Ihren Durchbruch hatte die Französin 1973 mit „Die amerikanische Nacht“ mit François Truffaut. Filme mit namhaften Regisseuren wie Jean-Luc Godard und Bertrand Tavernier folgten. Auch Hollywood wurde auf Nathalie Baye aufmerksam. 2002 spielte sie an der Seite von Leonardo DiCaprio in der Komödie „Catch me if you can“ von Steven Spielberg. Ihre lebhaft charmante Art trägt zu der alterslosen Aura bei, die die 64-Jährige umgibt. In einem Luxushotel in Paris spricht sie über ihren neuen Film „Bezaubernde Lügen“, in dem anonyme Liebesbriefe eine wichtige Rolle spielen.
Hat jemand Ihr Herz im wahren Leben schon einmal nur mit einem Liebesbrief erobert? Oder funktioniert das bei Ihnen nicht?
Doch, das ist mir auch schon passiert. Ich habe mich auch einmal wegen eines Briefes verliebt. Doch anders als im Film hatte ich den Mann vorher gesehen, ich wusste also wie er aussah.
Möchten Sie dazu etwas mehr erzählen? Oder ist diese Frage zu indiskret?
Ich hatte eine sehr lange Liebesgeschichte mit einem Mann. Das ist schon etwas her, das kann man schon fast als ein anderes Leben bezeichnen. Und dieser Mann hat mir viele schöne Briefe geschrieben. Ich glaube, sie haben zu unserer Liebe beigetragen.
Sollten wir alle mehr Liebesbriefe schreiben?
Wir leben in einer Zeit der Mails, SMS und des Internets. Alles geht sehr schnell, alles ist virtuell. Doch so ein Brief ist etwas Greifbares. Man macht den Umschlag auf und sieht einen handgeschriebenen Text. Das ist viel schöner als virtuelle Briefe per Internet. Sie sollten den Leuten sagen, dass es eine gute Sache ist, Liebesbriefe zu schreiben. Dann würde es allen viel besser gehen.
Sie bekommen doch bestimmt ständig Briefe von Menschen, die Sie gar nicht kennen, und viele davon müssen Liebesbriefe sein.
Ich erhalte tatsächlich sehr viele Briefe aus Deutschland. Doch viele kommen von Autogrammjägern. Ich schreibe noch Briefe und ich bekomme auch Briefe. Das ist eine Freude, die ich nicht missen möchte.
Im Film vermuten Sie, der Autor dieser poetischen Zeilen könnte ein Deutscher sein. Halten die Franzosen die Deutschen für besonders romantisch?
Ja. Wenn mir deutsche Literatur in den Sinn kommt, verbinde ich sie vor allem mit der Romantik und das ist etwas, woran wir Franzosen gern denken. Doch die Romantik spielt auch in der Musik Ihres Lands eine wichtige Rolle.
Wir finden ja nun die Franzosen so romantisch...
Wir sind nicht romantischer als die Deutschen. Europa ist unglaublich. Dagegen ist in den USA alles gleich, sogar die Verpflegung, alle essen Cheeseburger. In Europa sind die Unterschiede unser Reichtum, doch gleichzeitig haben wir vieles gemeinsam. Zum Beispiel die Romantik. Das Einzige, was mich stört, ist die Sprache. Es wäre schön, wenn man direkt miteinander sprechen könnte.
Im Unterschied zu Hollywood dürfen Schauspielerinnen in französischen Produktionen auch im reifen Alter noch Hauptrollen in Liebesfilmen spielen...
Die Franzosen sind ganz einfach verrückt nach Liebe und nach Liebesszenen. Das ist ja bekannt. Zudem ist es doch so, dass auch Frauen, die nicht mehr 20 Jahre alt sind, noch das Recht haben zu vögeln! Außerdem haben die Franzosen einen anderen Bezug zu ihren Schauspielern. Obwohl wir ständig an allem herummeckern, halten wir unser Land für das schönste und beste der Welt. Das gilt auch fürs Kino. Daraus ergibt sich eine starke Verbundenheit. Die Franzosen lieben ihre Schauspieler und das nicht nur, wenn sie jung sind.
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