern“

Marion Cotillard bei der Verleihung der Golden Globe-Awards in L.A. Foto: REUTERS

Oscar-Gewinnerin Marion Cotillard über ihre Schüchternheit, Mülltrennung und ihre Rolle als Beinamputierte in „Der Geschmack von Rost und Knochen“.

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Seit ihrem Oscargewinn für „La Vie en Rose“ ist Marion Cotillard zu einer der erfolgreichsten europäischen Schauspielerinnen avanciert. Nun hat sich die 37-jährige Französin eine neue Herausforderung gesucht. Im Film „Der Geschmack von Rost und Knochen“ von Jacques Audiards spielt sie eine gebrochene Frau, die bei einem Unfall beide Beine verliert.

Welche Rolle war eigentlich schwieriger – Ihre Edith Piaf oder jetzt die beinamputierte Stephanie in „Der Geschmack von Rost und Knochen“?

Die beiden Charaktere lassen sich nicht vergleichen. In jedem Fall war meine Herangehensweise anders. Bei Edith Piaf musste ich jeden Winkel ihrer Persönlichkeit erkunden, Stephanie dagegen war mir ein Rätsel. Ich habe sie nicht sofort verstanden. Aber es war auch nicht notwendig, alles an ihr zu analysieren. Dieses Mysterium hat dieser Rolle einen besonderen Reiz gegeben.

Aber es ging doch es auch um rein physische Herausforderungen. Wie spielt man eine Figur, die mit einem solchen Handicap zurechtkommen muss?

Ich finde es nicht so interessant, über die technischen Aspekte dieser Rolle zu sprechen. Ich zeige, wie eine Person durch einen dramatischen Unfall herausfindet, wie tief ihre Liebe zum Leben überhaupt ist. Aber ich habe keine Ahnung, wie sich ein Leben als Amputierter anfühlt. Was ich kenne, ist ein Gefühl des Verlusts, des Schmerzes. So kann ich eine Brücke zu dieser Person herstellen und ihre Emotionen authentisch vermitteln. Letztlich ist es beim Drehen so, als würde ein anderes Wesen meinen Körper mit mir bewohnen und sich danach wieder verabschieden.

Sie haben diesen Film gedreht, nachdem Sie Mutter wurden. Wie funktioniert das, wenn ein anderes Wesen Ihren Körper bewohnt und Sie sich gleichzeitig um Ihren Sohn kümmern?

Ich nehme diese andere Person ja nicht mit nach Hause. Früher, etwa bei „La Vie en Rose“, habe ich das getan, was für meine damalige Beziehung nicht gut war. Aber gerade wegen meines Sohnes ist das nicht mehr möglich. Es war ein organischer Prozess, am Ende eines Tages aus dieser Rolle hinauszuschlüpfen und sie am nächsten Tag wieder anzulegen.

Und das klappt so einfach?

Das ist natürlich. Ich habe keine andere Wahl, denn da gibt es dieses menschliche Wesen, das ich mehr als alles andere in der Welt liebe und das mich braucht.

Wie sehr haben Sie sich durch die Mutterschaft verändert?

Das ist schwer zu beurteilen. Ich kann nur sagen, dass ich, seit ich Mutter bin, noch emotionaler bin. Ich habe eine extreme Sensibilität gegenüber anderen Menschen, das hat sich noch verstärkt.

Macht Sie das nicht sehr verletzlich?

Zum Glück kann ich über meine Reaktionen lachen, das schafft eine gewisse Balance. Extrem verletzlich war ich als Mädchen. Da dachte ich, Menschen würden sich immer korrekt und logisch verhalten. Dann merkte ich, dass dem nicht so ist. Das nahm mir jede Freude am Leben und mir fiel es schwer, normale Beziehungen aufzubauen. Ich hatte Angst, das Falsche zu sagen, dass die Leute schlecht von mir denken würden.

So gesehen haben Sie sich damals den falschen Beruf ausgesucht.

Nein, innerlich war ich total unruhig. Es gab so viele Dinge, die ich loswerden wollte, doch ich hatte keine Ahnung, wie ich mich ausdrücken sollte. Erst die Schauspielerei half mir dabei. Dank ihr verstehe ich besser, wie Menschen ticken. Ich wüsste nicht, was ich ohne sie tun sollte. Aber selbst jetzt gibt es immer wieder Momente, in denen ich nicht weiß, was ich sagen soll. Deshalb fallen mir auch Interviews schwer.

Sie wirken doch jetzt sehr gesprächig und lebendig.

Weil ich hier über einen Film spreche, den ich sehr mag. Aber sobald ich in mein normales Leben zurückkehre und ich mich unter unbekannten Leuten wiederfinde, dann werde ich sofort wieder total schüchtern. Ich weiß nicht, was ich tun, mit wem ich sprechen soll. Ich wünschte, ich könnte einen Tag erleben, an dem ich mich selbstsicher fühle. Aber das passiert bestenfalls dann, wenn ich spiele. Deshalb ist dieser Beruf eben so wichtig für mich.

Besprechen Sie solche Herausforderungen auch mit Ihrem Partner, Regisseur und Schauspielkollegen Guillaume Canet?

Natürlich frage ich den Menschen, den ich liebe, um Rat. Aber in der Regel komme ich selbst ganz gut damit zurecht. Ich schaffe mir meine eigene kleine Welt, in der setze ich mich dann damit auseinander.

Letztlich würde das aber bedeuten, dass Sie ohne die Schauspielerei keine persönliche Erfüllung finden würden.

Könnte ich nicht mehr spielen, dann wäre ich natürlich sehr unglücklich. Aber ich definiere mich nicht als die Schauspielerin Marion Cotillard. Mein ganzes Denken richtet sich auf mich als menschliches Wesen. Und ich möchte einfach nur als Person glücklich sein – wie jeder von uns.

Und gibt es bei all Ihrem Erfolg etwas, was Sie unglücklich macht?

Ja, zum Beispiel, wenn die Leute ihren Müll nicht trennen. Meine Eltern und Großeltern haben mir Respekt vor der Umwelt beigebracht. Und ich will mich nicht manipulieren lassen. Ich möchte wissen, ob ein Kleid durch Kinderarbeit hergestellt wurde, wie lange die Transportwege für einen Artikel waren oder ob sich irgendwelche barbarischen Zusatzstoffe in einer Gesichtscreme befinden. Wenn man sich das bewusst macht, handelt man auch verantwortungsvoll. Mülltrennung gehört da auch dazu. Und das ist ein Weg, Liebe zu zeigen – gegenüber sich selbst und der ganzen Welt.

Das Interview führte Rüdiger Sturm.

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