Vom Arbeitsamt auf die Weltbühne – diesen Weg legte das britische Synthie-Pop-Duo Hurts mit dem Hit „Wonderful Life“ im Jahr 2010 quasi über Nacht zurück. Nun ist ihr zweites Album „Exile“ erschienen. Ihrem Look – den penibel gegelten Frisuren und schwarzen Anzügen – sind Sänger Theo Hutchcraft und Keyboarder Adam Anderson bis heute treugeblieben – nur ihr Sound hat sich ein wenig verändert.
Mr. Hutchcraft, hilft es eigentlich, Lieder mit gebrochenem Herzen zu schreiben?
Theo Hutchcraft: Ich glaube schon. Es hilft, etwas haben zu wollen oder auf der Suche nach etwas zu sein. Sich am Rande der Verzweiflung zu befinden, ist auch förderlich. Wir schreiben jedenfalls immer die besten Lieder, wenn wir uns so fühlen.
Wie viele Songs haben Sie also im vergangenen Jahr nach Ihrer Trennung von Burlesque-Star Dita von Teese geschrieben?
Adam Anderson: Haha, so um die 63 würde ich mal schätzen.
Hurts sind Theo Hutchcraft (26) und Adam Anderson (28) aus Manchester. Nach einem Auftritt bei der Berliner StyleNite im Januar 2010 und dem Überraschungserfolg ihrer Single „Wonderful Life“ schoss auch ihr Debüt „Happiness“ auf Platz 2 der deutschen Charts – später gab es dafür Platinauszeichnungen.
Mit ihrem Plattenvertrag in Deutschland, für den sie sich der Legende nach auch einen Kamm und einen Regenschirm zusichern ließen, wurde der Grundstein für ihre internationale Karriere gelegt. Im Berliner Hotel The Weinmeister wurde ein nach ihren Vorstellungen eingerichtetes Zimmer nach ihnen benannt.
Hutchcraft: Ach, ich bin immer in einer elenden Stimmung, dafür brauche ich keine Dita. Wenn es um Frauen geht, gibt es immer eine, der ich hinterher jage oder eine, die mich hängen lies. Immer! Aber das macht den Spaß doch erst aus.
Also war die Trennung nicht herzzerreißend für Sie?
Hutchcraft: Nein, nicht so herzzerreißend. Dita und ich sind immer noch gute Freunde. Sie ist eine coole Frau.
Und während Ihr Kollege die schönen Frauen abgeschleppt hat waren Sie enthaltsam, Mr. Anderson?
Anderson: Das denken viele. Ich bin nur ein wenig klüger als der Kollege – ich erledige meine beste Arbeit in aller Stille.
Ziehen Sie verschiedene Typen von Frauen an?
Anderson: Es ist eher so, dass wir verschiedene Typen von Frauen mögen. Seitdem wir uns kennen, ist es noch nie vorgekommen, dass wir beide auf dieselbe Frau standen. Unsere Geschmäcker sind gänzlich unterschiedlich.
Hutchcraft: Da haben wir wirklich Glück gehabt.
Was ist denn Ihr Typ Frau?
Hutchcraft: Ich mag Mädchen, die wie Katzen aussehen, die sich wie Katzen geben. Frauen mit dunklen Haaren, mit Tattoos. Dann ist die Welt für mich in Ordnung. Ich bin da nicht so pingelig.
Anderson: Für mich ist es eher der Typ Mädchen von nebenan. Ich muss gut mit ihr quatschen können. Du kannst ihr schlechte Witze erzählen, und sie lacht. Ich mag es nicht besonders, von einer Frau bewundert zu werden.
Bewundert wurden die Band Hurts in den vergangenen drei Jahren ja auch genug. Von wem haben Sie die Komplimente am meisten überrascht?
Hutchcraft: Für mich ist es immer eine Überraschung, wenn ein Künstler, den wir toll finden, sich als Fan outet. Etwas in mir will dann immer fragen: ‚Wirklich? Aber warum zum Teufel magst du uns denn, du bist doch so ein cooler Typ?‘
Anderson: Besonders bei Noel Gallagher fühlte es sich merkwürdig an. Wir stehen schließlich für emotionalen Pop. Aber wer weiß, vielleicht mag er uns nur, weil seine Frau uns mag. Auch Boris Becker gefällt unsere Musik sehr gut. Als ich ihn bei der Echo-Verleihung traf, war das, wie Prince oder Michael Jackson zu treffen – solch ein Superstar ist er für mich!
Hutchcraft: Herrlich war aber auch, als wir nach unserem Echo-Auftritt zurück in unsere Garderobe kamen. Robbie Williams saß einfach so da. Er hatte auf uns gewartet, um uns seinen Echo zu schenken, denn wir waren neben Take That in der Kategorie „Beste internationale Band“ nominiert. Er fand, wir würden den Preis mehr verdienen. Nun habe ich also Robbie Williams Echo-Award zu Hause. Es gibt auch ein Foto davon, wie Robbie mit uns die Hurts-Pose macht.
Wie geht die Hurts-Pose?
Anderson: Man faltet die Hände vor dem Körper zusammen, guckt ernst und steht ansonsten stocksteif da.
Wie schnell kann man sich daran gewöhnen, in den besten Hotels zu schlafen und ständig Prominente zu treffen? Immerhin waren Sie vor drei Jahren noch arbeitslos.
Anderson: Es fühlt sich an, als wäre der Durchbruch Ewigkeiten her. Aber im Herzen sind wir immer noch Verlierer. Selbst als wir das neue Album geschrieben haben, war das Gefühl, die Verlierer vom Dienst zu sein, wieder da.
Ist Ihre neue Platte deshalb düsterer ausgefallen als Ihr Debüt?
Hutchcraft: Es ist definitiv ein Spiegel unserer Leben in den letzten Jahren. Deshalb fühlt sich diese Platte lebendiger, wilder, extremer und aufregender an. Das hat auch damit zu tun, dass wir viel rumgereist sind und Abgründe gesehen haben.
Anderson: Wir sind zwar nicht mehr arbeitslos, aber das heißt nicht, dass wir jeden Tag glücklich sind. Wir haben noch immer unsere Auf und Abs wie jeder andere Mensch auch. Drei Jahre diese verrückten Reisen rund um den Planeten gemacht zu haben, das musste Stoff für die neuen Songs liefern – und das tat es auch. Natürlich hat es auch geholfen, dass wir bessere Musiker geworden sind.
Das Interview führte Katja Schwemmers.
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