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Lilien - Darmstadt 98
Spielberichte und Interviews zu den Lilien, News und Hintergründe zu Darmstadt 98.

02. November 2012

Darmstadt 98: "Ein Abstieg wäre emotional ein Fiasko"

Rüdiger Fritsch will gestalten. Foto: imago

Vor dem Derby gegen Kickers Offenbach redet Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch Klartext: „Ich will in diesem Verein gestalten und nicht verwalten“

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Normalerweise sitzen die Lilien Rüdiger Fritsch,51, im Nacken. An der Wand hinter seinem Schreibtisch in einer Frankfurter Anwaltskanzlei hat der Präsident des SV Darmstadt 98 ein großes Mannschaftsposter aufgehängt. Dass es kurz vor dem Interview mit der FR zu Boden fällt, passt ins Bild des seit fünf Spielen sieglosen Drittletzten der dritten Liga. Vor dem Derby am Samstag (14 Uhr) gegen Kickers Offenbach verbreitet der im September zum Vereinschef gewählte Urberacher aber trotzdem Optimismus.

Mannschaft und Trainer sprechen von Angst. Wie sehr zittert der Präsident?
Die Qualität ist da, nur bringen wir die PS nicht auf die Straße. Das ist ein mentales Problem, es gilt aber nicht für das Präsidium. Wir haben großes Selbstvertrauen. Die Mannschaft muss ihr Herz in die Hand nehmen und das fehlende Glück erzwingen. Die große Panik gibt es hier nicht.
In der Winterpause sollen neue Spieler kommen. War der Kader falsch zusammengestellt?
Die Kunst liegt darin, Dinge vorher zu wissen. Hinterher sind wir alle ganz schlau. Fakt ist: Die Mannschaft ist zum Großteil die gleiche wie vergangene Saison. Da hat sie vielleicht ein bisschen über ihrem Leistungslevel gespielt, jetzt liegt sie definitiv ein wenig darunter. Wenn jeder das spielt, was er kann, wird es sich wieder in den Ergebnissen niederschlagen. Natürlich versuchen wir punktuell, von außen Verstärkungen herbeizuführen, aber wilder Aktionismus oder Kurzatmigkeit helfen uns nicht weiter.

Der Klassenerhalt hat Priorität

Waren die Ansprüche vor der Saison zu hoch, einen Mittelfeldplatz belegen zu wollen?
Im Moment steht nur der Klassenerhalt im Vordergrund – alles andere ist fehl am Platz. Aber ich möchte auch sagen, dass wir keine wilden Ziele ausgerufen haben. Außerdem ist erst ein Drittel der Saison gespielt. Warten wir mal ab, wo der SV Darmstadt 98 am Ende steht.

Bis zu seinem Wechsel nach Duisburg fokussierte sich sportlich nahezu alles auf Kosta Runjaic. Hat man sich zu sehr von einer Person abhängig gemacht?
Wir haben uns bewusst für das Modell mit Trainer und Manager in einer Person entschieden – anfangs auch aus finanziellen Gründen. Das bedeutet, dass wir Entscheidungsfreiheiten einräumen. Den ausbleibenden Erfolg hat aber auch die Person zu verantworten hat. Als Kosta da war, ging es fast permanent aufwärts. Jetzt stecken wir in einem Tal, da soll auf einmal alles schlecht gewesen sein? Damit habe ich meine Schwierigkeiten. Wir können noch einen Geschäftsführer oder einen Manager einstellen, aber das wäre gegen unser Konzept, wonach wir jeden Euro nur einmal ausgeben können. Es gibt viele Vereine, die Probleme haben, sich auf die Struktur der dritten Liga einzustellen. Das ist schließlich keine Champions League mit hohen Einnahmen. Man muss die Maßnahmen dem entsprechenden Umfeld anpassen.

Dort hat der SV Darmstadt 98 mit dem Stadionneubau und der Ausgliederung der Profiabteilung in eine GmbH einiges vor. Würden diese Projekte bei einem Abstieg in weite Ferne rücken?
Niederlagen und ausbleibender Erfolg fördern unsere Weiterentwicklung sicher nicht. Ein Abstieg wäre emotional ein Fiasko und die Arbeit der vergangenen Jahre wäre teilweise umsonst gewesen. Deshalb versuchen wir, mit aller Macht den Abstieg zu verhindern – ohne den Verein auf Jahre zu ruinieren. Sollte der Abstiegsfall eintreffen, sind wir vorbereitet. Wir werden finanziell nicht in ein schwarzes Loch fallen. Momentan denke ich aber an die Regionalliga nicht. Ich will in diesem Verein gestalten und nicht verwalten. Das zarte Pflänzchen „SV Darmstadt 98“ soll weiter wachsen.

Haben auch Sie davon gehört, die Mannschaft hätte ein Problem mit Trainer Seeberger?
Für mich ist dieses Thema sehr wichtig, weil der Trainerwechsel maßgeblich über meinen Schreibtisch lief. Ich bin sehr nah an der Mannschaft, oft in der Kabine und habe mit vielen Spielern gesprochen. Ich habe bis dato keine konkreten und belastbaren Details diesbezüglich gehört. Es ist daher aus meiner Sicht Stammtischgeplauder und der momentanen sportlichen Situation geschuldet.

Das Gespräch führte Sebastian Rieth.

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