In der französischen Callgirl-Affäre wurde der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn am Dienstag in Lille von der Polizei verhört.
Der 62-Jährige werde zum Vorwurf einer möglichen Beteiligung an bandenmäßiger Zuhälterei und Beihilfe zur Veruntreuung von Firmengeldern verhört, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Die Dienste einer Prostituierten in Anspruch zu nehmen, ist in Frankreich nicht verboten, Zuhälterei aber sehr wohl.
In dem Fall geht um Sex-Partys mit Prostituierten, an denen der frühere Hoffnungsträger der Sozialisten teilgenommen hatte. Strauss-Kahn bestreitet nicht die Teilnahme an den Partys in Paris und Washington, doch will er nicht gewusst haben, dass es sich um Prostituierte handelte. Laut Zeugenaussagen wurden die Reise- und Hotelkosten sowie die Frauen von zwei Geschäftsmännern bezahlt.
Politisch ist Strauss-Kahn vorerst tot
Der Polizeigewahrsam darf den Angaben zufolge bis zu 48 Stunden angeordnet werden. Strauss-Kahn muss wohl in einer Zelle übernachten, die kargen Räume der Gendarmerie sind nur mit Schaummatratzen und Steh-Klo ausgestattet. Sollte ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden, könnte dem 62-Jährigen am Ende eine Anklage drohen. Strauss-Kahn hatte seit vergangenem Herbst selbst darauf gedrängt, zu dem Fall verhört zu werden.
Strauss-Kahn musste im vergangenen Jahr von seinem Posten als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurücktreten, weil ein Zimmermädchen ihm versuchte Vergewaltigung vorwarf. Das Strafverfahren in den USA wurde später wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens eingestellt.
Anhänger von Strauss-Kahn sind überzeugt, dass es sich bei der Serie von Vorwürfen um ein politisches Komplott handelt, um den zuvor aussichtsreichen Rivalen von Staatspräsident Nicolas Sarkozy auszuschalten. So weit geht nicht einmal Strauss-Kahn trotz seines Bemühens, die Reste seines zerrütteten Rufes zu retten. (afp)
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