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Youssou N'Dour: Der singende Kandidat

Youssou N'Dour feiert als Sänger seit fast 20 Jahren Erfolge - auch auf den europäischen Bühnen. Nun will der Musiker in seinem Heimatland Senegal Präsident werden.

Die „Schule der Welt“ hat ihn gebildet: Youssou N'Dour.
Die „Schule der Welt“ hat ihn gebildet: Youssou N'Dour.
Foto: AFP

Er liebt das Rampenlicht, große Auftritte und prächtig bunte Gewänder. Seine Konzerte sind ausverkauft, Tausende zieht der Superstar mit seiner senegalesischen Popmusik, die er mit Jazz, Salsa und arabischen Einflüssen mischt, an. Nun will er umsteigen: von der Musikbühne auf die Polit-Bühne. Youssou N’Dour will Präsident des Senegals werden.

Seit einiger Zeit trägt der 52-Jährige auch eine Brille, die ihm einen leicht intellektuellen und vertrauenswürdigen Anstrich verleiht. Universitätsabschluss und höhere Bildung fehlen N’Dour nämlich. Aber „die Schule der Welt“ habe ihn gebildet, erklärte er selbstbewusst, als er seine Kandidatur bekannt gab. Er habe auf seinen Reisen, Tourneen und bei internationalen Auftritten mehr gelernt als aus Büchern. „Ich weiß was arbeiten bedeutet. Mein Leben besteht zu zehn Prozent aus Inspiration und zu 90 Prozent aus Schweiß“, sagte N’Dour.

Zur Person

Youssou N’Dour wurde 1959 in Dakar geboren. Er gilt als einer der erfolgreichsten Künstler Afrikas. Mit seiner Band „Super Etoile de Dakar“ gelang ihm 1981 der Durchbruch in Afrika. Internationale Berühmtheit erlangte er vor allem durch sein Duett „Seven Seconds“ mit Neneh Cherry, das 1994 herauskam. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.

Neben seiner Musik engagiert sich N’Dour als Unicef-Botschafter, er gründete die „Fondation Youssou N'Dour“, die Kinder im Senegal unterstützt, und rief zur Bekämpfung von Malaria den „United Nations Youssou N'Dour Fund“ ins Leben. Er ist in der senegalesischen Bürgerrechtsbewegung aktiv und will nun Präsident des Landes werden.

Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen in einem Stadtteil der senegalesischen Hauptstadt Dakar auf, verkaufte als kleiner Junge Raubkopien von Musik auf Parkplätzen und sang, wo immer er hinkam. Er sang so wie seine Vorfahren, die traditionellen Lobsänger. Mit 13 stand der Junge mit „engelsgleicher Stimme“, wie man sich in Senegals Musikclubs erzählt, bereits als Profi auf lokalen Bühnen. Als sein Vater, ein Mechaniker, ihm die Musik verbot, weil er einen Juristen oder Mediziner aus ihm machen wollte, riss N’Dour von Zuhause aus. Er wollte sein Glück versuchen.

Stimme wie flüssiges Gold

Seine erste eigene Band, die „Etoile de Dakar“, gründete er 1979. Und der Erfolg kam schnell. Wenige Jahre später in Paris taufte er die Band um, in „Super Etoile de Dakar“. Peter Gabriel, der früher für die Band Genesis sang und sich für Menschenrechte einsetzt, entdeckte ihn und nahm ihn mit auf Tour. „Der hat mich umgehauen, seine Stimme war wie flüssiges Gold“, beschrieb Gabriel N’Dour einmal. Die beiden wurden enge Freunde. Gabriel ist Patenonkel von einem von N’Dours vier Söhnen. Seitdem hat der Mann aus dem Senegal 20 Alben herausgebracht, mit „Seven Seconds“ 1994 zusammen mit Neneh Cherry einen Welthit gelandet, einen Grammy gewonnen und unter anderem mit Sting und Bono, den beiden Musikern, die sich am meisten für Afrika einsetzen, auf der Bühne gestanden.

