Lilien - Darmstadt 98
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06. September 2012

Darmstadt 98: Der Impulsgeber

 Von Sebastian Rieth
Der Neue in Darmstadt: Jürgen Seeberger.  Foto: Hübner

Der lange arbeitslose Trainer Jürgen Seeberger beerbt Kosta Runjaic beim Drittligisten SV Darmstadt 98.

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Ihr Geheimnis hatten sie lange gut gehütet. Erst am frühen Morgen, wenige Stunden vor der offiziellen Vorstellung, war der Name des neuen Trainers durchgesickert – und selbst das versuchten die Verantwortlichen des Drittligisten Darmstadt 98 noch zu verhindern. Vizepräsident Rüdiger Fritsch scherzte: „Damit ihn vorher niemand sieht, bringen wir ihn im Kartoffelsack auf die Pressekonferenz.“ Ganz so rustikal war es dann doch nicht. Im Wissenschafts- und Kongresszentrum der Stadt hatte der Verein den Raum Chromium gemietet. Doch wie ein Schwermetall wirkte der Neue nicht. Jürgen Seeberger, 47 Jahre, in Konstanz am Bodensee geboren, kam in schwarzem Hemd, schwarzer Hose – und hellblauen Chucks. Für die einen mag das gewöhnungsbedürftig sein, für die anderen jene Frische verkörpern, die man sich mit seiner Verpflichtung erhofft hatte.

"Hier riecht es in den Kabinen nach Fußball"

Seebergers Sprache ist griffig, er redet nicht lange um den heißen Brei, sondern spricht das aus, was die Leute in Darmstadt hören wollen. „Ich scheue mich nicht davor, mir die Hände schmutzig zu machen“, sagt er. Dass sein am Montag zum Zweitligisten MSV Duisburg gewechselter Vorgänger Kosta Runjaic immer wieder die widrigen Umstände angeprangert hatte, störe ihn nicht. Seeberger weiß, dass es bei den Lilien mit ihren begrenzten finanziellen Möglichkeiten, der teilweise überzogenen Erwartungshaltung und dem maroden Stadion nicht einfach wird. „Hier riecht es in den Kabinen nach Fußball, hier ist nicht alles auf Hochglanz poliert, ich kann mich damit identifizieren.“ Laut Vizepräsident Fritsch sei das ein Grund gewesen, warum man sich nach Gesprächen mit einigen anderen Kandidaten für Seeberger entschieden und ihn mit einem Vertrag bis zum 30. Juni 2014 ausgestattet hat.

Der Fußballlehrer arbeitete zuletzt anderthalb Jahre beim VfB Stuttgart II und war davor ebenso lang bei Alemannia Aachen in der zweiten Liga tätig gewesen. Es fehlte nur ein Hauch und Seeberger hätte den Traditionsklub 2009 wieder zurück in die Eliteklasse geführt. Doch nach Platz vier verpatzte die Mannschaft den darauffolgenden Saisonstart, es gab Missstimmung im Team und der Trainer musste trotz eines 3:0-Erfolgs gegen den FSV Frankfurt seinen Stuhl räumen. Geschichten von gestern.

Lebensmittelpunkt in Stuttgart

Seeberger, der 14 Monate ohne Job war und mit seiner Familie weiter in Stuttgart wohnen wird, will sich erst einmal ein Bild von der Mannschaft machen. Schon heute geht es ins Trainingslager in die Nähe von Salzgitter, am Samstag ist ein Testspiel gegen Braunschweig geplant, eine Woche später werden beim Halleschen FC die nächsten Punkte verteilt. „Das ist gut, da sind wir gleich voll im Thema“, sagt Seeberger. Viel Zeit bleibt nicht. Die Mannschaft steht auf einem Abstiegsplatz und braucht dringend Impulse. Dass er das kann, hat Seeberger bewiesen. Der neue Trainer, der gleichzeitig auch Sportmanager ist, machte sich einst in der Schweiz einen Namen, als er den FC Schaffhausen von der dritten in die erste Liga führte. So weit muss es in Darmstadt gar nicht sein. Ein paar Tabellenplätze nach oben würden fürs Erste schon reichen.

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