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Tony Christie: "Sie finden mich richtig heiß"

Der britische Schlagersänger Tony Christie über seinen größten Hit "The Way To Amarillo", seine neue Musik und seinen Erfolg bei jüngeren Musikern.

Der britische Schlagersänger Tony Christie.
Der britische Schlagersänger Tony Christie.
Foto: Jens Wolf / dpa

Mit dem Lied „Is This The Way To Amarillo?“ schaffte es Tony Christie 1971 in Deutschland, Schweden und Spanien an die Spitze der Charts. Im Oktober hat der 68-jährige Brite das Album „Now’s The Time!“ mit Northern-Soul-Musik veröffentlicht – rechtzeitig zu seinem 50. Bühnenjubiläum. Vor seinem Frankfurt-Konzert an diesem Dienstag in der Alten Oper erklärt der einstige Schlagerstar, was ihn seiner Meinung nach erneut so populär gemacht hat.

Mr. Christie, können Sie Ihren Hit „Is This the Way to Amarillo?“ eigentlich noch hören?

Natürlich! Ich liebe den Song, denn es ist ein Popklassiker! Ich wünschte, ich hätte einen so guten Song alle fünf Jahre gehabt. Dann hätte ich jetzt einen fantastischen Backkatalog an Hits.

Stattdessen haben Sie in den Neunzigern mit dem deutschen Produzenten Jack White aufgenommen...

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Ach, ich war ihm ja dankbar, dass er es mir ermöglichte, weiterhin Platten zu machen. So konnte ich nach Deutschland kommen und in TV-Shows auftreten.

War Ihre Neuaufnahme von „Amarillo“ mit der Hermes House Band im Jahr 2005 ein Tiefpunkt?

Ich habe das nur als Gag gesehen. Ich hatte damals einen Manager aus München. Er hielt das für eine gute Idee, weil es mich modern wirken lies. Denn diese Partyband war so populär zu jener Zeit. Es war ein Experiment.

Sie tragen stilvolle Anzüge. Stört es Sie denn gar nicht, wenn Betrunkene Ihre Lieder in Fußballstadien grölen?

Gegen Bier ist nichts einzuwenden. Als kleiner Junge bin ich selbst an den Wochenenden mit meinem Vater zu den Spielen des Doncaster Rovers FC gegangen. Mein „Amarillo“-Lied wird von acht Clubs in England und Schottland benutzt – können Sie sich das vorstellen? Die sagen mir immer, der Song brächte ihnen Glück.

Wie kommt es, dass Sie nun dem Northern Soul frönen?

Ich habe 2008 das Album „Made in Sheffield“ mit dem britischen Songwriter Richard Hawley aufgenommen. Das brachte die Kehrtwende für mich. Seitdem arbeite ich mit jungen Musikern aus meiner Heimatstadt Sheffield zusammen. So kam auch das Duett mit Róisín Murphy zustande. Es ist eine Mischung aus Northern Soul, Blues und Sechziger-Beatmusik. So wie ich es am Anfang meiner Karriere gemacht habe.

Bedienen Sie mit Ihrem Album nun die Mod-Klientel, die Parka trägt und mit dem Roller durch die Gegend fährt?

Ha! Ich war immer schon eine Mod-Ikone, aber ohne es zu wissen! „Give Me Your Love Again“, eine meiner früheren B-Seiten, wird noch heute ständig in Northern-Soul-Clubs gespielt. Das habe ich erst Jahre später mitbekommen. Allerdings hatte ich mich schon oft darüber gewundert, warum bei meinen Konzerten Kids mit coolen Haarschnitten in der ersten Reihe stehen!

Für die Platte haben Sie auch mit Pulp-Sänger Jarvis Cocker zusammengearbeitet. Ist der auch ein Fan von Ihnen?

Und wie. Wir haben uns im Pub in Sheffield kennengelernt. Als er mit Pulp berühmt wurde, schickte er mir einen Song namens „Walk Like A Panther“. Er überredete mich sogar zu einem „Top Of The Pops“-Auftritt vor Teenies. Für dieses Album hat er mir den Gangstersong „Get Christie“ auf den Leib geschrieben.

Schmeichelt es Ihnen, wenn junge Bands wie die Arctic Monkeys Sie als Legende bezeichnen?

Natürlich. Die jungen Musiker sind doch die Zukunft der Musik. Und gerade Sheffield hat viele internationale Stars und großartige Songschreiber hervorgebracht, die mit innovativen Klanggebilden Karriere machten. Denken Sie nur an The Human League, Heaven 17, ABC, Def Leppard und Joe Cocker! Wir sind eine sehr kreative Stadt. Vielleicht liegt das an der Langenweile, die wir hier oben im Norden oftmals empfinden.

Akzeptieren die Fans Ihren neuen Stil?

Meinen Sie, dass die deutschen Fans Ihren neuen Stil akzeptieren werden?

Ich hoffe es. Ich war seit fast 20 Jahren nicht mehr in Deutschland auf Tour. Und gerade bei dieser Platte ist es mir wichtig, sie vorzustellen: Es bringt solche Freude, diese Lieder zu singen und mit einer großartigen, neunköpfigen Band im Rücken auf der Bühne zu stehen. Ich fühle mich eins damit. In England finden sie mich jetzt wieder richtig heiß.

In einem Artikel war kürzlich schon vom Club 65+ die Rede – ein Club von Musikern, die im Alter immer besser werden.

Da ist was dran. Es ist Wahnsinn, dass Tony Bennett mit 85 Jahren noch so gut singt. Doris Day hat eine Platte veröffentlicht und erst kürzlich einen Preis für ihr Lebenswerk bekommen. Und das letzte Album von Barbra Streisand war doch auch sehr gut. In dem Club fühle ich mich wohl. Denn ich bin jetzt 68 und singe wie mit 30!

Dabei waren Sie eher ein Spätentwickler, oder?

Ich hatte zwar vorher schon in Bands gespielt, aber erst mit 27 landete ich meinen ersten Hit. Da war ich schon verheiratet und Vater meines ersten Sohnes Sean, der heute mein Manager ist. Ich denke, das hat mir geholfen, dieses harte Business zu überleben. Es ist ja praktisch unmöglich, sich konstant oben zu halten.

Viele Ihrer Kollegen greifen dann zu Drogen oder bekommen Depressionen.

Drogen haben mich nie interessiert. Ich bin nie vom Weg abkommen. Ich konnte immer zu meinen Kindern zurückgehen. Und mittlerweile bin ich 44 Jahre verheiratet und habe Enkel. Eine Familie hinter sich zu haben, ist das Wichtigste überhaupt.

Das Interview führte Katja Schwemmers.

Datum:  7 | 2 | 2012
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