Aktuell: Fußball-EM 2016 | Brexit | HIV und Aids | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Leute
Promi-News und Interviews mit den ganz Großen

16. März 2012

Michelle Yeoh im Interview: "Jeder kleine Tropfen kann helfen"

Aung San Suu Kyi ist ihre Heldin: Michelle Yeoh.  Foto: afp/TIZIANA FABI

Schauspielerin Michelle Yeoh über Mut und innere Stärke der birmanischen Politikerin Aung San Suu Kyi und was sie dabei empfunden hat, in die Rolle der Friedensnobelpreisträgerin zu schlüpfen.

Drucken per Mail

Schauspielerin Michelle Yeoh über Mut und innere Stärke der birmanischen Politikerin Aung San Suu Kyi und was sie dabei empfunden hat, in die Rolle der Friedensnobelpreisträgerin zu schlüpfen.

Normalerweise ist Michelle Yeoh vor allem für ihre schlagkräftigen Auftritte in Actionfilmen bekannt, unter anderem als Bondgirl an der Seite von Pierce Brosnan in „Der Morgen stirbt nie“. Mit ihrem Auftritt in „Die Geisha“ machte sie sich auch einen Namen als Charakterdarstellerin. Doch die 49-jährige Schauspielerin wartet nicht mehr darauf, dass ihr Regisseure hochwertige Hauptrollen anbieten, sondern ergreift selbst die Initiative. Als sie das Drehbuch zu „The Lady“ über die birmanische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi liest, fragt sie Regisseur Luc Besson, ob er Regie führen will. Michelle Yeoh erzählt, warum sie sich so für dieses Projekt eingesetzt hat.

Dieses Projekt ist für Sie viel mehr als eine weitere Rolle geworden. Wie kann man sich als Schauspielerin von so einer intensiven Erfahrung wieder verabschieden?

Ich wollte mich gar nicht verabschieden. Im Gegenteil. Ich würde gern mit der Rolle verschmelzen. Das ist mir vorher auch noch nie passiert. Doch Aung San Suu Kyi ist eine außergewöhnliche Frau, die mich sehr inspiriert hat. Ich hoffe, ihr Mitgefühl, ihre Hingabe und ihre Liebe färben ein bisschen auf mich ab. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie mir über die Schulter schaut und mir ins Ohr flüstert, was ich tun und lassen soll.

Nach Monaten der Recherche haben Sie Aung San Suu Kyi dann in Birma besucht. Hat sich Ihre Vorstellung mit der Realität gedeckt?

Ich war sehr nervös. Denn ich hatte endlich die Möglichkeit, meine Heldin zu treffen und natürlich wollte ich, dass sie mich mag. Es war eine sehr surreale Situation, als ich ihr Haus betrat. Denn wir hatten am Set in Thailand dieses Haus exakt nachgebaut und ich meinte, jeden Winkel zu kennen. Es hätte nur noch gefehlt, dass meine Film-Söhne und mein Film-Mann um die Ecke kommen. Als ich ihr gegenüberstand, hat sie mich sofort in ihre Arme genommen. Das war sehr ungewöhnlich, denn in Asien berühren wir uns normalerweise nicht auf diese Weise. Obwohl sie sehr zerbrechlich wirkt, habe ich sofort ihre innere Stärke gespürt.

Zur Person

Michelle Yeoh wurde 1962 in Ipoh, Malaysia, geboren. Mit 15 Jahren wurde sie auf ein Internat nach England geschickt und besuchte später die London Royal Academy of Dance. Doch ihr Traum von der Ballettkarriere scheiterte, als sie schwer stürzte und sich an der Wirbelsäule verletzte. Ohne ihr Wissen meldete ihre Mutter sie 1983 bei einem Schönheitswettbewerb an und sie wurde zur Miss Malaysia gewählt. Sie ist mit dem Ex-Ferrari-Team-Chef Jean Todt verlobt.

Bekannt wurde Yeoh als Bondgirl an der Seite von Pierce Brosnan und Filmen wie „Die Geisha“ und „Tiger & Dragon“. „The Lady“ mit Yeoh als Aung San Suu Kyi kommt am 5. April in die Kinos.

Worüber haben Sie gesprochen?

