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Lilien - Darmstadt 98
Spielberichte und Interviews zu den Lilien, News und Hintergründe zu Darmstadt 98.

13. Januar 2015

Darmstadt 98: "Kein Freund von wilden Zielen"

 Von 
Genießt: Rüdiger Fritsch.  Foto: imago

Rüdiger Fritsch, Präsident des Zweitligisten SV Darmstadt 98, hält den Ball bei den Gipfelstürmern trotz der herausragenden Hinserie in der zweiten Liga flach.

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Das anstehende Trainingslager an der türkischen Riviera will sich Rüdiger Fritsch nicht entgehen lassen. Das Vereinsoberhaupt des so furios aufspielenden Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98 wird zwar nicht die vollen zehn Tage in Lara, Antalya, weilen, aber zum Abschluss des Camps wird er für vier, fünf Tagen im Teamhotel vorbeischauen. Das gehört sich so für einen Präsidenten, und solch eine Zusammenkunft fernab der Heimat bietet auch immer eine gute Möglichkeit, Stimmungen und Strömungen auszuloten und in ungezwungener Runde ein paar Gespräche zu führen.
Die Atmosphäre sollte konzentriert, aber doch recht gelöst sein. Die Lilien gelten als großer Familienbetrieb. „Wir sprechen nicht von Teamgeist und Zusammenhalt“, sagt Fritsch. „Wir leben es.“ Auf allen Ebenen.

Was die Mannschaft betrifft, kommen noch eine tadellose Berufsauffassung, unbändige Kampfeslust und ein herausragender Fitnesszustand hinzu. Diese Mixtur hat den Sensationsaufsteiger gleich wieder nach oben gespült in die Spitzengruppe der Zweiten Bundesliga. Zurzeit parken die 98er auf dem dritten Rang, der zu zwei Entscheidungsspielen gegen den Tabellensechzehnten des Oberhauses berechtigen würde.

Präses Fritsch freut der Blick aufs Tableau: „Für uns ist es eine Motivation, die Tabelle nicht von unten angucken zu müssen.“ Doch der Jurist bleibt eisern bei der Sprachregelung, auf die man sich verständigt hat und die Trainer Dirk Schuster bis aufs Blut verteidigt: 40 Punkte holen, dann weitersehen. „Es ist richtig, brav an der Reihenfolge festzuhalten“, sagt Fritsch. Träume sind erlaubt, aber nur bei jenen, die nicht in der Verantwortung stehen.


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In und um Darmstadt herum hat schon längst eine Diskussion eingesetzt, ob das Saisonziel Klassenerhalt im Zuge der außergewöhnlichen Hinserie nicht längst nach oben hätte korrigiert werden müssen. Manch einer hält das Darmstädter Understatement für ein wenig übertrieben. Fritsch nicht: „Es ist nicht albern. Wir bremsen ja nicht, wir wollen nicht ein Spiel extra verlieren. Aber wir lassen Realismus walten. Die Großen der Liga haben sich schon um uns herum in Position gebracht.“

Die Lilien werden jetzt anders wahrgenommen

Fritsch wüsste nicht, weshalb die Lilien nun von ihrer Linie abweichen sollten. „Der größte Feind des Glücks sind zu hohe Erwartungen“, bekundet er. „Ich bin kein Freund von wilden Zielen.“ In der Tat wird man abwarten müssen, ob die Darmstädter im neuen Jahr die Leistungen aus den ersten 19 Spielen werden bestätigen können. Sie werden fortan sicherlich anders wahrgenommen und nicht mehr unterschätzt. Die Kontrahenten werden nach Gegenmitteln suchen, um der aufwendigen Spielweise der Südhessen Einhalt zu gebieten. Die große Frage wird sein, ob die fußballerische Substanz der 98er ausreicht, um sich weiterhin in der Phalanx der Großen zu tummeln und ob sie ihren kraftraubenden Spielstil beibehalten können. Andererseits lassen sich nur schwer Gründe finden, weshalb das Team einbrechen sollte. Dazu scheint es zu klar, zu stark und zu gefestigt.
Die größte Baustelle ist ohnehin eine, die noch gar nicht aufgemacht wurde: der geplante Umbau des maroden Stadions am Böllenfalltor. Da muss sich der Klub auf eine Verzögerung von einigen Monaten einstellen. Noch in diesem Jahr soll mit den Arbeiten begonnen werden, doch ganz sicher nicht im Frühjahr, wie einst geplant. Bis dahin soll jetzt erst einmal der Businessplan des auf 27 Millionen Euro bezifferten Projekts verabschiedet werden. Fritsch sucht bei der heiklen politischen Frage den Mittelweg. Er weiß, dass die Mühlen der Behörden langsam mahlen: „Wir verlieren nicht die Nerven, aber wir haben auch keine Zeit zu verlieren.“ 18 Monate sind für den Umbau veranschlagt, eigentlich sollten die Lilien zum Saisonauftakt 2016/17 in der neuen Arena am Böllenfalltor spielen. Dieser Zeitplan wird nur schwer zu halten sein. Der Klubboss hält den Ball flach. „Wir haben 60 Jahre auf ein neues Stadion gewartet, da kommt es auf diese Zeit nicht an.“
Trainer Schuster kann seine Ungeduld manchmal nicht zähmen, ihm geht es aber weniger um das neue Stadion, sondern eher um die miserablen Trainingsmöglichkeiten. Fritsch hat schon Pläne für alternative Trainingsplätze in der Schublade. Er sagt, er habe Verständnis für den unbequemen Coach. „Ich finde es gut, dass ein Trainer fordert, das zeigt ja, dass er weiterkommen will.“ Und schließlich sei ja so: „Zufriedenheit ist ein Gegner des Erfolgs.“ Nimmt man die anderthalbjährige Erfolgsstory zum Maßstab, so muss das Böllenfalltor ein Hort der Unzufriedenheit gewesen sein.

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