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14. Februar 2013

Sonia Sotomayor: „Ich fühlte mich wie ein Alien“

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Küsse für ihre Fans: Sonia Sotomayor nach einer Buchlesung in San Francisco.  Foto: REUTERS/Robert Galbraith

Richterin Sotomayor ist mit ihrer Lebensgeschichte zum Gesicht der US-Latinos geworden. Für sie wurde sogar mit einer altbewährten amerikanischen Tradition gebrochen.

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ZUR PERSON

Sonia Maria Sotomayor wurde 1954 als Tochter von eingewanderten Puertoricanern in New York City geboren. Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen in der Bronx auf, im Alter von acht Jahren wurde Diabetes bei ihr diagnostiziert. Als sie neun Jahre alt war, verstarb ihr alkoholkranker Vater.

Dank diverser Stipendien studierte sie an der Princeton University und später an der Yale Law School. Sie arbeitete hart und machte einen Abschluss mit Auszeichnung. Nach dem Studium war sie als Staatsanwältin tätig. Später wechselte sie in eine New Yorker Rechtsanwaltskanzlei. 1991 wurde Sotomayor Richterin. Seit 2009 ist sie die erste Richterin mit lateinamerikanischen Wurzeln am Obersten US-Gerichtshof. Sotomayor ist geschieden und hat keine Kinder.

Ihr Buch „My beloved world“ („Meine geliebte Welt“) hat es auf Anhieb in die US-Bestsellerlisten geschafft.

Für sie wurde sogar mit einer Tradition gebrochen. Üblicherweise legen US-Vizepräsidenten ihren Amtseid um die Mittagszeit herum ab. Doch am 20. Januar dieses Jahres kam es anders. Vizepräsident Joe Biden musste schon um 8.15 Uhr morgens die rechte Hand auf die Bibel legen. Der Grund: Sonia Sotomayor, die den Eid in Washington abnahm, hatte einen dringenden Termin. Sie musste am Nachmittag desselben Tages schon in New York sein. Sie hatte eine Lesung in einer Buchhandlung in Manhattan.

Im Hauptberuf ist Sonia Sotomayor als Richterin am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten eine Hüterin der US-Verfassung. In diesem Winter allerdings sind die Urteile der 58 Jahre alten Frau kein Thema. Die US-Medien beschäftigen sich ausschließlich mit der Buchautorin Sotomayor.

Biografie in den Bestsellerlisten

Ihr biografisches Werk „My beloved world“ („Meine geliebte Welt“) hat es auf Anhieb in die Sachbuch-Bestsellerlisten geschafft. Ihre Lesungen sind ausverkauft. Die US-Öffentlichkeit giert nach ihrer Geschichte. Es ist die Geschichte eines Aufstiegs, der als Beispiel für die Chancen dargestellt wird, die Kinder auch heute noch in den USA haben.

Sonia Sotomayor wächst in einem damals noch schäbigen Viertel von New York auf. Es ist eine Gegend, die so städtisch geprägt ist, dass sie lange Zeit Kühe mit Pferden verwechselt habe, sagt die Richterin. Ihre Eltern stammen aus Puerto Rico, sprechen nur wenig Englisch. Der Vater ist alkoholkrank, Sonia schämt sich deswegen. In einer für eine Richterin erstaunlich bildhaften Sprache schildert Sonia Sotomayor in ihrem Buch eine Kindheit in der Bronx.

Als sie neun Jahre alt ist, stirbt ihr Vater. Über den Moment, als sie von der Mutter vom Tod ihres Vaters erfährt, schreibt Sonia Sotomayor: „Gott hat ihn zu sich gerufen. (...) Sie meinte, dass Papa gestorben ist. Aber was bedeutet das? Ist er ein Geist geworden? Ich wusste nicht, was ich fühlen, sagen oder machen sollte. Wie aus der Entfernung hörte ich meine eigene Stimme, die in das Weinen der Anderen einstimmte. Ich rannte über den Flur und warf mich aufs Bett.“

Ausverkaufte Lesungen

Es sind offenbar solche Geschichten, die in diesen Tagen viele Amerikaner in die Buchhandlungen treiben, in denen Sotomayor liest. 1500 sind es etwa in Austin in Texas, 700 in Chicago. Dort sagt die Richterin, die zur Autorin wurde, einer Reporterin der New York Times, sie wolle mit ihrer Lebensgeschichte andere Menschen anspornen. Wichtiger als ihre Rechtsprechung sei ihr Leben – die zuckerkranke Tochter eines armen Alkoholikers, die es als erste Frau hispanischer Herkunft in den Obersten Gerichtshof geschafft hat. „Yes, we can“, das war der Slogan von Barack Obama vor seiner Wahl zum US-Präsidenten im Jahr 2008. „Si, se puede“, das sagt Sonia Sotomayor auf Spanisch im Winter des Jahres 2013.

Sonia Sotomayor zeichnet in ihrem Buch das Bild der jungen Frau von nebenan, die mit harter Arbeit und dann noch härterer Arbeit ihren Weg macht. Nach ihrem Abschluss an der High School bekommt sie ein Stipendium an der Universität Princeton. Anfang der 70er-Jahre gelingt das nur wenigen Frauen und noch weniger Latinos. „Ich fühlte mich wie ein Alien, der in einem anderen Universum gelandet ist.“

Aber Sonia Sotomayor ist eine Ausnahme-Erscheinung. Doch wie alle anderen Menschen ist sie auch von Ängsten geplagt, die sie in ihrem Buch ebenso freimütig einräumt wie ihre Wissenslücken. Sotomayor musste im Wörterbuch nachschlagen, was „Summa cum laude“ bedeutet, als sie in Princeton erfuhr, dass sie die höchste akademische Note erhalten sollte.

Sie liest, sie wirbt, sie tanzt

Sonia Sotomayor hat wenig Zeit in diesen Tagen. Sie liest vor, sie wirbt für ihr Buch, sie tanzt. Nach einem Auftritt im spanischsprachigen Sender Univision, bei dem sie mit dem Moderator tanzt, bekommt sie einen neuen Namen. „Jetzt können wir sie Sonia Salsamayor nennen“, schreibt die Huffington Post.

Die Richterin ist gewissermaßen zum Gesicht der Latinos in den USA geworden. Es waren die Wählerinnen und Wähler lateinamerikanischer Herkunft, die Barack Obama im vergangenen November die Wiederwahl gesichert haben. Obamas Buch „Dreams from my Father“ („Ein amerikanischer Traum“), das den jungen Senator aus Chicago in den USA bekanntgemacht hat, habe gewissermaßen Vorbildcharakter für ihr eigenes Buch. Nun wolle sie selbst ein Vorbild sein, sagt Sotomayor. Bekannt ist sie jedenfalls schon geworden in den vergangenen Wochen. So bekannt, dass sich Zeitungen wie der Kansas City Star bereits fragen: „Hat Sonia Sotomayor den falschen Beruf gewählt?“

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