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14. März 2013

Rosemarie Fendel ist tot: Rosemarie Fendel - hart und verletzlich

 Von Torsten Wahl
Gern wurde sie als elegante, grazile Dame besetzt. Doch Rosemarie Fendel, hier mit ihrer Tochter anno 1978, blieb niemals bei solchen Oberflächlichkeiten stehen.Foto: dpa

Ihr Gesicht wird man im Fernsehen vermissen. Mit ihren feinen Gesichtszügen und ihrer impulsiven Art verlieh die Schauspielerin Rosemarie Fendel ihren Rollen Glaubhaftigkeit und Charme. Nun ist sie gestorben.

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München/Frankfurt –  

Anfang des Jahres führte Rosemarie Fendel noch mehr als acht Millionen Zuschauer im ZDF durch die Geschichte des Hotels Adlon. Ihr prägnanter Auftritt in der Familiensaga sollte ihr letzter vor der Kamera bleiben. Am Mittwoch ist Rosemarie Fendel im Alter von 85 Jahren in ihrem Haus in Frankfurt am Main gestorben.

Auch die lange Karriere der Rosemarie Fendel ergäbe eine Saga, die durch ganz verschiedene Epochen führte, auf ganz verschiedenen Etagen stattfand und in der viele namhafte Künstler ihren Auftritt hatten. Theaterlegenden wie Gustav Gründgens, Kinostars wie Elizabeth Taylor und Annie Girardot würden in diesen Rosemarie-Fendel-Film ebenso eine Rolle spielen wie Michael Ende und „Momo“ oder ihre Tochter Suzanne von Borsody.

1947 gab Rosemarie Fendel ihr Theaterdebüt an den Münchener Kammerspielen. Ihre Jugend hatte die Tochter eines Studienrates in der böhmischen Heimat der Mutter verbracht. In der ersten Hälfte der fünfziger Jahre feierte die junge Schauspielerin große Erfolge an Theatern in München, Tübingen und Düsseldorf – Gustav Gründgens hatte sie ans Schauspielhaus geholt. Nach der Geburt ihrer Tochter Suzanne, die aus ihrer ersten Ehe mit dem Kollegen Hans von Borsody entstammte, pausierte sie für einige Jahre auf der Bühne, gab dafür Kinostars wie Liz Taylor, Jeanne Moreau, Annie Girardot oder Gina Lollobrigida ihre dunkle Stimme.

Im TV, so lange es das ZDF gibt

Schon seit 1963 – solange es das ZDF überhaupt gibt – spielte Rosemarie Fendel auch für das damals noch junge Fernsehen. Dem Theaterstar wurden aber zunächst nur Rollen als Redaktionssekretärin oder als Gattin des ZDF-„Kommissars“ zugemutet. Dieser Unterforderung entzog sich Rosemarie Fendel schließlich. In ihrem zweiten Mann, dem Regisseur Johannes Schaaf, fand sie dann einen künstlerischen Partner, mit dem sie als Hauptdarstellerin im Film ihr ganzes Können zeigen konnte, etwa in der Joseph-Roth-Verfilmung „Trotta“ oder in dem Jugenddrama „Tätowierung“ – ihr jugendlicher Partner Christof Wackernagel schloss sich später der RAF an.

Zusammen mit Schaaf schrieb Rosemarie Fendel selbst Drehbücher, so für die Verfilmung von Michael Endes „Momo“ mit internationaler Starbesetzung. Parallel etablierte sich Rosemarie Fendel auch am Theater. Zusammen mit Johannes Schaaf als Regisseur zeigte sie ab 1980 am Frankfurter Schauspiel Auftritte, die Theatergängern bis heute in lebhafter Erinnerung sind.

In den letzten zwanzig Jahren hielt das Kino meist nur noch Nebenrollen in Kinderfilmen für sie bereit – dafür war Rosemarie Fendel im Fernsehen weiterhin fast gefragt wie nie zuvor. ZDF-Fernsehspielchef Reinhold Elschot würdigte die Verstorbene als „Grande Dame der deutschen Film- und Fernsehgeschichte“. Gern wurde sie als elegante, grazile Dame besetzt. Doch sie blieb nie in solchen Äußerlichkeiten stecken, sondern konnte Verletzlichkeit ebenso demonstrieren wie Härte. Für einige Filme, etwa „Das zweite Leben“, „Späte Aussicht“ oder „Mensch Mutter“, durfte Rosemarie Fendel nach längerer Pause wieder zusammen mit ihrer Tochter Suzanne von Borsody spielen. In ihren Mutter-Tochter-Duellen gingen sie mitunter an die Grenzen – da vergaß der Zuschauer, dass hier vor einer Kamera gespielt wurde. Daneben traten Mutter und Tochter auch mit einem Mascha-Kaleko-Programm auf. Da sich ihre Stimmen so sehr ähnelten, hatte sich die Mutter privat gern einen Scherz daraus gemacht, sich am Telefon für ihre Tochter auszugeben – Rosemarie Fendel konnte bis zuletzt überraschen.

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