Wir wollten das Projekt nicht gefährden, deshalb haben wir bewusst nicht über den Film gesprochen. Wir haben über alles Mögliche geredet, auch über ihre Familie. Sie war so herrlich normal und hat sich sogar für die Unordnung im Haus entschuldigt. Wir saßen auf dem Sofa und sie hat die ganze Zeit meine Hand gehalten. Sie ist offen und heiter. Schließlich habe ich mich doch noch entspannt. Es fühlte sich an wie der Besuch bei einer lieben Tante.

Sie stand noch unter Hausarrest, als die Dreharbeiten begannen. Wie konnten Sie ihre Zustimmung zu dem Projekt erbitten?

Regisseur Luc Besson hat eine Möglichkeit gefunden, sie über das Projekt zu informieren. Er hat irgendeinen geheimen Kanal gefunden, um es sie wissen zu lassen. Und er redet bis heute nicht darüber, wie er es geschafft hat, um niemanden zu gefährden. Wir hätten den Film nicht gegen ihren Willen oder den ihrer Familie gemacht. Sie war einverstanden und hat uns eine Nachricht zukommen lassen, die lautete: „Benutzt Eure Freiheit, um über unsere zu sprechen.“

Wie hat sich das Regime in Birma Ihnen gegenüber verhalten?

Beim ersten Mal gab es keine Probleme. Ich bekam ein Visum, doch die der anderen Crewmitglieder wurden abgelehnt. Damals waren die Dreharbeiten in Thailand in vollem Gange und nichts durfte nach außen dringen. Zeitweise waren bis zu 3000 Statisten am Set. Und alle haben sich daran gehalten, sie haben keine Fotos ins Internet gestellt und auch nichts auf Facebook gepostet. Doch bei meinem zweiten Besuch gab es Schwierigkeiten. Der Offizier an der Einwanderungsstelle blätterte ungewöhnlich lange in meinem Pass. Ohne Erklärung wurde ich zum Flugzeug zurückgebracht, mit dem ich gerade gekommen war und musste das Land wieder verlassen.

Hatte Aung San Suu Kyi eine Möglichkeit, den fertigen Film zu sehen?

Sie hat uns gesagt, dass sie sich den Film ansehen wird, wenn sie tapfer genug ist, es durchzustehen. Ich kann mir gut vorstellen, wie schmerzhaft es für sie sein muss, sich gerade diesen Abschnitt ihres Lebens anzusehen. Denn wir zeigen auch, wie ihr Mann, der mit den beiden Kindern in Oxford geblieben war, gegen den Krebs kämpft. Und das Krankenhaus, das wir im Film zeigen, ist genau das, in dem er gestorben ist.

Hat sie ihre Familie für ihre politischen Ideale geopfert?

Die Junta in Birma hätte sie zwar ans Krankenbett ihres Mannes reisen lassen, doch die Rückreise wäre ihr für immer verwehrt geblieben. Sie liebt ihre Familie und ihr Land. Ihre Söhne unterstützen ihre Mutter voll und ganz. Und ich glaube nicht, dass sie ihre Familie geopfert hat. Die Liebe als Ehefrau und Mutter hat ihr große Kraft gegeben. Denn plötzlich war sie nicht nur die Mutter von zwei Kindern, sondern die einer ganzen Nation. Das erfordert große innere Stärke, die manche Menschen aus der Religion schöpfen. Doch Aung San Suu Kyis Kraftquelle ist ihre Familie.

Meinen Sie, dass der Film dazu beitragen kann, die politische Situation in Birma zu verändern?

Ich bin fest überzeugt, dass jeder noch so kleine Tropfen helfen kann. Jeder tut das, was er am besten kann. Und wir wissen nun einmal, wie man Filme macht. Alles, was wir hoffen ist, mit diesem Film die Herzen der Menschen zu berühren und sie für das Anliegen von Aung San Suu Kyi zu interessieren. Und wenn es nur ein paar Menschen sind, dann haben wir schon etwas verändert.

Das Gespräch führte Bettina Aust.

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Stars aus Film, Fernsehen und Sport - Interviews mit den ganz Großen, News über Leute in den Schlagzeilen.

Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Videonachrichten Leute
Videonachrichten Panorama