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Promi-News und Interviews mit den ganz Großen

27. Juni 2012

Tatort Kommissarin ChrisTine Urspruch: Kleine Frau, große Kraft, viel Humor

 Von Irene Bazinger
Irgendwann fragte meine Tochter: Du bist ganz schön klein, Mama. Warum? Ich habe geantwortet: Ich bin einfach nicht größer gewachsen. Die Schauspielerin ChrisTine Urspruch ist 1,32 Meter groß.  Foto: BLZ/Pablo Castagnola

Berühmt wurde sie als "Sams", im Münsteraner Tatort wird sie wie der Wagner-Zwerg "Alberich genannt. Ein Gespräch mit der Schauspielerin ChrisTine Urspruch über neugierige Blicke, entwürdigende Fototermine und den Wunsch, einfach mal eine Frau zu spielen.

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Berühmt wurde sie als "Sams", im Münsteraner Tatort wird sie wie der Wagner-Zwerg "Alberich genannt. Ein Gespräch mit der Schauspielerin ChrisTine Urspruch über neugierige Blicke, entwürdigende Fototermine und den Wunsch, einfach mal eine Frau zu spielen.

Kaum sind ein paar Minuten vergangen, denkt man schon nicht mehr daran, dass die Schauspielerin ChrisTine Urspruch viel kleiner ist als die meisten Menschen. Sie lacht laut, redet schnell und ist für alle Fragen offen. Dass sie mit sich im Reinen ist, spürt man, egal, ob sie über ihr Privatleben spricht oder über ihre Rollen, ob sie auf der Bühne steht oder vor der Kamera. Ihre Pumps sind gefährlich spitz, was sie nicht hindert, energisch durch das Foyer der Volksbühne zu eilen. Verkehrte Welt: Nicht sie kommt einem klein vor, man selbst fühlt sich plötzlich wie ein Elefant.

ChrisTine Urspruch

… wurde 1970 in Remscheid geboren. In ihrer Kindheit wurden Wachstumsstörungen festgestellt, ihre Körpergröße beträgt 1,32 Meter.

… spielte 2001 in der ersten Verfilmung des „Sams“ (nach den Kinderbüchern von Paul Maar) die Titelrolle, die sie berühmt machte. Im vergangenen März kam der dritte Teil, „Sams im Glück“, in die Kinos.

… spielt an der Seite von Axel Prahl und Jan Josef Liefers im „Tatort“ aus Münster die resolute Gerichtsmedizinerin Silke Haller, genannt Alberich – das nächste Mal am 11. November.

… lebt mit ihrem Mann, dem Regisseur Tobias Materna, und ihrer Tochter im Allgäu.

Frau Urspruch, was hat es denn mit Ihrem Vornamen auf sich?

Sie meinen, weil ich ihn mit einem großen „T“ in der Mitte schreibe? Für mich ist es ein Spiel mit Klein und Groß, aber spielerisch im kreativen Sinne. Ich wollte mir die Freiheit nehmen, und meinen Namen nach meinem eigenen Geschmack schreiben. Dieses große „T“ ist ein bisschen wie mein persönliches Ausrufezeichen.

Mit Ihren 1,32 Meter Körpergröße sind Sie wahrscheinlich der bekannteste kleinwüchsige Mensch in Deutschland, die bekannteste kleinwüchsige Schauspielerin auf jeden Fall.

Kann sein, das liegt natürlich am Fernsehen und am „Tatort“ aus Münster, der mit – ich glaube – durchschnittlich zehn Millionen Zuschauern pro Folge so beliebt ist wie kein anderer.

In diesem „Tatort“ wird Ihre Körpergröße auf sehr komische Weise immer wieder zum Thema gemacht – ohne dass die Figur der Gerichtsmedizinerin Silke Haller, die ihr Chef nach dem Zwerg in Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ Alberich nennt, dadurch diskriminiert wird, oder?

Die Filme schweigen eben die Unterschiede zwischen den Menschen nicht tot und tun nicht einfach so, als wäre ich so groß wie Axel Prahl, Jan Josef Liefers oder die anderen Kollegen, nach dem Motto: Darüber spricht man nicht. Gern wenden die Autoren die Holzhammermethode an, aber, wie ich finde, mit Ironie und System. Ich würde nicht so spielen wollen, als wäre ich nicht kleinwüchsig, oder als täte meine Größe nichts zur Sache, denn das tut sie schon. Ich will sie auch nicht negieren. Sie bestimmt in gewisser Weise meine Person und ist etwas, das ich als persönliche Note in meine Rollen einbringe.

Es scheint, dass Alberich wegen ihrer Größe nie leidet?

Ja, so ist es, für sie ist ihre Körpergröße kein Problem. Und auch nicht für ihren Chef Börne, der sie als Mitarbeiterin schätzt und respektiert, sonst wäre sie schon längst weg vom Fenster. Und Alberich kann sich gegen ihn und seine demonstrative Arroganz behaupten. Sie ist eine starke Persönlichkeit. Ich finde es toll, dass dieser ganze Themenkomplex – Kleinwüchsigkeit, Diskriminierung, Behinderung – in unseren „Tatorten“ einen solchen Stellenwert bekommt, obwohl wir ja „nur Unterhaltung“ produzieren. Dadurch sorgen wir vielleicht ein bisschen für ein anderes Selbstverständnis in der Gesellschaft – indem wir zeigen, dass es Leute gibt, die äußerlich zwar anders sind, quasi einen Makel haben, aber sich sonst nicht wirklich vom Rest der Bevölkerung unterscheiden.

Sie hat Ihre körperliche Abweichung nicht daran gehindert, sich in aller Öffentlichkeit zu präsentieren. Wie wurden Sie Schauspielerin?

Ich habe schon im Kindergarten damit angefangen. In meiner allerersten Aufführung spielte ich einen Matrosen. Worum es sonst noch ging, habe ich vergessen. Jedenfalls musste ich auf einen Tisch steigen, der ein Schiff darstellte, und rufen: „Land in Sicht!“ Das war mein erster Satz auf der Bühne. Als es so weit war, klettere ich also auf den Tisch, fand es irre spannend, war wahrscheinlich auch aufgeregt und habe deshalb eine Sekunde lang gezögert, ehe ich meinen Satz sagte. Und da bemerkte ich die ungeheure Aufmerksamkeit, die ich seitens des Publikums mit der ungewollten Pause erregte. Das hat mir total gefallen, dieser Moment, in dem mich alle anschauten und sich fragten, was wohl jetzt kommen würde.

Damals waren Sie ein Kind unter Kindern. Wie beeinflusste es Ihre Neigung zum Theater, dass Sie mit zwölf Jahren nicht weiter wuchsen?

Ich bin weiterhin sehr gern ins Stadttheater Remscheid gegangen, da hatte ich ein Abonnement. Theater fand ich als Ereignis ganz toll, dass man Geschichten erzählt bekam und auf der Bühne eine Welt für sich entstand. Mit 18, 19 Jahren habe ich mich einer Theatergruppe an der städtischen Kunst- und Musikschule in Remscheid angeschlossen, wir nannten uns „Brot und Spiele“. Da hatte ich zweimal pro Woche Unterricht bei einem Theaterpädagogen, wir haben Improvisationsspiele, Sprachübungen und Musik gemacht. Und so habe ich von der Pike auf alles gelernt, wir waren ja für alles selbst zuständig, wenn es um eine Inszenierung ging. Es war wie der Ursprung des Theaters: Geschichten erzählen, sich verwandeln, aus Nichts mit wenigen Mitteln etwas Großes machen.

Wie ist es, ein Sams zu sein?

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