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Lilien - Darmstadt 98
Spielberichte und Interviews zu den Lilien, News und Hintergründe zu Darmstadt 98.

30. Januar 2016

Darmstadt 98: Darmstadt und Schalke - zwei Welten

 Von Steffen Gerth
Duldet keine Selbstdarsteller: Lilien-Coach Dirk Schuster.  Foto: imago

Der SV Darmstadt 98 erwartet eine der besten Mannschaften der Fußball-Bundesliga am Böllenfalltor. Während mal wieder Schalker Interna auf dem Markt sind, gehen die Lilien ihrem Geschäft ruhig nach

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André Breitenreiter sieht seinen Ruf beschädigt. Es ist ja auch übel, wenn man im Fernsehen hören muss, dass man kein guter Trainer und die Stimmung zwischen ihm, dem Team und der Vereinsführung gestört sei. Beim FC Schalke 04 wird derzeit wieder viel zitiert, kommentiert, dementiert. Alles ganz normal also. Beim SV Darmstadt 98 werden sie darüber kichern. Öffentlicher Tratsch bei den Lilien? Gibt es nicht. Das ist eines der großen Unterscheidungsmerkmale zu Schalke, dem Darmstädter Gast an diesem Samstag (15.30 Uhr).

Die Lilien schaffen es seit Jahren, dass aus internen Angelegenheiten nie externe werden. Und wenn, dann mit einem bescheidenen Rauschen. Die Winterpausendiskussion über einen Wechsel von Stürmer Sandro Wagner nach England wäre woanders intensiver ausgefallen. Und das Geraune um ein angebliches Angebot aus der ersten russischen Liga für den Flügelspieler und gebürtigen Russen Konstantin Rausch hat nie den Bauch des Böllenfalltor-Stadions verlassen.

Wer sich mit den Lilien länger beschäftigt stellt eine weitere Logik fest: Spieler, die ins Probetraining eingeladen werden, bekommen so gut wie nie einen Vertrag. Offenbar dient dies nur zur Verunsicherung des Markts – damit der Verein still mit dem wirklichen Wunschkandidaten verhandeln kann. Wie etwa dem Stürmer Felix Platte, der erstmals am Donnerstag am Böllenfalltor gesichtet wurde, als es wohl um die finalen Gespräche ging. Dass der 19 Jahre junge Mann von Schalke ausgeliehen und womöglich heute schon im Lilien-Kader stehen wird, macht das Geschäft speziell.

Die Lilien sind ein Closed shop. Das hat System und Sinn in dem geschwätzigen Unterhaltungsbetrieb Bundesliga. Es gibt genug Vereine, in denen öffentlichkeitsaffine Präsidiums- und Aufsichtsratsmitglieder, Spieler oder ehemalige Verantwortungsträger ihre Privatshows in den Medien geben und dabei oft großen Schaden anrichten. In Darmstadt gibt es das alles nicht. Zudem haben die Lilien eine Firewall eingerichtet – in umgekehrter Richtung: es dringt nie etwas nach außen, was das System schädigen könnte. Der FC Bayern erhielt wegen seiner bunten Nachrichtenvielfalt einmal den Namen FC Hollywood. Die Lilien sind das Gegenteil. Sie pflegen ihr Aufstiegswundermärchen und die Rolle als finanzschwaches „Gallisches Dorf“ – und die Medien pflegen mit.

Bei Schuster chancenlos

Nicht, dass es nicht auch hier die fußballspezifischen Reibereien gäbe – sie schaffen es bloß nie in die Öffentlichkeit. Das klappt auch, weil die Verkündigungen über die große Linie des Vereins nur dem Chef obliegen: Klaus-Rüdiger Fritsch. Der Rest der Führung findet faktisch öffentlich nicht statt. Und wer doch mal ausscheren sollte, dem droht ein strenges Personalgespräch mit Fritsch.

Selbstverständlich hat an diesem Kurs auch Dirk Schuster großen Anteil. Nicht nur, dass der Darmstädter Trainer bei seinen Spielern keinerlei Selbstdarstellungen duldet – er selbst bietet kaum Angriffsfläche. Flotte Sprüche, provokante Aussagen – nicht mit ihm. „Über einen Heimsieg will ich gar nicht reden. Das wäre sensationell für uns. Schalke ist eine der vier, fünf besten Mannschaften in Deutschland und am Samstag klarer Favorit.“ So redet er vor dem Spiel an diesem Samstag.

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Im Prinzip kann man den Namen Schalke durch alle anderen Mannschaften ersetzen – gegen Darmstadt ist jeder Verein der Welt Favorit. Auch nach den Spielen kann sich der gegnerische Trainer noch so anstrengen, Schuster zu necken – er ist chancenlos. Stattdessen hört er die Satzbausteine, mit denen der Darmstädter Übungsleiter seinem Kollegen für die nächsten Aufgaben alles Gute wünscht und sich für die Aufmerksamkeit bedankt. Immer! Manche in Darmstadt nennen den Sachsen wegen seiner Sprachmuster bereits scherzhaft Schust-o-mat. Daher gilt auch für André Breitenreiter: Egal, wie das Spiel verläuft und ausgeht – man wünscht ihm eine gute Heimreise.

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