An einem eisigen Februartag 1952 kam in London-Heathrow eine Maschine aus Kenia langsam zum Halt. Vom Flugzeugfenster aus sah eine zierliche junge Frau die Reihe schwarzer, schwerer Regierungslimousinen am Rollfeld stehen und bemerkte kummervoll: „Wie ich sehe, haben sie die Leichenwagen mitgebracht.“ Der Premierminister Winston Churchill wartete in Trauerkleidung, aber trotz der Kälte ohne Hut, mit Mitgliedern der königlichen Familie. Von Gefühlen übermannt, versagte ihm die Stimme, als er als Erster die 25-jährige Elizabeth begrüßte, die als neue Königin von Großbritannien und Nordirland und Staatsoberhaupt der Commonwealth-Königreiche die Gangway hinunterschritt.
Nur eine Woche zuvor hatte Churchill George VI. nach Heathrow begleitet, welcher seine älteste Tochter und deren Ehemann verabschiedete. Elizabeth und Prinz Philip brachen anstelle des kranken Monarchen zu einer Reise auf, die nach Ostafrika und dann weiter nach Neuseeland und Australien führen sollte.
Nachricht vom Tod des Königs kam spät
Dem König war im Herbst ein Lungentumor entfernt worden; doch wie schlecht es um ihn stand, war kaum jemandem im Volk bekannt. Er selbst aber ahnte wohl, dass er seine Lieblingstochter nicht wiedersehen würde. „Pass für mich auf die Prinzessin auf“, flüsterte er ihrer Kammerfrau beim Abschied zu.
Als Georg VI., erst 56-jährig, am 6. Februar 1952 starb, saß seine Tochter auf der Aussichtsplattform eines Baumhaushotel in Kenia und beobachtete Nashörner. Die Todesnachricht aus London erreichte sie nicht sofort; Elizabeth kehrte in ihre Lodge zurück, nicht wissend, dass sie zur Königin proklamiert worden war, die Zustellung des Telegramms verzögerte sich, möglicherweise war das Codewort, „Hyde Park Corner“, als Adresse missverstanden worden.
Die BBC hielt die Trauermeldung ebenfalls zurück, weil der Sprecher John Snagge – der angeblich als Einziger im Königreich über eine angemessen sonore Stimme verfügte – nicht aufzufinden war. Schließlich war es ein Journalist, der einem Hofbeamten in Kenia den entscheidenden Hinweis gab. Philip wurde informiert, der die traurige Pflicht hatte, seine junge Frau zu unterrichten. Er ging lange mit ihr im Garten auf und ab, erzählten Augenzeugen.
Als Elizabeths Privatsekretär später die Lodge aufsuchte, fand er eine sehr gefasste neue Queen am Schreibtisch vor. Sie verfasste Briefe an die Gastländer, um den Abbruch der Reise zu entschuldigen.
"Ich hatte keine Ausbildungszeit"
Noch am selben Tag trat sie die Heimreise an. „Im Grunde hatte ich keine Ausbildungszeit“, sagte Elizabeth II. später einmal. „Mein Vater starb viel zu jung – es war alles sehr plötzlich: die Übernahme und das Bestreben, das Beste aus der Arbeit zu machen.“ Sie hatte als Thronfolgerin schon seit einigen Jahren Regierungspapiere und Parlamentsberichte gelesen. Aber Regentschaft ist kein Studienfach.
Und nichts hatte Elizabeth darauf vorbereitet, dass eine halbe Stunde nach ihrer Rückkehr in den Palast die Limousine der greisen Queen Mary, ihrer Großmutter, vorfahren sollte. „Ihre alte Oma und Untertanin muss die Erste sein, die Ihre Hand küsst“, erklärte die streng auf Etikette achtende alte Dame zur Erschütterung ihrer Enkelin.
Im Auto bricht sie weinend zusammen
Am 8. Februar trat im St. James’s Palast der Thronfolgerat zusammen. Nachdem Elizabeth II. ihre Regentschaftserklärung vorgelesen hatte, sagte sie schlicht: „Mein Herz ist jetzt zu schwer, um Ihnen mehr zu sagen, als dass ich meinem Vater nacheifern will.“ Prinz Philip führte sie hinaus, und erst im Auto brach sie weinend zusammen.
Gekrönt wurde sie ein Jahr später, am 2. Juni 1953. Ihr Diamantenes Thronjubiläum wird in diesem Sommer mit königlichem Pomp und Prunk vom 2. bis 6. Juni begangen. Den 6. Februar, den Beginn ihrer Regentschaft, hat Elizabeth II. nie gefeiert. Es ist der Todestag ihres Vaters und, wie es im Hofprotokoll heißt, ein privater Tag.
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