Youssou N’Dour ist Botschafter seines Kontinents. Wenn es ein Benefizkonzert für Afrika gibt, dann ist der Mann aus Westafrika dabei. Soziale Gerechtigkeit, das ist sein Thema: Gegen Aids, Malaria, Hunger und Korruption setzt er sich ein. Für Unicef, Amnesty International und Flüchtlinge macht er sich stark. Und vor allem – und das rechnen ihm Senegalesen hoch an – versucht er im eigenen Land etwas zu verändern. Er vergibt Mikrokredite und hat eine Produktionsfirma gegründet, die vor allem junge Talente vermarktet.

N’Dour ist erfolgreich, weltweit beliebt und einer von Senegals reichsten Männern. Ihm gehört ein ganzes Medienimperium, zu dem die meistgelesene Tageszeitung sowie eine Radio- und eine Fernsehstation gehören. Das sind keine schlechten Voraussetzungen für einen Präsidentschaftskandidaten. Seine Kandidatur verlautbarte er auch prompt über den eigenen Fernsehsender. Gegenüber der internationalen Presse ist er jedoch bemüht hervorzuheben, dass seine Firmen unparteiisch seien: „Ich habe mich nie in die Arbeit der Journalisten eingemischt und das soll auch im bevorstehenden Wahlkampf so bleiben.“

Dem greisen Präsidenten Abdoulaye Wade (85), der bei den Ende Februar anstehenden Wahlen eine dritte Amtszeit anstrebt, sind Youssou N’Dours Medien ein Dorn im Auge. Die Lizenz für den TV-Sender wollte er lange nicht erteilen. Möglicherweise ist N’Dours Entscheidung, in die Politik zu gehen, in dem Kampf um die Lizenz gefallen. Denn zuvor hatte er eine politische Karriere immer kategorisch abgelehnt und eigentlich waren Wade und N’Dour einmal gute Freunde. Der Sänger trat für ihn auf und unterstützte die Kandidatur des gebildeten Reformers im Jahr 2000.

Er darf nicht antreten

Doch nun ist der Sänger wütend. Er hat selber das repressive und zum Teil brutale Vorgehen der senegalesischen Polizei gegen Regierungskritiker erlebt. Sie schlugen ihm die Brille von der Nase, schubsten und beschimpften ihn, als er vergangene Woche einen Freund und Menschenrechtsaktivisten im Gefängnis besuchen wollte. Mit beherrschter Stimme sagte N’Dour am Wochenende: „Ich habe noch nie zu Gewalt aufgerufen, doch nun kontrolliere ich meine Anhänger nicht mehr.“ Er habe nicht die Oberhand über die Situation im Senegal. Und die ist in der Tat angespannt.

Seitdem die vom Präsidenten erst kürzlich mit einer Lohnerhöhung geschmierten Richter entschieden, dass die Zwei-Amtszeiten-Regel für Wade nicht gilt, wird fast täglich demonstriert. Die Begründung der Richter, dass die Amtszeitbeschränkung erst nach dem Amtsantritt von Wade in der Verfassung aufgenommen wurde und daher für ihn nicht gelte, wird als lächerlicher Vorwand angesehen, einen mehr und mehr autokratisch regierenden alten Mann im Amt zu zementieren.

Die Richter entschieden gleichzeitig, dass Weltstar N’Dour bei der Wahl nicht antreten darf. Die Begründung: Er habe nicht ausreichend gültige Unterschriften gesammelt. Für eine Kandidatur werden 10 000 Unterschriften von Unterstützern benötigt. N’Dour sagt, er habe fast 13.000 Unterschriften eingereicht. Welche davon ungültig sein sollen und warum, erklärten die Richter nicht. N’Dours Wahlkampfchef Aliou Ndiaye erklärte, dass man Widerspruch gegen die Entscheidung des Verfassungsgerichts einlegen werde. Und der an Erfolg gewöhnte Polit-Popstar zeigt sich kämpferisch: „Ich bin Kandidat, und ich werde Kandidat bleiben.“

Autor:  Dagmar Wittek
Datum:  3 | 2 | 2012
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