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01. Juni 2015

Xavier Naidoo: Naidoos Weg in die rechte Ecke

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Xavier Naidoo bei einer rechten Montagsdemo im Oktober 2014 in Berlin.  Foto: imago/Christian Ditsch

In fremden Sphären bewegt sich seit längerem Deutschlands populärster Soulsänger Xavier Naidoo. Er predigt, Deutschland sei besetzt und die USA stecke hinter 9/11. Dem Ruhm schadet’s nicht – also dreht er weiter auf.

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Es ist ein Moment der Wahrheit, wenn auch nur ein kleiner. Sebastian Krumbiegel, Sänger der Deutschpopband Die Prinzen, sitzt mit Xavier Naidoo unter dem nächtlichen Sternenhimmel Südafrikas auf einer Couch, um sie herum flackern Windlichter und Kaminfeuer. Es wird eine Folge der Sendung „Sing meinen Song“ gedreht, in dem Musiker die Hits anderer Musiker neu interpretieren.

Krumbiegel versteht sich als Linker, in Leipzig führte er Gegendemos an, um Nazi-Aufmärsche zu blockieren; für sein Engagement gegen Rechts bekam er das Bundesverdienstkreuz.

Naidoo, vor 43 Jahren als Sohn südafrikanischer Eltern in Mannheim geboren, ist einer der größten deutschen Popstars unserer Tage. Er verkaufte mehr als fünf Millionen Platten, sang sich der Nation mit seinem sanftem Soul regelrecht ins Herz: „Dieser Weg wird kein leichter sein“, „Ich kenne nichts, was so schön ist wie du“, „Sie ist nicht von dieser Welt“. Doch im letzten Herbst bekam das Verhältnis der Deutschen zu Naidoo einen Knacks. Da stand er plötzlich als Redner auf einer rechtspopulistischen Kundgebung vor dem Reichstag in Berlin, stellte infrage, ob Deutschland überhaupt eine gültige Verfassung habe und bedankte sich per Du bei den Organisatoren, die zu den stramm rechten „Reichsbürgern“ gehören. Die Szene wird vom Verfassungsschutz beobachtet und hängt der Fantasie nach, das Deutsche Reich bestehe fort und sei noch immer von fremden Mächten besetzt. Passend dazu trug Naidoo ein T-Shirt mit der Parole: „Freiheit für Deutschland!“

Dass Naidoo nun trotz der Aufregung, den der Auftritt auslöste, launig durch die derzeit erfolgreichste Musiksendung im deutschen Fernsehen führt, ist schon Teil der Antwort. Die Frage lautet: Was passiert eigentlich, wenn sich einer der populärsten Sänger Deutschlands ins Fahrwasser rechter bis antisemitischer Verschwörungstheorien begibt?

Im Fahrwasser rechter Verschwörungstheorien

An jenem Abend in Südafrika kommt jedenfalls für den Prinzen Krumbiegel der Moment, in dem Xavier Naidoo verkündet, welches Lied er jetzt von ihm nachsingt: „Deutschland.“ Ausgerechnet.

Krumbiegel könnte nun sagen, dass Naidoos fragwürdige Auftritte und Sprüche ihn irritieren. Er könnte betonen, dass die Prinzen mit ihrem ironischen „Deutschland“-Lied gerade gegen jene NPD-Fans ansingen wollte, vor denen Naidoo in Berlin redete.

Stattdessen sagt Krumbiegel hastig: „Man kann die ganze Diskussion nicht in zwei Minuten abfrühstücken.“ Er gibt Naidoo sogar Recht, der behauptet, man sei politisch gar nicht weit voneinander entfernt. „Ich weiß, dass du politisch sehr korrekt bist“, sagt Krumbiegel schließlich und denkt dabei vermutlich an Naidoos Songs gegen Rassismus. „Deshalb ist für mich die ganze Diskussion schwachsinnig.“ Sein Bandkollege neben ihm nimmt sich schnell einen Drink und schließt beim Trinken pikiert die Augen. Die anderen Musiker auf der Couch atmen aus. Kein Eklat, der die Unterhaltungsshow stört.

Ihre TV-Premiere erlebt die Szene an diesem Dienstagabend  auf Vox, gedreht wurde sie Anfang des Jahres. Das Entsetzen über Naidoos Berlin-Auftritt war noch frisch, die Zeitungsberichte und Internet-Debatten nicht lange her. Seine Heimatstadt Mannheim hatte diverse gemeinsame Projekte mit Naidoo auf Eis gelegt; die Popakademie, die er mitgegründet hatte, setzte Workshops mit ihm aus. Die Pop-Uni teilt mit, dass sich daran bislang nichts geändert habe. Doch das Rathaus in Mannheim ist schon wieder in Gesprächen mit Naidoos Firma, man „konkretisiert“ die Idee eines neuen „Medienparks“.

Bei Vox hat man weniger Bedenken. Natürlich habe man mit Naidoo „über die damals gegen ihn erhobenen Vorwürfe gesprochen“, erklärt ein Sprecher. Immerhin arbeite man ja sehr eng zusammen. Naidoo habe aber „alles sehr deutlich eingeordnet“, sodass es keinen Grund gebe, die Zusammenarbeit infrage zu stellen.

Xavier Naidoo im Sommer 2014 bei einem Konzert auf der Weltbühne in Berlin.  Foto: Getty Images

Sicher, Naidoo liefert Vox eine der Shows mit den höchsten Einschaltquoten des Senders, das riskiert man nicht so leicht. Aber wurde denn auf ihn eingewirkt? Wurde vereinbart, dass politische Äußerungen außen vor bleiben sollen? „Nein“, sagt der Sprecher, „solche Vereinbarungen sind nicht notwendig.“ Sogar in einer großen Naidoo-Doku, die Vox am 20. Juni ausstrahlt, würden Naidoss kontroverse Ansichten thematisiert. Man darf gespannt sein, wie. In der heutigen „Sing meinen Song“-Folge bleibt es jedenfalls bei den verklemmten Andeutungen und Witzchen zwischen Naidoo und den Prinzen, und Naidoos süffisanter Anspielung auf seine „anderen Ausflüge“. Er frage sich, ob nun wieder ein Skandal anstehe, wenn er singt: „Schönen Gruß an die Welt, seht es endlich ein, wir können stolz auf Deutschland sein.“ Die Prinzen meinten das sarkastisch. Und Naidoo?

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